diese ständige Angst vor Verlust / Trennung

Teeth

diese ständige Angst vor Verlust / Trennung

Beitragvon Teeth » Mo 30. Okt 2017, 18:26

Hey.. ich habe eine Angststörung und möchte einfach mal alles rausschreiben, vielleicht hilft mir das ja.. ich hoffe ich werde ernst genommen und es macht sich niemand über mich lustig.

Erste Anzeichen von Ängsten, welche unbegründet waren, hatte ich bereits im Grundschulalter. Damals war mir das aber noch nicht bewusst. Meine Mutter holte mich jeden Tag von der Schule ab und ich kann mich noch daran erinnern, was passierte wenn sie einmal zu spät kam. Ich ging in Richtung Parkplatz und erschrak, als ich meine Mutte noch nicht am Rande des Schulhofes sah; dort wartete sie normalerweise immer. Kurz darauf kamen mir die Tränen und ich musste weinen. Ich hatte Angst, meine Mutter hätte mich vergessen und würde nicht mehr kommen. Eine andere Mutter sah mich, wie ich weinte, und fragte mich, ob mich andere Mitschüler geärgert hätten. Ich sagte daraufhin, meine Mutter sei noch nicht da. Die andere Mutter versuchte mich zu beruhigen, und nach ein paar Minuten kam meine Mutter dann auch. Dass meine Mutter beim Abholen zu spät war, war sonst nur äußerst selten. Damals bedrückte mich diese Angst allerdings kein bisschen; als meine Mutter kam, war alles wieder vergessen. Im Nachhinein betrachtet waren diese Ängste allerdings die früheste Erscheinung einer Störung im Bezug auf Ängste, denn kein anderes Kind weint, wenn es zu spät abgeholt wird.

Nach der Grundschule kam ich auf ein Gymnasium und war frei von Ängsten. Ich wurde nicht mehr abgeholt, sondern fuhr mit dem Zug zur Schule und auch wieder nach Hause. Vom 5. bis zum 8. Schuljahr war mein Leben frei von unbegründeten Ängsten. Bis auf eine Ausnahme. Morgens hatte ich starke Angst, meine Freunde würden nicht auf mich warten und ich müsse alleine Zug fahren. Diese Angst war ebenfalls unberechtigt, denn es wäre ja eigentlich kein Problem gewesen, alleine Zug zu fahren. Ansonsten war ich damals aber frei von Ängsten.

Dann passierten einige Dinge, die ausschlaggebend für meine Angststörung waren. Ich entwickelte plötzlich und ohne Grund Ängste, welche vorher nicht vorhanden waren. Ich war zu dieser Zeit im Tischtennisverein und hatte Angst, meine Mutter würde mich nicht abholen. War jemand außer Haus, hatte ich Angst, er würde nicht mehr heimkehrem. Diese Ängste waren allerdings noch nicht in der Stärke ausgeprägt wie später. Ein Ereignis änderte dies allerdings. In den Herbstferien 2015 fuhr mein Vater eines Tages am späten Nachmittag gegen 17:00 Uhr weg. Er sagte, er habe einen Zahnarzttermin. Die Stunden vergingen, und da es Herbst war, wurde es schon früh dunkel. Langsam wurde ich nervös. Ein Zahnarztbesuch konnte niemals 3 Stunden dauern. Ich schaute immer wieder auf die Uhr. 20:00 Uhr. Niemand da. 21:00 Uhr. Immer noch keine Spur von meinem Vater. Schließlich nahm ich mein Handy und wollte ihn anrufen. Doch der Anruf wurde nicht durchgestellt. Ich geriet in Panik und hatte mehrere Heulkrämpfe. Um 22:00 Uhr kam mein Vater schließlich nach Hause. Er war nach dem Zahnarztbesuch noch bei einem Freund, und dort gab es kein Handynetz, weswegen ich ihn nicht erreichen konnte. Ich war heilfroh, dass mein Vater wieder da war.Dieses Ereignis hatte allerdings Folgen. Meine Angstgedanken wurden immer stärker. Es war mittlerweile so schlimm geworden, dass ich Todesangst hatte, wenn meine Mutter nur zum Einkaufen oder zum Friseur fahren wollte. Bei jedem Mal musste ich weinen, weil sich in diesen Angstsituationen die verschiedensten Szenarien und Gedanken im meinem Kopf abspielten. Ich befürchtete, die Person, die gerade nicht zu Hause war, hätte einen Autounfall gehabt und wäre gestorben. Ich würde sie nie wieder sehen. Ein Mensch ohne diese Ängste kann diese Gedanken natürlich nicht nachvollziehen.

Es fahren jeden Tag allein in Deutschland Millionen von Menschen weg, und man hat in seinem Bekanntenkreis vermutlich noch nie etwas davon gehört, dass eine Person einfach nicht wiedergekehrt sei. In den Angstsituationen scheinen solche Gedanken aber überflüssig zu sein. Zu sehr dominieren die negativen Gedankengänge. Entführung? Autounfall? Tod? Diese Gedanken erscheinen in solchen Momenten am realistischten. Ich kann mir noch so oft einreden, es sei alles gut und die Angst sei unbegründet, es hilft nichts. Das Gefühl der Angst bleibt.Als meine Eltern von meinen Ängsten erfuhren, taten sie diese Ängste zunächst als gestört ab. Meine Mutter sagte oft, ich solle mich der Angst stellen. Allerdings half dies nichts, da die Angst dadurch nicht weniger wurde. Schließlich wendeten wir uns an meinen ehemaligen Psychotherapeuten, bei welchem ich früher schon wegen meinem ADHS in Behandlung war. Er konnte mir mit meinen Ängsten weiterhelfen. In den Therapiestunden redeten wir viel über die Ängste und ich konnte sie detailliert beschreiben. Das war ein sehr befreiendes Gefühl. Im Frühjahr 2016 verschwand die Angst dann vollends. Das war ein großartiges Gefühl. In den Sommerferien 2016 begannen die Ängste allerdings von neuem. Ich kam wieder auf meinen Psychotherapeuten zurück und hatte neue Behandlungsstunden bei ihm. Die Angst war genau die gleiche wie im Jahr zuvor. Wenn jemand nicht zu Hause war, hatte ich Angst, derjenige würde nie mehr wiederkommen. Auch dieses Mal halfen die Sprechstunden und meine Angst verschwand schon Mitte 2016. Seitdem war ich komplett frei von derartigen Ängsten.

