Vulnerabler Narzissmus

(außer Borderline)
LewLandau

Vulnerabler Narzissmus

Beitragvon LewLandau » So 15. Okt 2017, 16:12

Hallo zusammen,

sucht man im Internet nach Informationen über die narzisstische Persönlichkeitsstörung, findet sich viel über Menschen, die mit einer betroffenen Person in ihrem Umfeld klarkommen müssen oder von ihr missbraucht worden sind. Der Tenor ist, die Täter verdienten kein Mitleid, es seien schlechte Menschen, die bewusst die Entscheidung gefällt hätten, sich auf Kosten anderer besser zu fühlen. Dass sich krankhafter Narzissmus jedoch nicht immer in extravertiertem und offen zerstörischem Verhalten äußert, sondern häufig auch in schüchtern wirkenden, unsichereren Menschen oft kaum merklich vorhanden ist und hauptsächlich ihnen selbst schadet, ist nicht so vielen bewusst. Dies wird dann als vulnerabler Narzissmus bezeichnet, der Übergang ist allerdings fließend. Die Liste der dazugehörigen Persönlichkeitsmerkmale beschreibt mich (heutzutage) ziemlich gut. Noch nie habe ich mit irgendeiner Person über meine psychischen Probleme gesprochen, auch wenn allen klar ist, dass etwas mit mir nicht stimmt. Allein schon die ganzen Gedanken, die ich mir zurzeit mache, sowie meine Lebensgeschichte aufzuschreiben, tut gut, aber vielleicht kann sich ja sogar die eine oder andere Person dazu äußern.

Ich bin 23 Jahre alt, männlich und Student. Auch wenn meine späteren Ausführungen vielleicht anderes vermuten lassen werden, denke ich, dass ich tief im Innern eine introvertierte und sensible Person bin. Wohl deshalb bin ich eher auf der vulnerablen Seite des narzisstischen Spektrums, wobei dies situationsbedingt ist - ich denke nicht, dass vulnerabler und grandioser Narzissmus verschiedene Störungen sind, sondern lediglich zwei Pole darstellen, zwischen denen betroffene Personen oszillieren. Nichtsdestotrotz kann man wohl die meisten von ihnen in der Nähe einer dieser beiden Pole verorten, mich eindeutig auf der verletzlichen Seite, was sich durch häufige Selbstzweifel, Perfektionismus, soziale Ängstlichkeit und ungesunde Abwehrmechanismen äußert. Meiner Meinung nach Ausdrücke mangelnden Selbstwertgefühls und erhöhter Sensibilität.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Versorgt mit narzisstischer Nahrung in Form von Anerkennung, Bewunderung oder der Überzeugung, beneidet zu werden, erfüllt es mich mit einem überwältigen Gefühl der Grandiosität und Überlegenheit. In solchen Momenten oder auch im gegenteiligen Fall einer narzisstischen Verletzung - beispielsweise jegliche Kritik seitens Personen, denen ich mich (häufig unbewusst) überlegen fühle - zeigt sich die stereotypische hässliche Seite der Störung: Arroganz, herablassendes oder feindliches Verhalten, Empathielosigkeit, Egoismus. Manifestiert sich beispielsweise in einem perversen Vergnügen daran, Leute zurückzuweisen, selbst wenn diese es eigentlich gut mit einem meinen. Auch wenn ich weiß, wie schäbig das ist, kann ich es nicht einfach abstellen.

Dass ich mich so verhalte, liegt meiner Ansicht nach daran, dass ich Stolz und Scham weit intensiver erlebe als andere Emotionen. Ich habe gelesen, dass narzisstisch gestörte Menschen die Tendenz hätten, ihre wahren Gefühle und Bedürfnisse abzuspalten sowie zu unterdrücken, beispielsweise das nach gesunden, wechselseitigen Sozialkontakten. Während ich zur Schule ging, war ich zwar scheinbar sozial immer gut eingebunden, habe inzwischen aber gelernt, dass die "Freunde", die ich hatte, der Lexikondefinition des Wortes nicht entsprachen. Ich verglich mich fortwährend mit ihnen, um sie dann entweder respektlos und illoyal zu behandeln, teilweise sogar zu mobben, oder um deren Anerkennung zu buhlen - je nachdem, wie ich im Vergleich abschnitt. Letzteres tat ich allerdings nicht zum Selbstzweck - die Motivation war eher, dass ich von anderen als auf den oberen Stufen der sozialen Hierarchie stehend gesehen werden wollte, was ich meiner Meinung dadurch erreichen konnte, dass ich mit den "coolen" Leuten abhing. Der Kontakt mit diesen "Freunden" brach konsequenterweise sofort ab, als sie von der Schule abgingen (keiner von ihnen schaffte es bis zum Abi).

