Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Stille85

Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Beitragvon Stille85 » Do 2. Aug 2018, 16:50

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Lies das Buch „Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung“ von Ramana Maharshi.
Dieses kleine Büchlein enthält die Essenz der einen und wichtigsten Lehre: Erkenne Dich selbst!
Hierbei handelt es sich nicht um irgendeine neue Theorie, die sich jemand ausgedacht hat, um Bücher zu verkaufen, sondern um die Wahrheit, wer wir wirklich sind, die schon seit Jahrtausenden bekannt ist, aber in unserer Gesellschaft nur wenig Beachtung findet.
Lesedauer: ca. 1 Stunde, Preis der Kindle Edition: 2€
Hey Anton,

die Probleme werden am Ende nur durch intensive Selbstergründung verschwinden.
Die praktische Übung ist also wichtiger als das Lesen der Bücher, weil die Theorie nur Nahrung für den Verstand ist und so schnell wie möglich wieder vergessen werden sollte. „Sei still" lautet die einfache Methode und bedeutet, den Verstand von allen Gedanken, Konzepten und sonstigen Aktivitäten zu befreien. Deine wahre Natur kannst du nicht intellektuell erfassen, weil sie jenseits des Verstandes liegt. Finde heraus, welche Vorstellungen und Konzepte dein Selbst verschleiern - dabei kann dir leider niemand helfen. Unser Verstand ist nur ein Tröpfchen auf der Oberfläche des Ozeans. Um in die Tiefe zu gehen, muss man seine Aufmerksamkeit von den Gedanken und Objekten abwenden. Genau hier liegt das Problem. Der Verstand kann nicht auf den leeren Raum achten, der Verstand kann nicht die Stille suchen.
Das kann nur dein „wahres Ich“ bzw. du kannst Es nur sein.

Das größte Hindernis ist die Identifikation mit dem Körper, weil wir so sehr daran gewöhnt sind. Der Körper ist schmerzempfindlich, aber hat dein Fuß schon mal gesagt „ICH habe Schmerzen“? Natürlich nicht, aber wer sagt es dann? Was ist dieses „Ich“ und wo kommt es her? Im Tiefschlaf gab es kein Ich, keine Welt, keine Schmerzen, keine Sorgen. Jetzt bist du wach und voller Probleme. Was hat sich zwischen dem Tief- und Wachzustand geschoben? Der Ich-Gedanke, das Ego. Um solche Fragen sollten sich deine Gedanken drehen. Es ist mehr eine intuitive Herangehensweise, um ein Gespür für das Dahinterliegende zu bekommen. Du schreibst von „Geisteskontrolle“, aber in Wirklichkeit gibt es keinen Geist, der kontrolliert werden muss. Alle Bemühungen, eine Illusion zu kontrollieren, verstärkt sie nur...

Hier noch mal stichwortartig die Essenz der Lehre, an die man sich immer erinnern sollte:

- der Verstand ist nur ein Bündel von Gedanken
- im Hintergrund befindet sich das ewige Ich-Bewusstsein (das Selbst), im Vordergrund der begrenzte Ich-Gedanke (das Ego)
- wenn man nach dem Ego sucht, verschwindet es und das Selbst bleibt übrig
- Der Verstand kann die Probleme des Verstandes weder verstehen noch lösen
- Wirklichkeit ist der Verlust des Egos
- es gibt keine Stufen der Verwirklichung, nur ein Reifen
- man muss nichts „werden“, sondern „sein“
- das Selbst ist im Hintergrund immer verwirklicht und vollkommen, hier und jetzt
- keine Befreiung ist nötig, du bist schon frei, entferne nur die Nicht-Erkenntnis
- es gibt keinen Moment, in dem das Selbst nicht existiert; es ist immer gegenwärtig
- nur Gedanken verändern sich, DU bist immer das Selbst
- weil Gedanken und Gefühle in dir auftauchen, musst du auch dort nach der Quelle suchen
- Glück, Liebe und Freude existieren nicht außerhalb von dir

„Sucht und hört nicht auf zu suchen, bis ihr findet. Wenn ihr findet, werdet ihr verwirrt sein.
Wenn ihr verwirrt seid, werdet ihr euch wundern und herrschen über das All.“
Yeshua

Erinnere dich im Alltag so oft wie möglich an die Methode der Selbstergründung.
Nutze jede Gelegenheit, um dich zu fragen „Wer bin Ich? Zu wem kommen die Gedanken? Wer leidet? Wer ist der Handelnde? Von wo kommen die Gedanken? Wohin verschwinden sie?“ Erledige deine Pflichten, aber urteile nicht mehr. Werde zum Beobachter aller Gedanken und Erfahrungen.

Grüße :thumbup:

Anton

Re: Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Beitragvon Anton » Do 2. Aug 2018, 21:23

Hi Stille85,

vielen Dank für deine Mühe! Das was ich Dir jetzt schreibe sind im Endeffekt auch nur wieder Gedanken, aber vielleicht kann ich Dir trotzdem meine Problematik etwas näher bringen. Mich würde es auch interessieren, in wie weit Du Du damit dein Glück gefunden hast.

Prinzipiell verstehe ich das ganze intellektuell, vom Konzept her. Doch wenn ich mir im Alltag die Fragen stelle "Wer bin ich? Woher kommen die Gedanken? Wer hat Probleme? Wer spricht hier eigentlich?" dann ist da nichts und ich kann keine Antwort finden. Genauso könnte ich mich z.B. fragen, " Wird es am 02.August 2025 ein Gewitter geben oder die Sonne scheinen?" Ich weiß es nicht, also kann ich auch keine Antwort darauf geben. Andererseits verstehe ich die Aussage nicht, dass "keine Befreiung nötig ist, man schon frei ist, man nur die Nicht-Erkenntnis entfernen muss". Wie kam es denn überhaupt zur Nicht-Erkenntnis? Warum wurde ich (bzw. mein Körper) überhaupt geboren, um mich dann für eine "Erleuchtung" zu bemühen?? Warum muss ich mich überhaupt für etwas bemühen? Ob ich mich bemühe oder nicht bemühe, der Realität, so wie ich sie wahrnehme, bleibt die Gleiche.

Grüße!

