Zwanghafte Sucht nach menschlicher Nähe

schwarzweiss

Zwanghafte Sucht nach menschlicher Nähe

Beitragvon schwarzweiss » Fr 12. Jan 2018, 10:07

Wer kennt es noch ?

- Immer bestätigt bekommen das man nicht "stört"

- Sich tausend mal entschuldigt, bei nahstehenden Menschen

- Die ewige Anerkennung,.. Ja du bist gut wie du bist, ja ich mag dich, nein ch finde den typen nicht besser etc..

- Die extreme Sehnsucht nur mal angeguckt zu werden von einer Frau, desshalb sogar stupide mit der Bahn rumfährt.

- Sich irgendjemand zu sich sehnt, egal wer.. Eine Frau die mich nur in den Arm nimmt und streichelt, und der ich Liebe geben kann.


In meinem Herzen steckt soviel Liebe und Güte, bitte zeigt mir eine Frau die sich daran nährt.

Sephir

Re: Zwanghafte Sucht nach menschlicher Nähe

Beitragvon Sephir » Di 16. Jan 2018, 18:33

Hi schwarzweiss,

ist das, was du hier machst - was auch immer -, nicht eher etwas für den "Kontakt"-Bereich? Zumindest sehe ich nicht, dass du über irgendein Problem wirklich sprechen möchtest. Und dabei kann man jeder Frau (und in einiger Zeit vermutlich auch jedem Manne) nur davon abraten, deine "Liebe" anzunehmen: Wer will "zwanghaft" geliebt werden? Wer will über eine "normale" Liebesbeziehung hinaus dir noch diejenige Liebe schenken, die du von anderen Seiten nicht bekommst? (Ziemlich aussichtsloses Unternehmen!) "Stupide mit der Bahn rumfahren" mag ja relativ süß wirken und Mitleid erzeugen. Aber ziemlich rückständig ist das schon. - Jeder muss selbst wissen, was das über dich und eine mögliche Beziehung mit dir aussagen könnte.

Aber was solls: Was du suchst - es ist ja ohnehin "egal wer". Und: "Eine Frau die mich nur in den Arm nimmt und streichelt [...]" - Nennt man soetwas nicht "Mutter"? Hat deine einen so schlechten Job gemacht? Wer sollte die Mutter-Rolle für dich übernehmen wollen? Vielleicht wäre speziell eine reifere Dame etwas für dich?

schwarzweiss

Re: Zwanghafte Sucht nach menschlicher Nähe

Beitragvon schwarzweiss » Fr 19. Jan 2018, 17:00

Nunja, bei mir wurde eine BPS festgestellt. Ich habe leider viel mist in meiner Kindheit durchgemacht. Kann eigentlich auch nur schwer vertrauen, ich denke du hast es wohl so aufgefasst das ich hier jemand suche mit dem ich ne schnelle Nummer schiebe, falls du das denkst.. Nein das tu ich sicher nicht........!

Ich wollte einfach mal meine Gedanken äussern, in der Hoffnung das mich jemand versteht.

Morti

Re: Zwanghafte Sucht nach menschlicher Nähe

Beitragvon Morti » Mo 22. Jan 2018, 11:39

ohja... ich kenne das problem zu gut...

ich bin sehr aktiver Zocker (am PC, nicht in Spielotheken)
und bei einigen spielen nutzt man ja auch Teamspeak... (z.b. in MMORPG's)
und ich habe ständig das gefühl, das ich störe... oder die leute nerve...

ich brauch auch sehr viel bestätigung... es ist wirklich wie eine sucht... und meine Ex-Freundin hat darunter auch sehr gelitten... weshalb sie sich dann auch von mir getrennt hat... ich hab sie einfach erdrückt... ohne das ich es wollte...

ich hab mich für jeden "blödsinn" immer tausend und dreimal entschuldigt... selbst nur wenn mir etwas runter gefallen ist (sei es ein teller oder sonst etwas, es muss nichtmal zu bruch gegangen sein)...

Andromeda

Re: Zwanghafte Sucht nach menschlicher Nähe

Beitragvon Andromeda » So 11. Feb 2018, 01:28

@ schwarzweiss und auch @ Morti:

Ich kann das ebenfalls nachvollziehen, mich den aufgezählten Beispielen zwar nicht anschließen, verstehe aber die Gedankengänge.
Bei mir liegt u.a. eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderlinetypus vor, also eine "Unterform" der BPS, wenn man so will.

Das Beispiel, dem ich mich am ehesten anschließen kann, ist das erste (von schwarzweiss).
Zwar "verlange" ich nicht ständig, bestätigt zu bekommen nicht zu stören, aber ich habe oft das Gefühl zu stören und/oder nicht willkommen zu sein, egal wohin ich komme und egal, ob ich zum ersten oder ixten Male dorthin komme, ...