In der Grundschule und sogar schon im Kindergarten verhielt ich mich noch verwerflicher. Noch ehrlich von meiner eigenen Überlegenheit überzeugt, legte ich ein absolut destruktives Verhalten an den Tag. Stellt euch einen sechsjährigen Donald Trump vor. Ich denke daher, die Ursache für alles liegt in meiner frühen Kindheit. Zu wenig echte Liebe seitens der Eltern erfahren (mangels deren Fähigkeit, diese auszudrücken), Lob nur für gute Noten, allerdings nicht für den Fleiß, der dahintersteckt, sondern allein für meine Intelligenz, die es mir ja erlaube, ohne große Mühe so gut in der Schule zu sein. Ein schädliches Kompliment, was auch zur Entwicklung von Versagensängsten führte, die mich bis heute verfolgen. Ich mache ihnen allerdings keinen Vorwurf, sie wussten es schlicht nicht besser. Beide haben im Übrigen auch mit psychischen Problemen zu kämpfen und ließen sich scheiden, als ich 14 war. Kein optimales Umfeld zum Aufwachsen also.

In Ermangelung gesunder Sozialkontakte entstehen bei narzisstisch gestörten Personen Gefühle der inneren Leere und Einsamkeit, welche sie durch Überlegenheitsgebaren und -fantasien, im Endeffekt also durch aufgeblasenen Stolz, zu kompensieren versuchen. Das Gefühl der Scham fordert diese Überzeugung heraus, es muss daher unter allen Umständen vermieden werden. Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass mein Handeln und Denken im Kern durch die diese beiden Emotionen bestimmt ist: ich strebe danach, bewundert zu werden, während ich so weit wie möglich Situationen, die sich als beschämend erweisen könnten, vermeide. Dies hatte die fatale Folge, dass ich mich während meiner Adosleszenz zunehmend sozial isolierte. Da die Vergleiche mit meinen "coolen" Freunden zunehmend schmerzhaft wurden, da sie schlicht beliebter waren als ich, der den unmöglichen Spagat zwischen Street Cred und guten Leistungen in der Schule haderte (ich musste mir und meinen Eltern ja weiterhin beweisen, dass ich intelligent bin), suchte und fand ich meine Anerkennung stattdessen in Onlinespielen. Niemals versuchte ich dabei, Freunde zu finden, ich wollte nur besser sein als andere, damit diese meine Skills bewundern oder mich aus Frust beleidigten (ja, das gab mir ein gutes Gefühl...). Meine sozialen Fähigkeiten stagnierten, stagnieren infolgedessen auf dem Niveau eines 14-Jährigen, wenn überhaupt. Nach und nach verlor ich meine restlichen Freunde ("Freunde"), redete mir aber ein, ich sei allein glücklicher. In Wirklichkeit sank mein Selbstwertgefühl weiter und weiter, außerdem entwickelte ich eine soziale Phobie (denke ich, war bisher noch nie bei einem Psychologen). Aus irgendeinem Grund entschloss ich mich dann aber, bei den Abiturprüfungen richtig reinzuhauen, obwohl ich in den zwei Jahren Oberstufe kaum noch etwas für die Schule getan hatte. Das gelang mir dann auch, ich konnte aus meinem 2,5er-Schnitt noch ein Einserabi machen. Im darauffolgenden Wintersemester fing ich an, Physik zu studieren. Vielleicht beflügelt durch die Anerkennung, die ich für meine Abinoten erhalten habe, war ich sehr fleißig und schloß meinen Bachelor mit 1,0 ab. Während all dieser Zeit hatte ich allerdings nur 3-4 Freunde an der Uni, und zwar wieder nach altem Schema. Die aus der Ermangelung gesunder Sozialkontakte resultierende Einsamkeit betäubte ich weiterhin mit Onlinespielen. Ich lebte zu Hause bei meiner Mutter, gegen Ende des Studiums bei meinem Vater und seiner neuen Frau, der vielleicht extravertiertesten Person auf dem Planeten, die darüber hinaus alle Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen auf sich vereint (ich bin mir allerdings sicher, dass auch sie noch nie bei einem Psychologen war, da sie kein Problem bei sich sieht. An allem waren andere - meistens ich - schuld). Es kam zu Reibereien, sie brach häufig in hysterisches Geschrei aus, zum Beispiel wenn ich meinen Unmut darüber äußerte, dass sie mir in einem Kasernenton befohlen hatte, mein Zimmer aufzuräumen. Ich war da 21 Jahre alt. Meinen Vater interessierte das alles nicht, er hatte den Kontakt zu seiner Gefühlswelt schon lange verloren. Alles, was er in seiner Freizeit tut, ist auf dem Sofa zu liegen, fernzusehen (ohne irgendetwas von dem Gezeigten mitzubekommen) und Alkohol und Tabak zu konsumieren. Ich denke selten an ihn, glaube manchmal, er sei mir egal. Ich weiß aber, dass das nicht der Fall ist, und tief im Innern belastet mich die Gleichgültigkeit unseres Verhältnisses.