Stille85

Re: Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Beitragvon Stille85 » Fr 3. Aug 2018, 16:10

Hi Anton,

gib die Suche nach Glück in äußeren Umständen auf und versuche, den Verstand auf seine Quelle zu richten. Damit meine ich natürlich nicht, dass du deine alltäglichen Pflichten vernachlässigen sollst, sondern die Vorstellung loszulassen, die Welt werde dich eines Tages glücklich machen. Die Welt besteht nur aus Namen, Formen und Objekten - das Leben und die Wirklichkeit ist innerhalb aller Kreationen. Aus dem Grund solltest du auch nicht fragen, wie glücklich oder unglücklich andere Menschen sind, weil der Verstand sofort vergleicht und so was sagt wie „Das möchte ich auch!“ oder „Mir geht’s viel besser!“. Genau vor dem Problem standen alle Weisen. Wie soll man einem Außenstehenden seine Erfahrung und innere Befindlichkeit beweisen? Man kann nur selbst der Beweis sein. Konzentriere dich von daher auf dein eigenes Glück.
Das ist der beste Weg, um Frieden zu finden.

dann ist da nichts und ich kann keine Antwort finden.
Ganz genau. Auf die Frage folgt keine Antwort, weil es keine intellektuelle Antwort gibt.
Was du bist, kann nicht in Worte gefasst werden. Man kann nur sagen, was man nicht ist!
Jeder Gedanke und jedes Konzept ist falsch. Ein Konzept basiert immer auf eine Vorstellung aus der Vergangenheit, während die Wirklichkeit ist, wie sie ist - ewig und unvergänglich. Namen und Formen verschwinden, also können sie nicht wirklich sein. Schau dir die Objekte in deinem Zimmer an. Wo werden sie in 100, 1000 oder 10 Millionen Jahren sein? Aufgelöst - sie kommen aus dem Nichts und verschwinden dorthin zurück, um Platz für neue Schöpfungen zu machen.

Wenn du dir jetzt die Frage stellst „Wer bin ich?“, erwarte keine Antwort vom Verstand, sondern richte deine Aufmerksamkeit auf die Stille, die danach kommt. Am Anfang erfährt man nur kurze Intervalle der Gedankenlosigkeit, aber mit ein bisschen Übung kann man die Dauer erhöhen. Deine wahre Natur liegt also in der Stille zwischen zwei Worten. Stell dir die Situation umgekehrt vor - du sitzt seit einer Stunde in völliger Stille. Wenn plötzlich ein Gedanke auftaucht, würdest du ihn sofort bemerken, weil er deine Ruhe stört!
Aber jetzt bist du voller Gedanken und findest nur kurze Momente der Stille. Wenn der Verstand nach außen wandert, holst du ihn immer wieder zurück, bis er müde wird. Irgendwann hat das Ego keine Lust mehr und bleibt freiwillig ruhig.

Du könntest dir auch die Frage stellen „Wo steigt der Gedanke auf?“.
Sei wachsam und beobachte genau. Der Gedanke kommt aus der Stille und kehrt dorthin wieder zurück. Diesen Ort muss man finden. Die Frage, wie das Wetter 2025 sein wird, ist auf einen Punkt in der nicht vorhandenen Zukunft gerichtet und wird dich leider nicht ins Ziel bringen. Du kannst dich nur im jetzigen Moment finden, weil außerhalb der Gegenwart nichts existiert.

Wir halten das Denken für so normal und haben keine Ahnung, dass wir überhaupt die Wahl haben, damit aufzuhören. Aber was ist denn überhaupt ein Wort oder ein Gedanke? Stell dir vor, der Baum hätte einen Verstand und würde sagen „Ich bin ein Huhn“.
Du würdest wahrscheinlich lachen und richtigstellen, dass er ein Baum sei. Aber stimmt das wirklich? Ist das Wort „Baum“ die endgültige Wirklichkeit? Natürlich nicht, es ist einfach nur ein Wort, das etwas beschreibt und der Form einen Namen gibt. Aus dem Grund kann die Wahrheit niemals ein Wort sein, sondern nur darauf hinweisen. Aber genau so ist es auch, wenn jemand sagt „Ich bin ein Mensch“. Nichts weiter als ein Konzept. Aus dem Grund ist keine Befreiung nötig, weil man „einfach“ nur die falschen Hüllen und Vorstellungen entfernen muss. Was am Ende übrig bleibt, ist unsere wahre Natur und man wird feststellen, dass man schon immer frei war.
Die wahre Befreiung ist also die Freiheit von Gedanken.

Die Nicht-Erkenntnis ist an dem Tag entstanden, als man dir gesagt hat, dass du der kleine Anton bist und dir der Papa jetzt erklärt, wie die Welt funktioniert ;) Seitdem hast du eine „eingebildete“ Identität. Buddha spricht ebenfalls von der „Ich-Illusion“, die uns nur leiden lässt, weil wir uns als getrennte Wesen betrachten. Viele Weisen benutzen das Kind als Sinnbild für den unkonditionierten Verstand. Das Kleinkind im Alter von einem Jahr lebt immer im Augenblick, kann die Welt nicht in Worte fassen und ist Ausdruck bedingungsloser Liebe. Das ist unser ursprünglicher Zustand.

Ob ich mich bemühe oder nicht bemühe, der Realität, so wie ich sie wahrnehme, bleibt die Gleiche.
Du kannst nur von deiner „Realität“ sprechen.
Ramana erklärt das folgendermaßen:

„Wir sehen nur die Schrift und nicht das Papier, worauf die Buchstaben geschrieben sind.
Das Papier ist da, ganz gleich, ob es beschrieben ist oder nicht. Wer die Schrift für wirklich hält, dem sei gesagt, dass sie nur eine Illusion ist. Ohne das Papier gäbe es sie nicht. Der Weise betrachtet sowohl Schrift als auch Papier als eins.“

Bewusstsein ist sozusagen die Leinwand der Wirklichkeit und die Grundlage aller Manifestationen. Der gewöhnliche Mensch sieht nur die bewegten Bilder auf der Oberfläche. Ob Feuer, Wasser oder Zerstörung - die Leinwand bleibt davon unberührt. Im Zustand der Einheit gibt es kein „Ich“ mehr, das diese oder jene Erfahrung macht. Alles ist Bewusstsein.