... weil es in meiner Kindheit und Jugend so war und sich im Grunde wie ein roter Faden durch mein Leben zieht, "eigentlich" nicht willkommen zu sein. Man sieht schon an den Häkchen, dass ich Schwierigkeiten habe, dies zu beurteilen. Vermutlich bin ich nicht überall unwillkommen, aber es fühlt sich so an. Der gesunde Verstand sagt mir: Ich kann ja wohl schlecht überall unwillkommen sein. Aber das Gefühl sagt: Bestimmt bin ich unwillkommen, wie immer halt. So ungefähr. Das nennt man Schemaaktivierung. Näheres dazu nachfolgend.

Gesät wurde das bei mir durch meine Eltern, respektive meine Erzeuger. Ich bin als klassischer "Betriebsunfall" auf die Welt gekommen und meine Eltern ließen mich dies quasi lebenslang spüren ... und stritten gleichzeitig alles ab, wenn ich mal fragte.
Sie leben beide noch, aber es gibt von meiner Seite aus seit etwa zwei Jahren keinen Kontakt mehr.

Nachdem ich (Anfang der Neunziger) von Zuhause ausgezogen war, forderte meine Mutter mich dann und wann dazu auf, doch mal wieder vorbei zu kommen, wenn ich mich länger nicht gemeldet hatte. Doch wenn ich dann kam, hieß es, ob ich denn nicht vorher anrufen könne, anstatt sie hier so zu überfallen (Zitat). Wenn das dann mal umgekehrt war, ich also sie so bei mir empfing, machte sie mir das zum Vorwurf. Sie warf mir also etwas vor, was sie selbst mir vorgelebt hatte. Sie durfte das also, ich nicht.
Das machte sie zu gerne ... und ich geriet unbewusst immer weiter in die "Schemafalle".

Ich erkannte die Wahrheit erst spät, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass es innerhalb einer Familie so etwas gibt. So sehr hatten sie mir die angebliche Korrektheit ihres Verhaltens "eingeimpft". Sie leisteten also "ganze Arbeit". Unterdessen ist mir aber u.a. klar, dass sie, vor Allem meine Mutter, permanent die sogenannte Doublebind-Kommunikation an den Tag legten, ...

... was sie gewiss noch immer tun würden, wenn ich noch Kontakt hätte.

Doublebind (wörtlich übersetzt: Doppelbindung) bedeutet ein paradoxes Kommunikationsschema, etwa, wenn das Gesagte nicht zur Gestik passt. Wenn jemand zu dir sagt: Komm her und seine Körpersprache, wie etwa verschränkte Arme, das Gegenteil sagen, dann weißt du nicht:
Soll ich jetzt zu ihm kommen oder soll ich es nicht :?:
Im Zweifelsfalle bleibt man wohl lieber weg :!:

Ein "berühmtes" Beispiel ist: Wasch mich, aber mach mich nicht nass.

Mit Beidem kann man denjenigen verärgern, also im Grunde machen bzw. lassen, was man will, es wäre immer falsch.

Auf Dauer führt sowas natürlich zu wachsender Unsicherheit und wachsenden Zweifeln. Da zwischenmenschliche Beziehungen/Bindungen aber zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehören, erleidet jemand, der so einem widersprüchlichen Kommunikationsmuster zu lange ausgesetzt war, irgendwann natürlich große Defizite in puncto Beziehung zu anderen Menschen und entwickelt in der Folge u.U. ein übermächtiges "Nachholbedürfnis".

Eine mögliche Erklärung, wie solche Sehnsüchte zustande kommen können.

So eine Kindheit und Jugend ist ein Nähboden für Persönlichkeitsstörungen. Zum Beispiel Borderline. In extremen Fällen kann sowas sogar in eine Schizophrenie münden.

Sich ständig als störend erleben, obwohl man nichts angestellt hat oder so, das ist ein Schema, das seinen Ursprung meist in der Kindheit hat. In der Schematherapie, einer besonderen Form der Verhaltenstherapie, lässt sich sowas aufarbeiten.

Man kann diese alten Muster/Schemata aufspüren und "knacken", also be- und verarbeiten. Diese Schemata werden bei entsprechenden Situationen, die sich wieder genauso anfühlen, immer "anspringen". Aber indem man lernt, sie zu erkennen, lernt man im Laufe der Zeit, anders zu reagieren und/oder sich bspw. nicht mehr als störend zu erleben. Irgendwann werden diese Muster dann so schwach, dass man sie schon im Vorfeld erkennt, sodass sie keinen Schaden mehr anrichten können.

Irgendwann kommt bei jedem Betroffenen der Zeitpunkt, an dem der Körper das Erlebte nicht mehr verdrängen kann. Bei dem einen früher, bei dem anderen später. Man ist nicht mehr bereit, auf so ein Grundbedürfnis zu verzichten, weiß aber auch nicht, wie man - ohne in Konflikt zu geraten - dazu kommen soll. Man kennt ja nur diese Widersprüchlichkeit.

Wird also Zeit aufzuräumen... :arrow:

Es gibt da so ein Sprichwort: Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit. Möglicherweise sogar ein Buch mit diesem Titel, das weiß ich gerade nicht genau. Aber "der große Dr. Google" weiß das bestimmt.

Ich mache an dieser Stelle erstmal Schluss.

LG, Andromeda ;)






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