Mit 22 zog ich endlich aus, ins 600km entfernte Berlin, um meinen Master zu machen. Ich kann nicht mal genau sagen, warum. Vielleicht wollte ich möglichst weit weg, um mein bisheriges Leben hinter mir zu lassen. War aber definitiv eine gute Entscheidung, ich hörte auf mit den Onlinespielen, da ich merkte, wie viel Zeit es konsumierte, und fing an, mehr Zeit mit Lesen, Lernen und Sport zu verbringen (bis heute meine liebsten Hobbys). Allerdings bleiben die alten Denkmuster bestehen. Da ich keine Bestätigung mehr durch das Zocken bekam, suchte ich mir - unbewusst - einen Ersatz, den ich im Bodybuilding fand. Im Sommer die Blicke der Mädchen auf mich zu ziehen, verschuf mir ein Hochgefühl. Dabei blieb es jedoch immer, denn wegen meiner Passivität und mangels Selbstbewusstsein ist es mir in der Regel unmöglich, sie anzuspechen. Während ich also zwar so viel narzisstischen Feed erhielt wie noch nie, wuchs die sexuelle Frustration. Ich übertrieb es schließlich mit dem Training und beförderte mein zentrales Nervensystem in einen chronischen Überlastungszustand, was zu einer seit nunmehr einem Monat währenden Zwangspause führte. In dieser deprimierenden Zeit nahm ich mir viel Zeit zur Reflexion, und hier bin ich nun. Ich merke, dass es so nicht weitergehen kann. Ich bin pessimistisch, da ich im Kern immer so gewesen bin wie jetzt. Ich denke, da etwas zu ändern, wäre mindestens harte Arbeit, im schlimmsten Fall unmöglich. Außerdem habe ich im sozialen Bereich einen erheblichen Entwicklungsrückstand. Ich möchte echtes Interesse an anderen Menschen haben können, nicht immer nur über mich selbst nachdenken. Ich möchte lernen, mich der Gefahr, verletzt zu werden, auszusetzen, anstatt die meisten Menschen mit nonverbaler Überlegenheitsgestik und -mimik auf Abstand zu halten, um mein kümmerliches Selbstwertgefühl zu schützen.

Ich würde gerne mal die ein oder andere Meinung zu dem Ganzen hören. Geht meinetwegen auch hart ins Gericht, wenn ihr es für angemessen haltet. Leidet noch jemand unter etwas auch nur entfernt ähnlichem? Hat ein solcher jemand Erfahrungen mit einer Therapie gemacht? Mir ist klar, dass diese individuell wäre, aber wo würde man da generell ansetzen?

Und danke, falls ihr bis hierher durchgehalten habt.
Viele Grüße

Gast

Re: Vulnerabler Narzissmus

Beitragvon Gast » So 15. Okt 2017, 18:36

Hallo,

du hast dich ja schon sehr gut selber 'diagnostiziert'. Danke für deinen Post!
Ich hatte beim Lesen das Gefühl, als dass sich bei dir nicht nur narzisstische sondern auch selbstunsicher-vermeidende, latent-aggressive und auch – sorry- so was wie sadistische Anteile manifestiert haben.