Dir zu antworten, macht mir keine Mühe ;)
Grüße

Anton

Re: Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Beitragvon Anton » Fr 3. Aug 2018, 20:51

Hi Stille85,

Danke für deine ausführliche Antwort. Es ist schön jemanden zu haben mit dem man sich über Ramanas Lehren unterhalten kann. Da ich ja auch diese Bücher gelesen habe, kann ich deine Aussagen gut nachvollziehen bzw. sie entsprechen ja genau den Aussagen Ramanas. Letztendlich hapert es bei mir aber in der Umsetzung einfach still zu sein.
gib die Suche nach Glück in äußeren Umständen auf und versuche, den Verstand auf seine Quelle zu richten. Damit meine ich natürlich nicht, dass du deine alltäglichen Pflichten vernachlässigen sollst, sondern die Vorstellung loszulassen, die Welt werde dich eines Tages glücklich machen.
Wenn man drüber nachdenkt, kommt man schnell zu dem Schluss, dass man Glück in weltlichen Umständen nicht finden kann und dass es auch nichts nützt, zu wissen, ob jemand anderes das Glück gefunden hat. An diesen Punkt sollte man vielleicht noch zwischen Glück und weltlichen Freuden unterscheiden. Ramana setzt Glück mit Wunschlosigkeit gleich. Das ist mir in soweit klar, weil das innere Ego/der Verstand von Wünschen nie genug bekommt. Hätte ich alle meine jetzigen Wünsche erfüllt, seien es große oder kleine Wünsche, spätestens dann würde der Verstand wieder fragen "Und jetzt? Was mache ich jetzt?" und würde sich wieder an einem anderen Ziel/Problem festhalten. Also ist es besser sich gleich von allen Wünschen abzuwenden, denn das ist eine nie endende Sache. Genauso sind weltliche Freuden sehr flüchtig und bestehen ja gerade daraus, dass im Moment der Freude, die Sorgen um die eigenen Problem und Gedanken weg sind. Schaue ich mir beispielsweise im Kino einen Film an, dann genieße ich natürlich die Filmdarstellung selbst, aber gerade weil mein Denken um mich dann in dem Moment weg ist, empfinde ich Freude. An dem Beispiel wird mir klar, dass Gedankenlosigkeit also etwas mit Glück zu tun haben muss.

Die Sache ist nun, wenn ich mich jetzt hinsetze, um dann Meditation zu üben und ich versuche innerlich still zu sein, dann empfinde ich von dieser Art von Glück nichts. Ich empfinde dann eher nur Langeweile, und meine Sinne sind dann sehr um das körperliche Befinden konzentriert. Entweder ist es zu warm, der Fuß schläft ein, oder ich bekomme Hunger oder werde müde. Ich kann also von dieser Art beschriebenen Glücks/Wirklichkeit/Selbst/Eins-seins nichts empfinden.
Jeder Gedanke und jedes Konzept ist falsch. Ein Konzept basiert immer auf eine Vorstellung aus der Vergangenheit, während die Wirklichkeit ist, wie sie ist - ewig und unvergänglich. Namen und Formen verschwinden, also können sie nicht wirklich sein. Schau dir die Objekte in deinem Zimmer an. Wo werden sie in 100, 1000 oder 10 Millionen Jahren sein? Aufgelöst - sie kommen aus dem Nichts und verschwinden dorthin zurück, um Platz für neue Schöpfungen zu machen.
Da wir schon von Konzepten reden, auch wenn sie alle falsch sind, finde ich das Konzept, dass das Leben ein Traum ist, am besten. Im Traum sehe ich auch Objekte, durchlebe Erfahrungen und wache irgendwann auf und stelle dann fest, dass es ja nur ein Traum war. Genauso gibt es Leben und Tod. Tag und Nacht. Wachen und Schlafen. Der eine Zustand bedingt den anderen. Da wir Beide ja aus dem Suizid-Forum kommen, verstehe ich auch nicht, warum der (körperliche) Tod - ob nun natürlich oder selbstbestimmt entstanden - für etwas so schlimmes gehalten wird. Ich bin mir sicher, das ich bzw. mein Bewusstsein, nicht sterben kann. Genauso wie zwischen zwei Leben der Tod liegt, liegt zwischen zwei Tagen eine Nacht. Mir Gefallen meine derzeitigen Lebensumstände nicht und bei mir stellt sich immer wieder die Frage warum ich überhaupt (noch) lebe, was das alles soll und ob ich nicht meinen Körper einfach umbringe soll, um dann gegen ein besseres Leben zu tauschen. Ich habe aber noch die Hoffnung, dass es so etwas wie eine Erleuchtung gibt. Bestimmt hast Du schon einmal etwas von luziden Träumen gehört. In einem luziden Traum weiß man, dass mann träumt und dadurch ist es einem möglich den Traum selbstbestimmt zu gestalten und zu durchleben. Ähnlich denke ich, dass es sowas vielleicht auch im Wach-Leben gibt, wo ich endlich feststelle "Ah okay, das war alles eine Illusion und jetzt kann ich machen was ich will" und dann keine Probleme mehr habe.
Am Anfang erfährt man nur kurze Intervalle der Gedankenlosigkeit, aber mit ein bisschen Übung kann man die Dauer erhöhen. Deine wahre Natur liegt also in der Stille zwischen zwei Worten. Stell dir die Situation umgekehrt vor - du sitzt seit einer Stunde in völliger Stille. Wenn plötzlich ein Gedanke auftaucht, würdest du ihn sofort bemerken, weil er deine Ruhe stört!
"Mit ein bisschen Übung" halte ich schon für unmöglich. Ramana sagt zwar immer, dass Meditation beständig und auch im Alltag geübt werden soll, aber im Endeffekt ist das für mich nicht machbar. Z.B.: Ich gehe in den Supermarkt und sehe ein paar leckere Äpfel. Sofort kommt der Gedanke und der innere Monolog "Hmm lecker Äpfel. Obwohl, moment, die Birnen daneben schauen auch gut aus aus und sind sogar pro Kilo günstiger. Dann nehme ich die". Oder wenn ich hier schreibe, wenn ich mich mit jemanden unterhalte, wenn ich in der Uni bin und das Skript lese, permanent hat man ja eine innere Stimme im Kopf, wie sollte man sonst leben? Innerlich still zu sein ist für mich, in meinem jetzigen Zustand, sehr schwer und von einer Stunde völliger Stille zu sprechen gar unmöglich, dann bin ich entweder im Tiefschlaf oder Tod.
Die Nicht-Erkenntnis ist an dem Tag entstanden, als man dir gesagt hat, dass du der kleine Anton bist und dir der Papa jetzt erklärt, wie die Welt funktioniert ;) Seitdem hast du eine „eingebildete“ Identität. Buddha spricht ebenfalls von der „Ich-Illusion“, die uns nur leiden lässt, weil wir uns als getrennte Wesen betrachten. Viele Weisen benutzen das Kind als Sinnbild für den unkonditionierten Verstand. Das Kleinkind im Alter von einem Jahr lebt immer im Augenblick, kann die Welt nicht in Worte fassen und ist Ausdruck bedingungsloser Liebe. Das ist unser ursprünglicher Zustand.

