Tremor-Probleme bei Angst

gischt

Tremor-Probleme bei Angst

Beitragvon gischt » Fr 5. Feb 2016, 17:11

Ein kleinere, eigentlich völlig unbegründete Angstzustand ....und Tremor-Probleme.

Gestern abend wurde ich mit Verdacht auf Epilepsie im Krankenhaus eingeliefert, nachdem ich mit Krämpfen in beiden Armen (sie zitterten unkontrolliert) kurz vor Ende des Nachmittagsunterrichts einem Schulsanitäter in die Arme lief.
Ergo wurde heute morgen fröhlich an mir herumgeforscht (EEG, Motoriktests und so weiter), man fand aber nichts und schickte mich deswegen zum Psychologen des Krankenhauses.
Um ehrlich zu sein: Ich trat in das Zimmer, in dem der Herr residierte und wäre am liebsten wieder hinausgestürmt.
Atmosphäre, Einrichtung, Lage (so, dass man problemlos zum Fenster hineinsehen konnte - ich hasse das!) und Mensch an sich waren zum Davonlaufen, leider ging das aber nicht und so nahm ich brav in einem der Stühle Platz.
Kennt jemand zufällig Die Horrorhochzeit (vom Tineoidea-Album) von Samsas Traum?
Ich kann voll und ganz nachvollziehen, wie Lilith sich da gefühlt haben muss.
Kurzum, ich wurde anfangs einige Minuten ignoriert und dann von einem Männlein, das mir absolut unsympatisch war, ausgefragt, anders kann ich es von meinem Standpunkt aus nicht bezeichnen.
Nach einigem Hin und Her erkundigte sich besagtes Männlein, ob ich der Meinung sei, dass diese Krampfanfälle psychisch bedingt seien.
Ganz ehrlich - ich bin nicht der Meinung, ich weiß es, es ist nämlich durchaus auffällig, wenn man sowas immer in Situationen kriegt, in denen man unter extremen Streß steht, beispielsweise bei einem Judolehrgang weit über dem eigenen Niveau oder dem ersten Heulkrampf in Gegenwart des Freundes.
Während mein Instinkt also "Ja, zum Teufel!" schrie, sagte mein Mund etwas ganz anderes, nämlich "Nein" - und bevor man fragt, ja, ich bin notorische Lügnerin, was mein Gefühlsleben angeht -, was ihn wiederum zu der Frage veranlasste, ob ich der Meinung sei, ich hätte sonstige psychische Probleme.

Wie ebenfalls schon in der Vorstellung erwähnt, scheue ich meist davor zurück, Selbstdiagnosen/was auch immer öffentlich zu machen, hiermit trete ich mir aber selbst in den Hintern: wenn man mich, beziehungsweise mich und eine enge Freundin, fragt, bin ich sowohl depressiv (wobei sie mir da stärkere Depressionen als ich attestiert) und habe eine Angststörung in Richtung Soziophobie.
(Halleluja. Ich hab's aufgeschrieben, das ist mehr, als ich je außerhalb ihrer Gegenwart geschafft habe.)
Die Antwort auf die obrige Frage wird man sich denken können - nein, mir seien keine bekannt.
Ob er mir es abnahm oder nicht, sei dahingestellt, jedenfalls bin ich mir nicht so ganz sicher, ob ich mir nicht selbst dafür in den Hintern beißen könnte - da hatte ich mal die Möglichkeit, das mit jemandem abzuklären, der tatsächlich Fachwissen besitzt...
Um die Vorgeschichte aber endlich mal abzuschließen, schlussendlich wurde mir eine, Zitat, "schwerwiegende Beziehungsstörung mit den Eltern" sowie eine "Unfähigkeit, Gefühle nachzuvollziehen und auszudrücken" attestiert, was wiederum zusammen mit der Aufforderung kam, mich in Therapie zu begeben, wenn auch in erster Linie, um diese Krämpfe loszuwerden.

Eigentlich sollte ich mich freuen - damit habe ich keine Ausrede mehr und sowas wie den Zwang dazu, mich endlich aufzuraffen und einen Therapeuten zu suchen, andererseits kenne ich mich.
Wenn ich mich da selbst drum kümmern muss (und das muss ich), geht das ganze mehr oder minder garantiert den Bach runter, ich kann einfach keine Motivation für gar nichts aufbringen.
Zusätzlich jagt der bloße Gedanke an eine Therapie mir Angst ein.
Bis dato habe ich nur schlechte Erfahrungen damit gemacht (wenn man denn von Erfahrungen sprechen kann und nicht eher den Singular setzen müsste), hatte einen ernsthaften Versuch, zwei "Kennenlernstunden" und der bloße Gedanke daran, von Angesicht zu Angesicht mit jemandem über meine Gefühlswelt zu reden, den ich nicht zu meinem engsten Freundeskreis zähle, führt zu einem neuen Krampfanfall.
(Momentan hab ich auch einen und es ist eine mittlere Katastrophe, damit zu tippen.)
Ich könnte nicht direkt erklären, was mich daran so stört, immerhin wünsche ich mir eigentlich eine Therapie - andererseits ist da dann wieder diese Hemmschwelle, direkt antworten zu müssen (noch so etwas Horrormäßiges für mich: direkt antworten müssen, nicht ausweichen können) und mich selbst, meine Gefühlswelt, Ängste und Schwächen zu offenbaren.
Warum ich das hier alles in die Tasten hacke, weiß ich selbst nicht, zumal die Sache irgendwo in der Mitte abgeschweift ist - aber wer bis hierhin durchgehalten hat, hat sich meinen Respekt verdient.