Oftmals liegt ja auch ein (Entwicklungs- bzw. Bindungs-)Trauma zugrunde. Deine Vermutung, Stolz und Scham besonders intensiv zu fühlen oder das Abspalten bestimmter Gefühle oder Bedürfnisse könnte z.B. dafür sprechen, Stichwort Dissoziation. (Für Dissoziation spricht m.M. nach auch die Tatsache, dass du dich selber so emotionsfrei betrachten und analysieren kannst.)

Aber es ist natürlich schwer, jetzt aus der Ferne dir etwas Gutes zu raten.
Inwieweit hast du dich denn schon schlau gemacht bzw. hast du schon Therapieerfahrungen?

Da du ja selber sehr bewandert bist in der Thematik, braucht man dir ja nicht zu sagen, dass es ein Mangel aus der Kindheit ist, den du kompensierst. Und da du schon im Kindergarten so warst, wie du es beschreibst, lässt mich das fast nicht mehr zweifeln.

Dir ist Liebe und Aufmerksamkeit verwehrt worden. Dafür hat man zu hohe Erwartungen an dich gestellt und daher kommt dein Mangel an Selbstwertgefühl. Du hast keinen Menschen in deinem Herzen gehabt. Nur durch Menschen kann man ja fühlen, dass man selber ein Mensch ist. Mit allen Fehlern, Schwächen, Gefühlen und Bedürfnissen, die Menschen halt haben.
Wenn das ausbleibt, dann fühlt man sich zeitlebens 'anders'. Alienhaft manchmal. Wie ein anderes Wesen, das die Menschen durchschaut und sie für bewusstseinseingeschränkt und komisch hält, da man ja selber anders fühlt.
Dabei sind diese Menschen nur normal :)

Also von daher finde ich auch nicht, dass du nicht auch ein 'normaler Mensch' bist sondern in dir laufen halt andere Programme, die damals in deiner Kindheit auf deine Festplatte gespielt worden sind, ab.

Du hast genauso viel Empathie und Sozialkompetenz in dir, wie andere Menschen auch. Es liegt alles nur sehr weit unten in deinem Unterbewusstsein verschüttet und müsste, in kleinen Schritten, heraufbefördert werden.

Offensichtlich WILL es auch herauskommen. Sonst hättest du das alles ja hier nicht gepostet!

LewLandau

Re: Vulnerabler Narzissmus

Beitragvon LewLandau » So 15. Okt 2017, 20:39

Hey,

danke dir für deine Antwort.

Selbstunsicher-vermeidend, das kommt schon hin. Sadistische Anteile, wow... woran machst du das fest? An dem Mobbing? Kann nur sagen, dass ich mich dessen heute sehr schäme und mir heutzutage nichts ferner läge. Könnte jetzt allerdings auch falscher Moralismus sein, den ich missbrauche, um mich zu überhöhen, nur eben auf subtilere Art und Weise.

Was genau meinst du mit Dissoziation, bzw. was ist das überhaupt? Wikipedia sagt was von "Auseinanderfallen normalerweise zusammenhängender Funktionen", werde ich jetzt so direkt aber nicht schlau draus. Welche Funktionen wären das deiner Meinung nach in meinem Fall?

Ich bin noch nie in Therapie oder überhaupt bei einem Psychologen gewesen. Erst nachdem ich angefangen hatte, meine Freizeit und Gedankenkapazität nicht mehr mit Videospielen zu verschwenden, dämmerte mir, dass ich ernsthafte psychische Probleme haben könnte. Bevor ich allerdings zu einem gehe, will ich mich noch weiter informieren, z.B. darüber, welche Ansätze bei einer typischen Therapie so verfolgt werden, um ihn dann, ich weiß nicht, besser einschätzen zu können?

Wie ein anderes Wesen fühle ich mich im Übrigen nicht, das würde auch nicht zu meinem Zwang passen, mich ständig mit anderen zu vergleichen, oder?

Der Grund, aus dem ich mir zunehmend Sorgen mache, ist, dass ich bald mit dem Studieren fertig bin. Damit endet die Zeit, in der man nur durch Leistung und ohne Sozialkompetenz erfolgreich sein kann. Ich habe Angst, eines Tages in einem Sackgassenjob gefangen festzustellen, dass ich all die schönen Dinge des Lebens verpasst habe. Es wird ja nicht unbedingt leichter.