„Wir sehen nur die Schrift und nicht das Papier, worauf die Buchstaben geschrieben sind.
Das Papier ist da, ganz gleich, ob es beschrieben ist oder nicht. Wer die Schrift für wirklich hält, dem sei gesagt, dass sie nur eine Illusion ist. Ohne das Papier gäbe es sie nicht. Der Weise betrachtet sowohl Schrift als auch Papier als eins.“

Bewusstsein ist sozusagen die Leinwand der Wirklichkeit und die Grundlage aller Manifestationen. Der gewöhnliche Mensch sieht nur die bewegten Bilder auf der Oberfläche. Ob Feuer, Wasser oder Zerstörung - die Leinwand bleibt davon unberührt. Im Zustand der Einheit gibt es kein „Ich“ mehr, das diese oder jene Erfahrung macht. Alles ist Bewusstsein.
Ich finde das dass alles immer toll klingt, aber letztendlich komme ich mir so vor, als säße ich in einem Film der mir nicht gefällt, und ändern kann ich weder die Leinwand noch den Film. Und ein Kleinkind kann ich nun auch nicht wieder sein.

Grüße!

Stille85

Re: Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Beitragvon Stille85 » Sa 4. Aug 2018, 21:20

Hi Anton,

die innere Stille zu suchen bzw. still zu sein, bedeutet nicht, dass man auf keinen Fall mehr denken darf und nur noch schweigen soll. Du kannst immer noch Entscheidungen treffen oder eine Meinung haben. Der Verstand ist ein nützliches Werkzeug und sollte nur für praktische Zwecke benutzt werden. Er wird nur dann zum Problem, wenn man aus dem Strom der Gedanken sein Selbstbild bezieht ---> also das Ego, der Ich-Gedanke. Gerade im Alltag kannst du wunderbar üben, bewusster zu werden, damit der Verstand „durchlässiger“ wird.
Beobachte einfach deine Reaktionen und sei widerstandslos. Das ist alles.

Langeweile ist ein Geisteszustand, weil der Verstand immer nach einer Beschäftigung sucht.
Aus dem Grund ist es so schwierig, allein in der Stille zu sitzen. Aber solange der Verstand keine Ruhe findet, kann es keine Selbsterkenntnis geben. Jeder Gedanke ist mentaler Lärm. Ob man laut spricht oder denkt, macht eigentlich keinen Unterschied. Das Ego hat Angst vor seinem Tod und wird heftigen Widerstand leisten. Genau diesen Kampf muss man gewinnen, um über das Denken hinauszugehen. Jesus hat das auch erkannt:
„Selig der Mensch, der gelitten hat, er hat das Leben gefunden.“ Logion 58

Ich konnte die Stille auch nie ertragen und habe dann mit Lauf-Meditationen angefangen.
Also ganz normales Spazierengehen in der Natur. Wenn der Körper in Bewegung ist, kommen die Gedanken leichter zur Ruhe. Und das ist wirklich alles eine Sache der Übung. Schau dir an, wie viele komplexe Hobbys man lernen kann, die man erst nach monate- oder jahrelangem Training beherrscht. Am Anfang erscheint es einem unmöglich, aber eines Tages läuft alles mühelos.
Dann sollte es doch für uns kein Problem sein, das kleine Ego zu besiegen ;)

Ansonsten kann ich dir auch nur das sagen, was in den Büchern steht.
Deine Aufgabe sollte es jetzt sein, den Wegweisern zu folgen und die Lehre immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse sind immer wertvoller als den Weg nur zu kennen. Man muss ihn auch beschreiten!

mir stellt sich immer wieder die Frage warum ich überhaupt (noch) lebe, was das alles soll und ob ich nicht meinen Körper einfach umbringe soll, um dann gegen ein besseres Leben zu tauschen.
Es gibt kein anderes Leben...
Du sollst doch das eine Leben finden, das ist Selbstergründung ;)

Grüße

Anton

Re: Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Beitragvon Anton » So 5. Aug 2018, 21:30

Ansonsten kann ich dir auch nur das sagen, was in den Büchern steht.
Deine Aufgabe sollte es jetzt sein, den Wegweisern zu folgen und die Lehre immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse sind immer wertvoller als den Weg nur zu kennen. Man muss ihn auch beschreiten!
Das ist wieder einfacher gesagt als getan. Neben Ramana Maharshi lese ich auch noch von Nisargadatta Maharaj und Eckhart Tolle, die alle schließlich mit Ihrer eigenen Ausdrucksweise auf das Selbe hinweisen. Ich finde die Weltanschauung in diesen Büchern toll, weil sie keine Sekte oder Religion darstellt, und es auch niemanden gibt, der daran verdienen könnte (zumindest nicht Ramana und Maharaj). Wenn man diese Bücher liest, weiß man intuitiv, dass das richtig sein muss. Trotzdem verwundert es mich, dass es unter den Milliarden von Menschen auf dieser Welt scheinbar nur sehr, sehr wenige geschafft haben diese Art inneren Frieden zu finden. Bei Ramana kam es aus einem Nahtoderlebnis und bei Eckhart Tolle war es eine sehr depressive Nacht, aus der er dann erwacht war. Ich habe eben meine Probleme damit, etwas zu versuchen zu erreichen, bei dem ich gar nicht weiß was es ist und was mir unmöglich erscheint (ich weiß, das sind auch nur meine Gedanken und mein Ego spricht). Mir erschließt sich der Sinn nicht, warum ich/mein Körper geboren wurde, um dann zu versuchen Erleuchtung zu erlangen.
mir stellt sich immer wieder die Frage warum ich überhaupt (noch) lebe, was das alles soll und ob ich nicht meinen Körper einfach umbringe soll, um dann gegen ein besseres Leben zu tauschen.
Es gibt kein anderes Leben...
Du sollst doch das eine Leben finden, das ist Selbstergründung ;)
Ja, aber geht das Leben nach dem Tod nicht auch weiter? Ich meinte das mit besseren Leben in dem Sinne, weil ich in Büchern zu Nahtoderfahrungen gelesen habe, dass nach dem Tod scheinbar genau die Zustände vorherrschen, von denen Ramana/Maharaj/Tolle sprechen. Auch wenn es nicht so wäre, und man nach dem Tod im ewigen Tiefschlaf wäre, dann wäre das auch nicht schlimm, weil im Nichts hätte man auch keine Probleme und Sorgen mehr. Ich hoffe Du verstehst, worauf ich hinaus möchte.

