Angst davor pädophil zu sein

Apfel

Angst davor pädophil zu sein

Beitragvon Apfel » Sa 30. Jun 2018, 15:03

Hallo Leute,

seit längerem schon habe ich Angst davor eventuell pädophil zu sein. Es beschäftigt mich zur Zeit noch mehr. Ich weiß nicht sicher ob es nur Ängste sind oder ob dahinter vielleicht mehr steckt. Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen dabei, wie ich herausfinden kann, ob ich wirklich pädophil bin oder es nur Zwangsgedanken bzw. Ängste sind.

Zu meinen Ängsten / Zwangsgedanken:

Ich hatte bisher noch keine Beziehung zu einer Frau und ich war noch nie richtig verliebt. Das finde ich sehr merkwürdig. Vorallem, dass ich noch nicht verliebt war. (Ich bin ca. 30) Das könnte der erste Hinweis sein dass mit meiner Sexualität was nicht stimmt.

Andererseits habe ich schon starke sexuelle Anziehung zu Frauen gespürt. Das ist ja noch kein Ausschluss, dass ich nicht auch noch pädophil bin.

Bewusst habe ich noch keine Anziehung zu Kindern gespürt. Ich bin aber oft unsicher in der Gegenwart von Kindern und schau sie meistens nicht direkt an.

Meine Fragen an euch:

Wie kann ich herausfinden ob es Ängste sind oder ob ich doch pädophil bin?

Bzw. Gibt es bestimmte Merkmale, woran man Ängste erkennen kann?

Grumpf

Re: Angst davor pädophil zu sein

Beitragvon Grumpf » Sa 30. Jun 2018, 21:11

Hallo,

dass du diese Zwangsgedanken hast, damit bist du wohl auch nicht ganz allein. Aber wenn du keine pädophilen Vorstellungen hast, dann glaube ich auch nicht, dass du in dieser Richtung tickst. Zumal du ja auch schon sexuelle Anziehung zu Frauen verspürt hast (du meinst zu erwachsenen Frauen?!).

Die Unsicherheit in der Nähe von Kindern rührt wahrscheinlich von dieser Angst in deinem Kopf her.

Bist du auch unsicher in Bezug auf Frauen?

Apfel

Re: Angst davor pädophil zu sein

Beitragvon Apfel » So 1. Jul 2018, 10:24

Danke für deine Antwort, Grumpf.

Ja, ich meine zu erwachsenen Frauen. Leider ist diese Tatsache in meinem Kopf noch kein Ausschlusskriterium, dass nicht doch etwas pädophiles vorhanden sein könnte.

Es ist komisch in meinem Kopf. Die Angst davor pädophil zu sein führt dazu, dass ich unsicher bin. Aber da kommt bei mir dann noch der Gedanke hinzu: Warum habe ich überhaupt diese Angst? Gerade diese Frage ist das eigentliche Problem. Ich kann diese Frage nicht beantworten. Ich denke mir dann: Es muss doch einen Grund haben, warum ich die Angst hab. Ich habe ja sonst keine richtigen Ängste.

Aber so ähnlich kam das Thema Sexualität schon vor. Eine Zeit lang dachte ich ernsthaft ich könnte schwul sein. Dann dachte ich schon mal ich könnte auf meine Mutter stehen.

Ich bin eher nicht unsicher bei (erwachsenen) Frauen. Ich schaue sie gerne an. Hin und wieder kommt es vor, dass ich ein bisschen aufgeregt bin, wenn ich einer attraktiven begegne. Aber das ist dann eher eine positive Art der Aufregung.

Grumpf

Re: Angst davor pädophil zu sein

Beitragvon Grumpf » Di 3. Jul 2018, 09:42

Hm, also dann würde ich dir schon dringend empfehlen, zum Psychotherapeuten / Psychologen zu gehen, weil die können das dann besser abklären.

Mute

Re: Angst davor pädophil zu sein

Beitragvon Mute » Mi 4. Jul 2018, 06:54

Ich schließe mich Grumpf an: Geh bitte zu einem Therapeuten, allerdings zu einem mit Ausrichtung Sexualtherapie.

Mal zur Abgrenzung aus dem ICD10:

Eine Pädophile Störung (DSM-5) bzw. Pädophilie ist gemäß ICD-10 die "..sexuelle Präferenz für Kinder, Jungen oder Mädchen oder Kinder beiderlei Geschlechts, die sich meist in der Vorpubertät oder in einem frühen Stadium der Pubertät befinden.".
Paraphile Störung (DSM-5) / Paraphilie (ICD-10): "Es treten über einen längeren Zeitraum – mindestens 6 Monate – ungewöhnliche sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen auf, die sich 1. auf ungewöhnliche nichtmenschliche Objekte, 2. auf Leiden oder Demütigung von sich selbst oder anderen Menschen oder 3. auf Kinder oder andere Personen beziehen, die nicht einwilligungsfähig oder -willig sind. Diese Phantasien, Bedürfnisse oder Verhaltensweisen verursachen in unterschiedlichen Funktionsbereichen Leiden und Beeinträchtigung bei den Betroffenen oder ihren Objekten."