Gast

Re: Vulnerabler Narzissmus

Beitragvon Gast » Di 17. Okt 2017, 17:14

Hallo,

der Begriff 'sadistisch' ist wirklich etwas hart aber mich hat deine Schilderung daran erinnert, dass viele Menschen, die im Erwachsenenleben zum Sadismus neigen, in der Kindheit oft Menschen oder Tiere gequält haben. Sie tun das oft nicht, um die Wesen zu quälen sondern um zu sehen, wie sie funktionieren.
Passt auch irgendwie zur Motivation eines Physikers. Zustände beobachten und erklären, warum sie so sind, wie sie sind. Man ändert die Zustände dadurch nicht aber man kann sie erklären. Und Dinge, die man erklären kann, hat man vermeintlich im Griff.

Dissoziativ an deinen Schilderungen finde ich, dass du erkennst, dass du ggf Gefühle und Bedürfnisse abgespalten hast bzw. das auch bestätigen kannst.

Dissoziation bedeutet so viel wie, dass eine Ereignis, das normalerweise komplex ist und auch komplex im Gehirn abgespeichert wird, NICHT komplex sondern in Einzelteilen abgespeichert wird, da es das Gehirn (bzw. den Hippocampus ) überfordert und somit in einzelne Teile zerfällt.

Jetzt magst du denken, dass das nicht auf dich zutrifft. Aber das ist ja gerade das Subtile an den Folgen eines Traumas, egal ob Schock- oder Entwicklungstrauma. Man merkt es ja nicht. Man soll es auch nicht merken.

Wenn du schreibst, wie du dich im Kindergarten verhalten hast oder aber wie du Onlinegamer erniedrigt hast, dann hast du das vermutlich genau aus diesem Grund getan: du wolltest dein lebenswichtiges Grundbedürfnis, das man dir verwehrt hat, nämlich Aufmerksamkeit und zu bekommen, kompensieren.
Bedürfnisse, die man abspaltet (Dissoziation), kompensiert man irgendwie. Ob man es merkt oder nicht. Denn das Bedürfnis hört ja nicht auf zu sein. Sie werden höchstens stärker.

Hast du schon mal was von Schematherapie gehört? Das könnte vielleicht etwas für dich sein.

Deine Zukunftssorge ist übrigens sehr berechtigt. Aber da du sehr selbstreflektiert bist, sehe ich gute Chancen darin, dass du ein zufriedener und ausgeglichener Mensch sein kannst.
Versuche, die Aufmerksamkeit auf dich zu lenken. Oder in dich. Wenn du erst einmal verstehst, warum du so handelst und fühlst, wie du es tust, kannst du dich selber besser wertschätzen und musst dir nicht mehr die Bestätigung im Außen suchen.

LewLandau

Re: Vulnerabler Narzissmus

Beitragvon LewLandau » Di 17. Okt 2017, 20:15

Hallo,

vielen Dank für deinen Beitrag und die Hoffnung, die du mir machst.

Schematherapie klingt durchaus interessant, soweit ich das als Laie beurteilen kann. Ich habe mich jetzt entschlossen, mich bei nächster Gelegenheit von meinem Hausarzt überweisen zu lassen. Ich werde das dann mal erwähnen.

Und mir ist das mit der Dissoziation immer noch nicht ganz klar. Ereignisse werden in Einzelteilen abgespeichert. Was hat das mit abgespaltenen Bedürfnissen zu tun?

Eine interessante Brücke, die du zwischen Physik und Sadismus geschlagen hast. Hier muss ich allerdings widersprechen. Niemals habe ich Tiere oder Menschen (physisch) gequält, mein antisoziales Verhalten ist meiner Ansicht nach einzig darauf zurückzuführen, dass ich mich für etwas Besseres hielt. Ich wollte mich nur selbst überhöhen, tat es nicht aus Freude oder Interesse an ihrem Leiden. Physik studiere ich im Übrigen nicht etwa, weil es mich so brennend interessieren würde oder ich Erklärungen für alles finden möchte, sondern nur, weil ich gut in Mathe bin, mir ein Mathematikstudium allerdings zu realitätsfern war. Ich habe die Entscheidung dazu erst einige Wochen vor Studienbeginn getroffen, weil ich nicht nichts tun wollte.

Thietmar

Re: Vulnerabler Narzissmus

Beitragvon Thietmar » Mi 23. Mai 2018, 01:45

Wirklich erstaunlich, dass sich jemand freiwillig dazu bekannt, ein Narzisst zu sein. Normalerweise ist es doch so, dass Narzissten leiber sterben würden, als eine Schwäche oder einen Fehler einzugestehen.






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