Grüße !

Stille85

Re: Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Beitragvon Stille85 » Mo 6. Aug 2018, 18:20

Ich verstehe genau, was du meinst, aber ohne die Welt der Illusionen könnte es doch gar keine Selbsterkenntnis geben, weil man ohne die ganzen Zweifel und Hindernisse schon wüsste, was man ist. Wie gesagt: Der Verstand ist nicht das Problem, die grundlegende Täuschung ist die Identifikation mit Körper, Verstand und Sinnesobjekten. Lasse alles los, was du nicht bist. Der Ich-Gedanke reißt alles an sich, formt seine eigene Welt und verschleiert die Wirklichkeit. Die Lehre lautet „Erkenne Dich selbst“, aber das ist von heute auf morgen natürlich nicht möglich. Vielleicht kennst du das Gleichnis vom verlorenen Sohn: Ein junger Mann zieht aus, verstrickt sich in der Welt (Ego) und macht schmerzvolle Erfahrungen. Eines Tages kommen Boten und müssen ihn daran erinnern, wer er ist. Am Ende kehrt der Sohn zum Vater (Selbst) zurück.
Diesen Weg muss jeder gehen und ist völlig normal! Wie schwierig die Reise ist, hängt von den eigenen Konditionierungen ab.
Jemand, der schon von Natur aus ein sanfteres Gemüt hat, wird auf weniger Widerstand stoßen.

Ja, es gibt Milliarden von Menschen, aber wie viele von ihnen beschäftigen sich ernsthaft mit der Suche nach dem Geheimnis des Lebens?
Du bist jedenfalls einer davon! Und das ist doch schon mal die halbe Miete ;)
Wie soll man das innere Licht des Bewusstseins suchen und finden, wenn man noch nie etwas davon gehört hat? Das Wissen, der Wunsch und die Überzeugung müssen übereinstimmen. Nur so kann man zielgerichtet seine Bestimmung finden. Vertrauen in das Leben ist dabei viel wichtiger als ein blinder Glauben. Es geht hier um Wissen! Warum hätte Buddha, Jesus, Ramana oder Nisargadatta ständig von der Wahrheit sprechen sollen, wenn es eine Lüge ist? Das ergibt keinen Sinn. Der allgemeine Irrtum bzw. die eigene Verwirrung kann nur entstehen, wenn man sich noch nie damit beschäftigt hat oder die einfache Botschaft übersieht bzw. falsch interpretiert.

Jetzt möchtest du wissen, warum du geboren wurdest.
Frage dich lieber „Wer wird geboren und was stirbt?“
Was ist wirklich? Was ist unwirklich?
Dann praktizierst du wieder Selbstergründung.

Jemand, der schon mal eine Nahtoderfahrung hatte, durfte einen flüchtigen Blick auf das „Big Picture“ werfen. Leider werden diese Menschen selten ernst genommen oder ihnen wird eingeredet, dass alles nur ein chemischer Prozess im Gehirn war. Die Wissenschaft hat natürlich immer eine Theorie, aber keine fundierte Antwort bzw. Erklärung. Das ist auch unmöglich, weil man das Bewusstsein nicht zum Objekt seiner Forschungsarbeit degradieren kann. Der Suchende ist das Gesuchte! Das Thema ist aber sehr interessant, weil die „Betroffenen“ so gut wie alle Merkmale der Erleuchtung beschreiben:

- keine Zeit, kein Raum, kein Körperbewusstsein
- unbeschreibliche Zustände von Stille, Frieden, Liebe und Geborgenheit
- ein tiefes Wissen ohne Konzepte
- und natürlich: das berühmte Licht :P :angel:

In dem Kontext einfach die Lehre betrachten.

Jesus: „Ich bin das Licht, das über ihnen allen ist. Ich bin das All, das All ist aus mir hervorgegangen und das All ist bis zu mir ausgedehnt. Spaltet ein Stück Holz, ich bin da. Hebt den Stein auf und ihr werdet mich dort finden.“ Logion 77
(das Selbst durchdringt alles)

Er sprach zu ihnen: „Wer Ohren hat, möge hören! Es ist Licht drinnen im Menschen des Lichtes und er erleuchtet die ganze Welt. Scheint er nicht, ist er Finsternis.“ Logion 24

Jesus klärt seine Schüler in Logion 50 auf.
Wenn sie euch fragen: „Wo seid ihr hergekommen?“, sagt ihnen: „Wir sind aus dem Licht gekommen, von dort, wo das Licht selbst wurde, aus sich selbst heraus und in ihrem Bilde erschien.“

Jesus sprach zu Salome: „Ich bin jemand, der aus dem kommt, was ganz ist. Mir wurde von den Dingen meines Vaters gegeben.“
Salome sprach: „Ich bin deine Jüngerin.“
Jesus antwortete: „Darum sage ich: wenn man ganz ist, wird man von Licht erfüllt sein.
Ist man aber geteilt, wird man mit Dunkelheit erfüllt sein.“ Logion 61
(das Ego erzeugt die Illusion von Trennung)

Und so geht es munter weiter...
Wenn man hier keinen Zusammenhang sieht, dann weiß ich auch nicht weiter.
Noch deutlicher kann man das Unbeschreibliche nicht in Worte fassen.
Um die Botschaft von Jesus zu verstehen, genügt das Thomas Evangelium als Quelle und Nachschlagewerk. Hier findet man die vollständige Essenz der Lehre - 114 Lehrsprüche, die alle für sich stehen und eine tiefe Bedeutung haben. So gut wie jedes Zitat oder Gleichnis deutet auf unsere innere Wirklichkeit hin! Lesedauer: ca. 30 Min.

Ich bin mir sicher, dass du den Inhalt der Bücher verstanden hast und trotzdem spielst du mit dem Gedanken, die Welt zu verlassen. Alle Wege und Erfahrungen haben dich an diesen Punkt gebracht. Möchtest du wirklich aufgeben? Ist dein Leidensdruck zu stark? Ich könnte deine Entscheidung sogar verstehen und akzeptieren. Aber Eckhart Tolle hat es einmal passend ausgedrückt: „Suizid ist der letzte Triumph des Schmerzkörpers.“
Was könnte dich weiterhin motivieren?
Welche Zweifel hast du noch?