Anfang der Sommerferien 2017 kamen dann erstmals seit Langem Angstgefühle. Meine beste Freundin, mit der ich fast jeden Tag über WhatsApp schrieb, antwortete nicht. Am darauffolgenden Tag ebenfalls nicht. Ich hatte die Angst, sie würde die gesamten Ferien nicht mehr mit mir schreiben wollen. Dieses Wochenende war das Schlimmste in meinem ganzen Leben, da mein Alltag komplett von Angst geprägt war. Ich hatte zwar einige Freunde, allerdings war meine beste Freundin die einzige Person, mit der ich regelmäßig schrieb. Am Montag der ersten Ferienwoche allerdings kam die Nachricht ,,Ich gehe jetzt ins Kino'', und die Angst war weg. Ich war erleichtert und beruhigt, dass alles okay war. Die ganzen Ferien über hatte ich dann keine Angst mehr.Kurz vor den Herbstferien kamen diese Ängste allerdings wieder zurück. In der zweiten Woche vor den Ferien schrieb meine beste Freundin plötzlich nur noch sehr wenig unsere WhatsApp-Gruppe. Außerdem antwortete sie teilweise nicht auf meine Nachrichten. Das beunruhigte mich extremst und ich hatte die Befürchtung, die Freundschaft, die mir so viel bedeutete, sei vorbei.

Am Wochenende nach dieser Woche schrieb sie allerdings wieder ausführlich mit mir, und meine Angst war weg. Allerdings hatte ich nun öfters die Sorge, meine beste Freundin würde aufhören, mit mir zu schreiben. In den Herbstferien 2017, in denen ich auch diesen Text verfasse, erreichte diese Angst ihren Höhepunkt. Ich hatte in der ersten Ferienwoche jeden Tag aufs neue die Angst, sie würde plötzlich nicht mehr mit mir schreiben wollen. Ende der ersten Ferienwoche hatte ich seit langem wieder Heulkrämpfe und Suizidgedanken, da ich diese Angst nicht weiter aushalten konnte. Sie antwortete tatsächlich nur noch sehr sporadisch, und am Wochenende kam keine einzige Nachricht von ihr aus. Am gestrigen Sonntag stellte ich die Frage, ob sie denn am nächsten Tag nach Berlin in den Urlaub fahren würde, da sie dies vor den Ferien erwähnt hatte, und sie antwortete nicht. Heute ist Montag, und ich habe keine Nachricht mehr von ihr erhalten. Vermutlich ist alles okay, aber ich lebe momentan in dauerhafter Angst, sie würde nie wieder etwas schreiben. Menschen, die nicht von einer Angststörung betroffen sind, können sich nicht vorstellen, was für Gefühle Textnachrichten in betroffenen Menschen auslösen können.

Kommt einmal keine Antwort oder nur ein sehr kurzer Satz, oder schreibt eine Person, mit der man normalerweise immer regelmäßig schreibt, mal einige Tage nichts, bricht sofort Panik aus. Man sucht die Schuld immer bei sich selbst. Man bekommt tatsächlich den Gedanken, eine jahrelange Freundschaft würde von der Gegenseite einfach so beendet. Ohne Auslöser. In diesem Gefühl schreibe ich diesen Text. Antwortet jemand nicht, mache ich mir gleich Gedanken, ob ich etwas Falsches geschrieben habe. Diese Angst ist unerträglich und ich habe in letzter Zeit vermehrt Suizidgedanken. Mit Freunden über diese Angst bezüglich WhatsApp zu sprechen, habe ich mich bisher noch nicht getraut. Zu groß ist die Angst, für verrückt gehalten zu werden. Diese Angst bezüglich der Textnachrichten ist selbst mir zu banal und lächerlich, als dass ich mit jemandem darüber reden möchte. Vor solchen Dingen Angst zu haben, ist mir selber ziemlich peinlich. Ich wünsche mir ein Leben wie jeder andere ,,normale'' Mensch auch, frei von Angststörungen. Mittlerweile bin ich 16 Jahre alt und besuche die elfte Klasse eines Gymnasiums. Vielleicht geht es ja jemandem so änhlich bzw. jemand hat vielleicht auch Ängste in Bezug auf WhatsApp oder dass jemand, den man liebt, aus dem Leben scheidet.

suzhel

Re: diese ständige Angst vor Verlust / Trennung

Beitragvon suzhel » Mo 30. Okt 2017, 21:24

Hallo,
niemand wird sich hier über dich lustig machen, da brauchst du keine Angst zu haben.

Deine starke Angst vor Verlust bzw. Trennung ist gut mit kognitiver Verhaltenstherapie behandelbar ... hast du die mal versucht?






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