gischt

Re: Tremor-Probleme bei Angst

Beitragvon gischt » Do 18. Feb 2016, 14:46

Ich bin inzwischen so oft über diesen Thread gestolpert, dass ich mich nur noch selbst beglückwünschen kann: Irgendwie steht da oben eigentlich was anderes als ich eigentlich ausdrücken wollte.
Als mir das aufging, setzte die (im Nachhinein betrachtet) völlig irrationale Angst ein, ich könnte mich komplett lächerlich gemacht haben und den Rest wird man sich denken können.
Inzwischen habe ich mir allerdings selbst in den Hintern getreten und versuch's noch einmal.

Wie ich (wie mir auffällt) noch nicht erwähnt habe, besteht der Verdacht, dass der Tremor mit Streß (laut Selbstdiagnose allerdings eher Angst) zusammenhängt.
Gestern hatte ich eine Sitzung bei einer eigentlich ganz netten Therapeutin (wir wollen uns jetzt nicht darüber unterhalten, was meine Arme auf dem Hinweg gemacht haben und welche Blicke mir das einbrachte), bin die Woche über allerdings fast durchgedreht, das geht von regelmäßigen Krampfanfällen (was ist der Plural von Tremor? oO) über Schlafstörungen bis zum SVV-Rückfall.
Das war's mit den zwei Jahren ohne, aber das ist hier nicht das Thema.
Rückwärts marsch, bitte, zum Threadtitel.
Tremorprobleme träfe es wohl besser, aber zu spät ist zu spät.

Kennt das jemand auch, dass er, unter Streß gesetzt, Krampanfälle kriegt?
Und vor allem: was macht man da am dümmsten?
Die Therapeutin ist zwar nett, wie ich bereits erwähnte, aber leider ist es eine Kinder- und Jugendlichentherapeutin, die nach jeder vierten Sitzung Elternsitzungen durchführt und das ist Grund genug für mich, mich anderweitig umzuhorchen - ob ich meine Eltern liebe oder nicht sei dahingestellt, ich weiß es selbst nicht, sicher ist nur eines: Lieber schreib ich meine Probleme auf und verteile sie in meinem Wohnort als dass ich mit ihnen darüber rede.
Kurzum: Auch wenn mir die ganze Sache eigentlich sympatisch wäre, jagt mir dieses Elternsitzungenproblem regelrechte Angst ein, ich zittre immer häufiger - und da wären wir auch gleich bei einem weiteren Problem.
Sobald Sport ansteht, zittere ich.
Egal ob Schulsport oder der (gehasste) Vereinssport in Form von Judo, ich zittere, weil der bloße Gedanke daran, mich mit anderen zu messen (und schlechter zu sein als sie, was mir im Endeffekt ihre Verachtung einbrächte) eine regelrechte Horrorvorstellung für mich ist.
Hat irgendjemand einen Namen für diese Angst?

sula

Re: Tremor-Probleme bei Angst

Beitragvon sula » Mi 2. Mär 2016, 17:25

so viele fragen und so viele aspekte ... ich kann dir leider nicht bei allem weiterhelfen, aber das ein oder andere mag ich dir gern schreiben.

zu der therapeutin: ich bin auch bei einer kinder- und jugendlichenthera und bei mir gibt es keine elternsitzungen. also ja doch, es gab bisher zwei für meine mutter und eine für meinen vater. ich bin nicht mitgekommen, sondern sie sind allein und einzeln hingegangen. ich bin seit bald zwei jahren dort und das war alles, was meine eltern bisher mit der therapie zu tun bekommen haben. sprich mit der therapeutin darüber, denn sie muss diese sitzungen nicht machen, wenn du das nicht möchtest. (ganz abgesehen davon finde ich das auch nur bei kleineren kindern sinnvoll, aber nicht bei autonomen jugendlichen.)

zu dem tremor: ich kenne das nicht exakt so wie du, aber doch etwas ganz grob ähnliches. wenn ich eine panikattacke oder einen flashback habe, zittere ich auch unkontrolliert. allerdings am gesamten körper, nicht auf bestimmte stellen beschränkt. angst und zittern/krampfen gehört irgendwie zusammen denke ich. in welchen situationen hast du denn angst?

gischt

Re: Tremor-Probleme bei Angst

Beitragvon gischt » Fr 18. Mär 2016, 19:59

Danke für deine Antwort, sula
Das mit den berühmten Elternsitzungen beruhigt mich um ehrlich zu sein reichlich, denn trotz meines Unwohlseins ob der Therapie wäre diese Therapeutin immerhin sympatisch...