Grüße

Anton

Re: Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Beitragvon Anton » Di 7. Aug 2018, 21:57

Ich bin mir sicher, dass du den Inhalt der Bücher verstanden hast und trotzdem spielst du mit dem Gedanken, die Welt zu verlassen. Alle Wege und Erfahrungen haben dich an diesen Punkt gebracht. Möchtest du wirklich aufgeben? Ist dein Leidensdruck zu stark? Ich könnte deine Entscheidung sogar verstehen und akzeptieren. Aber Eckhart Tolle hat es einmal passend ausgedrückt: „Suizid ist der letzte Triumph des Schmerzkörpers.“
Ich sehe das mit dem Tod nicht ganz so kritisch. Hier mal ein interessanter Auszug aus dem Buch Gespräche mit Ramana Mahrashi:

"Jemand brachte Bhagavan (Ramana) die Nachricht vom Tode eines Bekannten.

Er sagte: >>Gut. Die Toten sind wirklich glücklich. Sie sind die lästige Überwucherung - den Körper - los. Der Tote trauert nicht. Die Überlebenden trauern um den Toten. Fürchten die Menschen den Schlaf? Im Gegenteil. Er wird gesucht, und nach dem Erwachen sagt jeder, er habe selig geschlafen. Man bereitet das Bett, um gut zu schlafen. Schlaf ist vorübergehender Tod. Tod ist ein längerer Schlaf. Wenn der Mensch stirbt, während er noch lebt, muss er den Tod anderer nicht beklagen. Die eigene Existenz ist evident, mit oder ohne den Körper, wie im Wachen, Traum und Tiefschlaf. Warum sollte man sich dann wünschen, dass die Behinderung durch den Körper andauert? Der Mensch soll sein unsterbliches Selbst finden, sterben und unsterblich und glücklich sein.<<" (Talk 64)

Dazu sei gesagt, dass Ramana Fragen nach Geburt und Tod häufig gestellt werden. In der Regel antwortet er darauf nicht, sondern sagt, dass man sich diese Fragen nicht stellen braucht, und sich besser fragen sollte, wer diese Fragen stellt. Oder, dass die Sorgen um Geburt und Tod nur durch die Identifikation mit dem Körper entstehen. Ich frage mich aber, wenn es einem nach Tode letztendlich so gut geht, warum sollte man dann zu Lebenszeiten noch irgendwas versuchen?

Das mit dem Aufgeben und Leidensdruck: Ich weiß nicht, ob man wirklich von Aufgeben im meinen Fall sprechen kann. Es ist einfach nur so, das ich keine Lust mehr habe. Jetzt, wo die Sonne scheint und der Vitamin-D-Pegel in Ordnung ist, ist es aber mit den Depressionen auch nicht ganz so schlimm.
Was könnte dich weiterhin motivieren?
Welche Zweifel hast du noch?
Ich denke wir sind Beide doch genau am selben Punkt. Wir Beide haben die Lehren schon verstanden. Nur habe ich das Gefühl, dass ich nicht weiterkomme. Egal wie sehr ich mich ich an die Lehren erinnere, alles bleibt so wie es ist.
Frage dich lieber „Wer wird geboren und was stirbt?“
Was ist wirklich? Was ist unwirklich?
Auch wenn ich mir die Fragen stelle, dann bin ich immer noch hier in meinem begrenzten Körper. Oder wenn ich mir dein Beispiel aus deinem vorletzten Post nehme, wo Du in der Natur spazieren gehst. Klar kommt man dann zur Ruhe, aber sobald Du wieder zu Hause bist, geht das Gedankenkarussell und der Alltag wieder los.

Letztendlich können wir uns gegenseitig die Selbstergründung auch nicht abnehmen. Wir können uns nur gegenseitig motivieren,und uns ein wenig darüber austauschen.

Liebe Grüße! ;)

Stille85

Re: Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Beitragvon Stille85 » Mi 8. Aug 2018, 19:53

Unsere Geschichten scheinen sich in gewisser Weise zu ähneln ;)
Ich fürchte mich auch nicht vor dem Tod, aber wir sollten bedenken, dass Ramana aus der Sicht eines Verwirklichten spricht, der keine Angst mehr vor der Auflösung seines Körpers hatte, weil er seine unsterbliche Natur erkannte und die Suche somit beendet war. Im 64. Talk sagt Ramana ausdrücklich, dass der Mensch zuerst sein Selbst finden soll, bevor er stirbt. Genau das sagt Jesus in Logion 59:

„Sucht den Lebendigen, solange ihr lebt, sonst könntet ihr sterben und dann versuchen, den Lebendigen zu finden und ihr werden nicht fähig sein, zu sehen.“

Nisargadatta wird in Kaptitel 66 gefragt:
„Was geschieht, wenn ein normaler Mensch stirbt?“
Antwort: „Alles geschieht entsprechend seiner Überzeugung.
Genauso wie das Leben vor dem Tod nur aus Vorstellungen besteht, ist auch das Leben nach dem Tod. Der Traum geht weiter.“

Verstehst du, was das bedeutet?
Nur die Selbsterkenntnis beendet alle Illusionen!
Das Ganze erinnert mich an den Film „Hinter dem Horizont - Das Ende ist nur der Anfang“ mit Robin Williams.
Ein lebensfroher Mann stirbt bei einem Autounfall, während seine Frau in Depressionen versinkt und kurz darauf Suizid begeht.
Beide landen entsprechend ihrem derzeitigen Bewusstseinszustand in zwei verschiedene „Welten“.
An dieser Stelle sei nur ganz kurz das Phänomen der luziden Träume erwähnt.