Menschen mit einer Zwangsstörung leiden unter wiederkehrenden Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen. Unter Zwangsgedanken versteht man wiederkehrende Gedanken, die den Betroffenen in stereotyper Weise immer wieder beschäftigen. Sie werden meist als quälend empfunden, weil ihre Inhalte häufig sinnlos, gewalttätig oder obszön sind. Erfolglos versuchen die Betroffenen, diese Gedanken nicht zu denken. Obwohl die Gedanken als ungewollt und häufig als abstoßend empfunden werden, erkennen die Personen sie als ihre eigenen Gedanken an. (..) Zwangshandlungen sind sich ständig wiederholende Verhaltens-Stereotypien. Wie die Zwangsgedanken sind auch die Zwangshandlungen den Betroffenen nicht angenehm, sie werden in der Regel als sinnlos und ineffektiv erkannt und es wird erfolglos versucht, den Handlungen Widerstand zu leisten. Eine steigende innere Anspannung zwingt die betroffenen Personen jedoch immer wieder, die Zwangshandlung auszuführen. Beispiele für Zwangshandlungen sind Kontrollzwänge (z.B. immer wieder kontrollieren, ob der Herd ausgemacht und die Tür abgeschlossen wurde), Zählzwänge (z.B. immer wieder die Ringe der Gardinenstange zählen zu müssen) oder Waschzwänge (z.B. mehrere Stunden täglich die Hände waschen und sich umkleiden zu müssen).

Rose

Re: Angst davor pädophil zu sein

Beitragvon Rose » Mi 4. Jul 2018, 19:52

Hi,
als ich deinen Beitrag gelesen habe, wusste ich erst nicht so recht, ob ich lachen oder weinen sollte...
Ich kämpfe mit exakt den gleichen Gedanken! Und wenn ich exakt sage, dann meine ich es auch so.
Meine Hauptangst bezieht sich zwar eher auf meine sexuelle Orientierung (Was, wenn ich lesbisch/bi o.ä bin?), aber die Gedanken "Was, wenn du auf deinen Vater stehst/etwas von ihm willst?" "Was, wenn du pädophil bist?" spielen bei mir auch eine große Rolle.
Ich habe meine Zwangsstörung jetzt seit fast 8 Jahren, sie hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt (anfangs Waschzwang, dann eher Zwangsgedanken) und in letzter Zeit ist es wieder besonders schlimm. Seit einem knappen Jahr gehe ich einmal wöchentlich zur Verhaltenstherapie, die bei mir leider nicht besonders viel bringt. Meine Therapeutin ist der Meinung, dass ich mich mit meinen Gedanken/Ängsten konfrontieren soll, also z.B. an einen See gehen und dort gezielt Kinder anschauen soll und meine Gefühle dabei "beobachten" soll. Für mich klingt das ziemlich absurd, weil ich um meine Ängste loszuwerden oft genug den Zwang habe jemanden hinterherzuschauen um mich zu versichern, dass sich bei mir nichts regt (und da ist dann natürlich wieder die Angst da, dass der Zwang nur eine Ausrede ist, um das "Perverse" ausleben zu können, weil die Ängste ja auch real sein könnten). Es wäre also nichts anderes als würde ich Zwänge ausführen, wenn ich dieser Strategie folgen würde. Oft stehe ich kurz vorm Verzweifeln, weil ich wirklich nicht weiß, wie ich jemals ein anständiges Leben (Job, Familie etc.) führen soll, wenn ich solche Gedanken habe. Ich stehe vor dem letzten Schuljahr auf dem Gymnasium, sollte mich dementsprechend also mit meiner Zukunft befassen, habe aber sämtliches Gespür dafür verloren, was ich fühle, will oder mir wünsche.
Ich weiß nicht, wie es dir oder anderen Betroffenen geht, aber mir gibt es immer ein Stück weit Auftrieb und vielleicht sogar Sicherheit zu hören, dass es da draußen Leute mit gleichen oder ähnlichen Gedanken gibt. Ich kann dir leider keine wirkliche Antwort auf deine Fragen geben, weil ich ja selbst bis über beide Ohren in den Zwängen und Ängsten drinnenstecke. Es ist unwahrscheinlich, dass sich solche Ängste irgendwann komplett auflösen, aber trotzdem ist es wichtig immer weiter zu machen. Ich glaube, es wäre sinnvoll, wenn du dich mal nach einer geeigneten Therapie umschaust. Vielleicht wäre es für dich ja auch denkbar eine stationäre Therapie zu machen? Davon halte ich persönlich mehr, als einmal oder zweimal in der Woche zum Psychologen zu gehen. Abgesehen davon kann ich wirklich empfehlen sich mit den Gedanken in Form von Texten auseinanderzusetzen. Das ist wahrscheinlich Geschmackssache, aber bei mir fühlt es sich nach dem Schreiben immer so an, als würde ich in meinem Kopf aufgeräumt haben und es ist danach meistens nicht mehr ein ganz so großes Chaos. Beschäftigung hiflt im Allgemeinen. Am besten etwas das Kopf und Körper fordert.
Grüße,
Rose






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