Seltene Essstörung; kann nicht mit anderen zusammen essen

Kanae

Seltene Essstörung; kann nicht mit anderen zusammen essen

Beitragvon Kanae » Do 22. Nov 2018, 23:00

Hey Leute,
Ich schreibe weil ich seit neun Jahren an einer Essstörung leide (bin jetzt 19) ,die wohl recht selten ist. Zum einen kann ich überhaupt nicht von Menschen essen und bekomme Panik und dissoziiere, wenn jemand versucht, mich zu zwingen. Das ist sehr einschränkend, weil ich noch nie mit meinem Freund essen gewesen bin und wir seit über fünf Jahren zusammen sind.
Andererseits zähle ich auch Kalorien, neige dazu, viel zu hunger- eigentlich konstant leichtes Untergewicht bis stärkeres Untergewicht- und wenn mich jemand sehen könnte, dann esse ich lieber überhaupt nichts und das gleiche ist das mit dem Trinken... Und ich bin auch eher so ein Bauchmensch, dem immer gleich übel wird, das Macht's der Essstörung natürlich leichter.
Auch darüber, wie sie behandelt werden soll, sind die Ärzte sich nicht einig. Die einen behaupten, ich müsse strikte Verhaltenstherapie machen und meine Angst durchbrechen, das könne ja therapeutisch aufgefangen werden. Die anderen sagen, dass da ich so stark dissoziativ darauf reagiere, könnte es mit einem Trauma zusammenhängen und dann würde man mich nicht zwingen, das zu überwinden.
Ich weiß wirklich nicht weiter ich finde keine dauerhafte Besserunf... Kennt ihr ähnliche Probleme und wisst ihr vielleicht, welche therapeutische Herangehensweise besser ist?

Gast

Re: Seltene Essstörung; kann nicht mit anderen zusammen essen

Beitragvon Gast » So 25. Nov 2018, 17:31

Hi,
nicht mit oder vor anderen essen zu können ist (leider) keine Seltenheit bei Menschen mit einer ES. Im Gegenteil.
Jeder erfahrene Fachmensch sollte das kennen und damit arbeiten können.
Egal aus welchen Gründen sie da sind: tiefsitzende Verhaltensweisen zu verändern benötigt Unterstützung, Motivation, Durchhaltevermögen. Ich kenne niemanden der lediglich durch ambulante Psychotherapie unterstützt, geschafft hat, allein zuhause sein krankes Essverhalten dauerhaft verändern zu können. Deshalb landen so viele mit ES (ausgelöst durch was auch immer bzw. egal in Kombi mit welchen anderen psychischen Erkrankungen) "gerne" als Drehtürpatienten in Kliniken. Bist du zu dünn, musst du erst zunehmen, bevor man mit dir am Trauma arbeitet, arbeitet man am Trauma, wird die ES wieder stärker, usw usw. Gleiches gilt für Trauma/SVV, SVV/ES, Trauma/Depression, etc. Es gibt wenig Konzepte/Angebote die diese Zusammenhänge aufgreifen und Alternativen anbieten. Auch deine Ärzte scheinen sich dieser Zusammenhänge zu verschließen, sonst würden sie dich nicht mit entweder/oder in der Gegend stehen lassen. Es gibt keine allgemeingültige Aussage zu was besser oder schlechter ist. Es gibt Erfahrungswerte (Studien), mehr nicht. Geguckt werden muss individuell, was für dich passt und ansteht. Du brauchst Fachleute, die willens sind, die Komplexität der Zusammenhänge anzuerkennen und ausgebildet sind, die verschiedenen Ebenen gleichzeitig zu "bedienen" und zusammen zu bringen. Eine stationäre Wohngruppe mit entsprechenden Netzwerken zu Ärzten, Therapeuten und Klinken könnte eine echte Chance für dich sein.

Anni

Re: Seltene Essstörung; kann nicht mit anderen zusammen essen

Beitragvon Anni » So 25. Nov 2018, 18:36

Ich kann leider auch nicht mit Anderen essen. Im Gasthaus schon mal gar nicht. Daheim nur, wenn ich Jederzeit aufstehen und gehen kann. Ich esse fast immer Allein.

Kanae

Re: Seltene Essstörung; kann nicht mit anderen zusammen essen

Beitragvon Kanae » So 25. Nov 2018, 22:15

Vielen Dank für die Antworten. Es ist beruhigend, zu hören, dass auch andere dieses Problem haben. In betreutem Wohnen bin ich schon, allerdings wegen anderer Probleme.
Ich habe überlegt, eine DBT/Essstörungstherapie zu machen, allerdings würde da ja auch mit Zwang vorgegangen werden, denke ich.
Könntest du mir vielleicht ein Beispiel geben, wie eine gelungene Behandlung aussehen könnte?
Ich war jetzt schon so viel stationär und bisher hat diesbezüglich nichts geholfen...

Gast

Re: Seltene Essstörung; kann nicht mit anderen zusammen essen

Beitragvon Gast » Mi 28. Nov 2018, 19:53

Hi,
nach meiner Erfahrung ist ein Behandlungsplan eine sehr individuelle Sache und sollte dementsprechend erstellt werden. Ferndiagnostisch über ein paar post möchte ich demnach keine Empfehlung für dich geben- das fände ich anmaßend. Dafür halte ich menschliche innerpsychiche Vorgänge für zu komplex und einzigartig und auch bestimmte persönliche Dinge, die eine (erfolgreiche) Behandlung beeinflussen, benötigen (meiner Erfahrung nach) eine bzw mehrere persönliche Begegnungen, um sie zu "entlarven". Ein "Allheilmittel" für ES ist mir während meiner beruflichen Laufbahn bisher noch nicht begegnet. Was bei dem einen zu großen Erfolgen geführt hat, war bei anderen kontraproduktiv.

"Ich habe überlegt, eine DBT/Essstörungstherapie zu machen, allerdings würde da ja auch mit Zwang vorgegangen werden, denke ich."
Ich bin neugierig, was du mit Zwang meinst. Was verstehst du in diesem Zusammenhang unter Zwang bzw. welche Vorstellungen hast du von der Therapie? Schreib mal bitte was du meinst oder welche Erfahrungen du damit gemacht hast. LG

Kanae

Re: Seltene Essstörung; kann nicht mit anderen zusammen essen

Beitragvon Kanae » Fr 30. Nov 2018, 09:44

Hey :)
Ja, Ferndiagnosen sind wohl nicht so sinnvoll, stimmt schon.. Irgendwie hoffe ich immer, dass es schon so einen gängigen Weg gibt, wie man solche Krankheiten mit der höchsten Erfolgsrate behandelt, woran man sich dann orientieren könnte.

Zum Thema Zwang: Ich hab gehört, dass dort alle Lebensmittel abgewogen werden, man sich halt einen Essensplan erstellen und den streng einhalten muss und dann zusammen mit allen essen muss. Also würde ich mich ziemlich ins kalte Wasser geschmissen fühlen, zumal ich ja weder klassische Anorexie oder Bulimie habe. Abgesehen davon, dass ich Angst vor der strengen Kontrolle hätte, wo ich doch nicht mal vor meinem Partner überhaupt essen oder trinken kann, sind da in meiner Vorstellung auch überwiegend 20kg Mädchen, die sich alle fragen würden, was ich da mit meiner komischen Essstörung will.. Was aber vielleicht ein Vorurteil ist.






Zurück zu „Essstörungen-Forum“