Ich frage mich aber, wenn es einem nach Tode letztendlich so gut geht, warum sollte man dann zu Lebenszeiten noch irgendwas versuchen?
Diese Frage kannst du nur stellen, weil du vergessen hast, wer du bist!
Wenn wir davon ausgehen, dass du jetzt schon das Selbst, aber dir dessen nicht bewusst bist, wurdest du doch im Prinzip „wiedergeboren“, oder nicht? Du kannst dich jedenfalls nicht daran erinnern, was du vor deiner Geburt warst, obwohl du schon existiert hast. Nach der Logik wurdest du doch wieder in die Sklaverei und Illusion geboren. Demzufolge kannst du gar nicht wissen, was vorher war oder nach dem Tod sein wird. Wie kannst du dir also sicher sein, dass du nicht schon einmal dein Leben beendest hast und genau JETZT wieder im selben Schlamassel steckst? Alle großen Weisen sagen uns, dass wir in einem Traum leben und endlich aufwachen sollen! Genau darum geht’s doch hier ;)

Ramana Maharshi behauptet weiterhin, dass jeder zu einem bestimmten Zweck geboren und diesen erfüllen wird, ganz gleich, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. Viele Menschen berichten nach einer Nahtoderfahrung von einer Aufgabe, die sie noch zu erledigen hätten.
Ist dir schon mal aufgefallen, in welchem Zeitraum Ramana gelebt hat? Seine Aufzeichnungen gehen bis zum 1. April 1939 zurück. Fast parallel dazu wurde das größte Übel geboren - Adolf Hitler. Der Beginn des zweiten Weltkriegs war der 1. September 1939. Fünf Jahre nach Ende des Wahnsinns (1950) hat Ramana die Welt und seinen Körper verlassen. Aus meiner Sicht kein Zufall, sondern ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse. Noch regiert der Verstand die Welt, aber immer mehr Menschen werden bewusster und durchschauen die Täuschung.

Schon klar... unsere vermeintliche Realität ist sehr hartnäckig.
Der Film „Matrix“ ist das beste Beispiel dafür, wie Hollywood uns die Wahrheit vor Augen führt und niemand genauer hinschaut. Morpheus erklärt Neo, dass er in einer Scheinwelt lebt - ein Gefängnis für seinen Verstand. Als er die Wahrheit erfährt, kann und will er das nicht akzeptieren! Und schon gar nicht ist er davon überzeugt, der Auserwählte zu sein. Der Weg ist voller Zweifel, sogar das Orakel sagt ihm, dass er nicht derjenige sei. Von Anfang bis Ende sehen wir einen inneren Prozess, in dem Neo gegen diese Agenten (seine Gedanken) kämpft, bis er letztendlich mühelos die Wirklichkeit erkennt. Trinity symbolisiert die Liebe und bedeutet übersetzt „Die heilige Dreifaltigkeit“ - Körper, Geist und Seele. Erst ihr Kuss lässt Neo erwachen. Der Moment der Erleuchtung ist auch gleichzeitig die Entdeckung der Liebe im Inneren. Morpheus bedeutet „Gott der Träume“ und spielt die Rolle des Satgurus (innerer Lehrer). Neo = der Neue oder „der Wiedergeborene“.
Man kann also sagen, dass Erleuchtung unsere wahre und einzige Wiedergeburt ist.

Wie ist denn ungefähr dein Weg verlaufen? Die Bücher von Ramana und Nisargadatta sind kein Schund vom „esoterischen Wühltisch“.
Wie hast du sie gefunden? Hattest du nie das Gefühl, von einer inneren Stimme geleitet zu werden, die genau wusste, was richtig und falsch ist?

Bedenke: Das Ego möchte immer so schnell wie möglich Ergebnisse sehen, aber das tiefere Verständnis der Lehre muss wie eine Frucht reifen.
Wenn sie eines Tages reif ist, fällt sie ohne unser Tun vom Baum. Es kommt dir vielleicht nicht so vor, aber du wirst immer weiser.
Stell dir vor, du möchtest mit Kraftsport anfangen, um deinen Körper zu formen. Der Trainer wird dir genau sagen, was zu tun ist. Weil du siehst, dass er gut gebaut und deshalb ein Vorbild ist, vertraust du ihm und befolgst alle Anweisungen. Am Anfang wirst du kaum Fortschritte feststellen, aber deine Muskulatur wird durch ständige Wiederholungen immer stärker werden. Du hast langfristig ein Ergebnis und Ziel vor Augen. Auf die gleiche Art und Weise muss man lernen, alle Gedanken abzuweisen. Wenn man seit über 30 Jahren im Verstand gefangen war, kann man nicht erwarten, dass man sein Ziel in drei Wochen oder Monaten erreicht. Aber wenn du wirklich keine Lust mehr hast, werden diese Worte wahrscheinlich nur wenig Trost bieten. Auf der anderen Seite hat dich das Gefühl der Sinnlosigkeit ganz nahe an die Wahrheit geführt...

Grüße :wave:

Anton

Re: Wer bin Ich? Der Übungsweg der Selbstergründung von Ramana Maharshi

Beitragvon Anton » Do 9. Aug 2018, 23:51

„Sucht den Lebendigen, solange ihr lebt, sonst könntet ihr sterben und dann versuchen, den Lebendigen zu finden und ihr werden nicht fähig sein, zu sehen.“
Ich bin jetzt schon "nicht fähig sein, zu sehen" :P
Nisargadatta wird in Kaptitel 66 gefragt:
„Was geschieht, wenn ein normaler Mensch stirbt?“
Antwort: „Alles geschieht entsprechend seiner Überzeugung.
Genauso wie das Leben vor dem Tod nur aus Vorstellungen besteht, ist auch das Leben nach dem Tod. Der Traum geht weiter.“

Verstehst du, was das bedeutet?
Nur die Selbsterkenntnis beendet alle Illusionen!
Ja, das stimmt schon. Es ist sicher unwahrscheinlich, dass man nur durch den Tod alleine plötzlich zur Erleuchtung kommt. Worüber wir hier sprechen ist alles nur hypothetisch und nicht beweisbar. Soweit man den üblichen Nahtoderfahrungen aber trauen kann, hat man aber nach dem Tod zumindest einen Astralkörper und kann mit Gott/dem Selbst ein Gespräch führen. Alleine das wäre es mir schon wert.

Übrigens wurde Maharaj die Frage nach Selbstmord schon einige male gestellt:

''Frage: [...] Was ist falsch daran, selber sein Leben zu beenden?

Maharaj: Gar nichts, wenn es das Problem löst. Doch was ist, wenn es das nicht tut? Leiden, das durch äußere Faktoren hervorgerufen wird - eine schmerzvolle, unheilbare Krankheit oder unerträgliche Notlage - mag eine Rechtfertigung liefern, doch wo Weisheit und Mitgefühl fehlen, kann ein Selbstmord nicht helfen. Ein Tod in Verblendung bedeutet Wiedergeburt in Verblendung. Außerdem ist da noch die Frage nach Karma zu bedenken. Ausdauer ist normalerweise die weiseste Lösung.

Frage: Muss man Leid ertragen, egal wie intensiv und hoffnungslos es auch sein mag?