Aber zurück zum (vielleicht) wichtigeren Punkt: deiner Frage.
Mir jagen die meisten Situationen, in denen ich mich mit anderen messen muss, Angst ein, ein Beispiel dafür wäre Sport - ich weiß, dass ich nicht sonderlich sportlich bin und vor den Augen anderer zu versagen ist eine dermaßen entsetzliche Vorstellung, dass ich fast sofort zu zittern beginne.
Das Ganze bezieht sich aber auch auf andere "Versagenssituationen", werde ich beispielsweise in der Schule aufgerufen, kenne die Antwort aber nicht, zieht es mich meist für den Rest des Tages runter, weil ich die Gedanken darüber, wie lächerlich ich gewirkt haben muss, nicht verdrängen kann.
Angst empfinde ich auch, wenn es darum geht (letztendlich dreht es sich aber auch hierbei darum, wie lächerlich mich andere finden müssen), mich selbst vor anderen zu offenbaren, wobei es hier natürlich die üblichen die Regel bestätigenden Ausnahmen gibt - sehr enge Freunde beispielsweise.
Diese Angst macht beispielsweise auch Telefongespräche, Situationen im Restaurant (von McDonalds bis zum Familienausflug), das Ansprechen fremder Menschen, egal aus welchem Grund oder Hilfesuchen zu regelrechten Spießrutenläufen - es bleibt immer ein ungutes Gefühl zurück und in letzter Zeit mischt sich dieses ungute Gefühl immer öfter mit dem Zittern.

sula

Re: Tremor-Probleme bei Angst

Beitragvon sula » Fr 8. Apr 2016, 20:26

es freut mich, dass ich dich etwas beruhigen konnte. darf ich fragen, wie alt genau du bist? ich denke, das wird auch eine große rolle spielen, wie sehr deine eltern miteinbezogen werden. ich selbst zum beispiel bin jetzt 19 und habe mit 17 angefangen und irgendwie wäre es wirklich lächerlich, mit 19 elternsitzungen zu machen... *schmunzel*

was die ängste betrifft, kann ich dir nicht weiter helfen als schon beschrieben. angst und zittern sind in meinen augen keine ungewöhnlich kombination, aber in dieser form kenne ich das nicht aus eigener erfahrung. das einzige, was mir noch aufgefallen ist: deine versagensängste klingen nach etwas, das gute chancen hat, therapiert zu werden... *lächel*

wie geht es denn jetzt weiter bei dir? wirst du noch weitere probesitzungen mit der therapeutin machen?

gischt

Re: Tremor-Probleme bei Angst

Beitragvon gischt » Mi 4. Mai 2016, 18:01

Ich bin (wie du es ebenfalls warst) 17, krebse aber bereits halbwegs nah am nächsten Geburtstag herum.
Dass die Eltern mit 19 wirklich ein wenig fehl am Platze wären, erscheint auch mir ziemlich logisch - und ich hoffe, dass du das selbe bei mir ebenfalls nachvollziehen kannst. Augenzwinkern

Deine Einschätzung klingt ebenfalls sehr erfreulich, denn ich würde sagen, das ist noch beruhigender als ein Name.
(Für's erste habe ich Agoraphobie genannt bekommen, aber ob das zutrifft? Egal, gehört nicht hierher.)
Die Probesitzungen werde ich auf jeden Fall noch machen und so wie es im Moment aussieht, würde ich auch gern weitermachen, wenn nur die verflixte Schule nicht wäre - schon die eine Sitzung hat mich in arge Bedrängnis was die Hausaufgaben angeht, gebracht.
(Was auch der Grund ist, warum dieser Beitrag nur relativ kurz ist - da schreit noch ein Protokoll meinen Namen...)

sula

Re: Tremor-Probleme bei Angst

Beitragvon sula » Mi 18. Mai 2016, 10:11

ich? auf jeden fall kann ich das. die therapeutin musst du darauf vielleicht noch hinweisen... *lächel* allerdings musst du dich unter diesen umständen mit deiner entscheidung etwas beeilen, denke ich. soweit ich weiß, darf eine kinder- und jugendtherapeutin einen ab 18 nicht mehr annehmen.

ich habe eine freundin, die an agoraphobie leidet. ähnlichkeit bei den symptomen ist schon vorhanden, aber ich bin bei weitem keine fachfrau und kann und will natürlich keinerlei diagnosen stellen. ich kann nur aus meiner eigenen erfahrung als patientin schreiben.
inwiefern kollidieren denn deine hausaufgaben mit der therapie? rein zeitlich, oder kannst du dich danach auch schlechter konzentrieren? hast du es weit bis zur therapeutin?






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