Maharaj: Ausdauer ist eine Sache, und hilflose Leiden eine andere. Ausdauer ist sinnvoll und fruchtbar, während qualvolles Leid sinnlos ist." (Original Kapitel 90)

und

"Q: Is it not obligatory to live out one’s natural span of life?
M: Natural -- spontaneously -- easy -- yes. But disease and suffering are not natural. There is noble virtue in unshakable endurance of whatever comes, but there is also dignity in the refusal of meaningless torture and humiliation." (Original Kapitel 90)

Ganz so schlimm ist es bei mir nicht. Und ein Selbstmord wegen einer Kleinigkeit ist natürlich dumm. Aber im Endeffekt läuft es darauf hinaus, abzuwägen wie viel man noch bereit ist zu leiden. Mag sein, dass ich in früheren Leben/Träumen schon mal Selbstmord begangen habe. Aber das ist doch ein ganz passabler Weg. Solange das Leben gut und schön verläuft, genießt man es, und wenn es einem zu bunt wird, dann geht man halt. Gott/das Selbst wird einem sicher niemals für einen Suizid bestrafen, sondern man bestraft sich eher nur selbst damit, dass dadurch die Selbsterkenntnis nicht näher rückt.
Alle großen Weisen sagen uns, dass wir in einem Traum leben und endlich aufwachen sollen! Genau darum geht’s doch hier ;)

Ja, aber nur wie...
Ramana Maharshi behauptet weiterhin, dass jeder zu einem bestimmten Zweck geboren und diesen erfüllen wird, ganz gleich, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. Viele Menschen berichten nach einer Nahtoderfahrung von einer Aufgabe, die sie noch zu erledigen hätten.
Der Zweck meines Lebens oder eine bestimmte Aufgabe, die ich hier auf Welt erfüllen soll, habe ich leider noch nicht erkannt... Sonst würde ich mir nicht so häufig die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen. Wenn man aber die Nahtoderfahrungen wieder heranzieht, dann lautet er so in etwa, dass wir hier auf der Welt leben um Nächstenliebe zu üben und uns gegenseitig zu helfen.
Schon klar... unsere vermeintliche Realität ist sehr hartnäckig.
Der Film „Matrix“ ist das beste Beispiel dafür, wie Hollywood uns die Wahrheit vor Augen führt und niemand genauer hinschaut. Morpheus erklärt Neo, dass er in einer Scheinwelt lebt - ein Gefängnis für seinen Verstand. Als er die Wahrheit erfährt, kann und will er das nicht akzeptieren! Und schon gar nicht ist er davon überzeugt, der Auserwählte zu sein.
Im Gegensatz zu Neo, bejahe ich alles was Ramana/Nisargadatta sagen. Nur bin ich dann immer noch hier in der Welt.
Es ist ähnlich wie mein seltsamer Traum von heute morgen, der folgendermaßen ging: Und zwar stand ich bei Dämmerlicht vor dem Waschbecken in meinem Badezimmer. Irgendwie hatte ich Zahnschmerzen und fühlte, wie mir die Zähne im Mund zerbrachen und kaute darauf noch etwas herum, was mir auch gleichzeitig große Angst machte. Aus meinem Mund fielen dann kleine Schrauben und Plastikteile ins Waschbecken. Innerlich ging der Monolog dann: "Hilfe! Verdammt, das muss doch ein Traum sein. ... Nein ist es nicht, ich stehe ja hier." Und dann träumte ich weiter, bis ich irgendwann natürlich wach wurde. Ich glaube, da hätte auch jemand neben mir stehen können und schreien können: "Du träumst! Du träumst! Wach endlich auf!!" Und ich hätte gesagt "Ja, okay. Aber ich bin immer noch in meinem Traum." : )
Wie ist denn ungefähr dein Weg verlaufen? Die Bücher von Ramana und Nisargadatta sind kein Schund vom „esoterischen Wühltisch“.
Wie hast du sie gefunden? Hattest du nie das Gefühl, von einer inneren Stimme geleitet zu werden, die genau wusste, was richtig und falsch ist?
Nein, von einer inneren Stimme würde ich nicht sprechen. Ich wurde durch meine Mutter esoterisch veranlagt, die mir mal ein Buch zu Yogananda schenkte, von dem ich heute aber nicht mehr viel halte. Das Thema Mediation/Spirituelles kam bei mir schon früh auf, geriet dann aber in Vergessenheit. Bei mir ging es dann weiter, dass ich Bücher zum Gesetz der Anziehung las, also Zeugs von deinem esoterischen Wühltisch. Auf Ramana bin ich dann beim Stöbern im Internet gekommen. Als ich die ersten Seiten las, war das Liebe auf den ersten Blick. Es hatte mir im gewissen Sinne aus einer Krise geholfen.

Wie bist Du denn so auf Ramana etc. gekommen?
Bedenke: Das Ego möchte immer so schnell wie möglich Ergebnisse sehen, aber das tiefere Verständnis der Lehre muss wie eine Frucht reifen.
Wenn sie eines Tages reif ist, fällt sie ohne unser Tun vom Baum. Es kommt dir vielleicht nicht so vor, aber du wirst immer weiser.

Stell dir vor, du möchtest mit Kraftsport anfangen, um deinen Körper zu formen. Der Trainer wird dir genau sagen, was zu tun ist. Weil du siehst, dass er gut gebaut und deshalb ein Vorbild ist, vertraust du ihm und befolgst alle Anweisungen. Am Anfang wirst du kaum Fortschritte feststellen, aber deine Muskulatur wird durch ständige Wiederholungen immer stärker werden. Du hast langfristig ein Ergebnis und Ziel vor Augen. Auf die gleiche Art und Weise muss man lernen, alle Gedanken abzuweisen. Wenn man seit über 30 Jahren im Verstand gefangen war, kann man nicht erwarten, dass man sein Ziel in drei Wochen oder Monaten erreicht. Aber wenn du wirklich keine Lust mehr hast, werden diese Worte wahrscheinlich nur wenig Trost bieten. Auf der anderen Seite hat dich das Gefühl der Sinnlosigkeit ganz nahe an die Wahrheit geführt...
Ja, Du hast schon recht. Ich bin von Natur aus ein fauler Mensch und möchte am liebsten immer sofort Ergebnisse haben, ohne etwas dafür zu tun. An einer Stelle sagte Ramana, dass der Fortschritt daran messbar ist, je freier man von Gedanken ist. Letztendlich läuft es eben darauf hinaus, dass wir unsere Training ausführen müssen.

Grüße!






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