Gefährlicher Zwangsgedanke, wann wird´s gefährlich?

unglücklich

Gefährlicher Zwangsgedanke, wann wird´s gefährlich?

Beitragvon unglücklich » Mo 27. Okt 2014, 12:21

Hm, wenn sich jemand vor mir Bückt oder so, habe ich die Zwangsvorstellung denjeniegen ins Gesicht zu treten. Wenn ich einen Spitzen Gegenstand in der Hand habe habe ich oft den Dran einfach auf denjeniegen einzustechen. Der Gedanke lässt sich dann kaum wegschieben und ich habe wirklich das dringende Bedürfnes es einfach zu tun. Bei Menschen, denen ich naha stehe ist dieses Bedürfnis noch stärker. Ich weiß nicht warum das so ist. Schitzo oder so bin ich nicht, ich höre keine Stimmen, die mir das befehlen oder so und ich glaube auch nicht an eine höhere Macht...
Selbst bei meiner Mutter hatte ich diese Vorstellung schon. Letztens war es bei meinem Freund. Wir sollten was aus dem Werkzeugkasten holen. Er bückte sich also und suchte nach dem Gegenstand, wären ich vor ihm mit einem Schraubenzieher in der Hand stand. Ich hatte die Vorstellung und das quälende Bedürfnis mit diesem Schraubenzieher einfach auf ihn einzustechen und hatte ihn auch schon stechberreit...Bisher habe ich meine Gedanken in dieser Hinsicht nie ausgeführt, aber in diesem Moment mit meinem Freund hab ich für ein zwei Sekunden gedacht ich würde/könnte es wirklich tun. Ich war so kurz davor und habe erst im letzten Moment den Gedanken/das Bedürfnis wegschieben können und mich somit selber davon abgehalten. Mein Freund hat von dem natürlich nichts mitbekommen oder was gemerkt. Hat sich ja auch alles nur in meinem Kopf abgespielt. Ich hatte richtig Angst vor mir selber in dem Moment Danach hatte ich auch ganz starke Schuldgefühle und hab mich nur gefragt, wie ich an sowas auch nur denken kann. Ich liebe meinen Freund so sehr und hätte ihn vielleicht abgestochen? Das passt doch nicht zusammen. Er hat mir nie etwas getan und schlagen würde er mich auch nie. Die Vorstellung wie er torkelnt und blutend zu mir gekommen wäre und mich gefragt hätte warum ich das getan hätte, mit seinem Blick von Geschocktheit, Entsetzen und Entäuschung hat mich so fertig gemacht. Hab nur gedacht, was bist du bloß für ein schlechter Mensch, der sowas denkt geschockt

Was soll ich machen? Was ist, wenn ich nächstes Mal wirklich zutrete oder sogar steche? Bin ich jetzt eine Gafahr für meine Umwelt? Ich will das doch gar nicht, aber die Gedanken kommen einfach :(

Lisa

Re: Gefährlicher Zwangsgedanke, wann wird´s gefährlich?

Beitragvon Lisa » Mi 29. Okt 2014, 20:07

Hi,

Solange du nicht tatsächlich handelst ist alles im "grünen" Bereich.

Die Frage stellt sich allerdings warum du diese Phantasien hast.

Jede motivierte Handlung ist auf ein Handlungsziel ausgerichtet.

Aus Aggressionsmotivischer Sicht geht es darum einen Frustrator zu schädigen. Da Problem bei solchen Phantasien ist, dass der Frustrator oft nicht die Person ist, gegen die sich die Aggression richtet.

Es ist möglich, wenn auch unwahrscheinlich, dass es sich um eine Aggressionsverschiebung handelt. Dazu müsstest du aber unmittelbar vor diesen Phantasien frustriert worden sein, um ein affektives Handeln unterstellen zu können.

Konradt(1982a) führt aus dass es sich in sehr seltenen Fällen um diese Form der Agressionsverschiebung handelt. Vielmehr ist anzunehmen dass eine Entwicklung eines generalisierten Deutungsschemas zu Grunde liegt. Dadurch kann sich ein generalisierter "Hass" auf Menschen mit bestimmten Schlüsselreizen ergeben. In seiner allgmeinsten ausprägung wäre dies schlicht und ergreifend, Mensch zu sein. Also ein diffuser Hass auf Menschen.

Warum entwickeln Menschen dieses Bild von einer Feindseeligen Umwelt ? Und warum entwickeln einige ein solches Handlungsmodell ?

Das ist ein weitreichndes Thema, dass ich hier nicht en detail ausführen möchte. Es gibt dort z.B. auch Bindungstheoretische Ansätze.

Ich hab mich intensiv damit beschäftigt weil mich das Thema selbst betrifft. Ich weiss was du meinst.

Wenn es schlimmer wird, sprich wenn die Phantasien häufiger auftreten, brutaler werden oder tatsächliches Handeln auftritt (tiere quälen, diebstähle usw. [ja auch das können aggressionsmotivierte Handlungen sein]), dann würde ich mir sorgen machen.

So far ...

Sara

Re: Gefährlicher Zwangsgedanke, wann wird´s gefährlich?

Beitragvon Sara » Do 30. Okt 2014, 20:53

Wenn du das Gefühl hast es nicht mehr kontrollieren zu können, wird es denke ich gefährlich.
Wenn du dir selber nicht mehr in dem Bereich trauen kannst, Angst vor dir selber hast, lass dich notfalls einweisen, bevor es ein böses Ende nimmt.

unglücklich

Re: Gefährlicher Zwangsgedanke, wann wird´s gefährlich?

Beitragvon unglücklich » Sa 1. Nov 2014, 17:56

Zitat:
Original von Lisa
Aus Aggressionsmotivischer Sicht geht es darum einen Frustrator zu schädigen. Da Problem bei solchen Phantasien ist, dass der Frustrator oft nicht die Person ist, gegen die sich die Aggression richtet.


Erstmal danke für deine Erklärung.
So könnte es bei mir sein, nur dass ich in dem Moment (mit meinem Freund) nicht an so einen Frustrator gedacht habe, oder selber frustriert war. Eigentlich ging es mir gut. Solche Gedanken kommen bei mir wie "aus heiterem Himmel", ich weiß nicht warum und was der Auslöser dafür ist.

@Sara
Die Situation mit meinem freund war bisher die intensiehfste, wo ich wirklich Angst vor mir selber hatte. Ich weiß nicht ob ich es wirklich tun könnte. Ein Psychologe meinte zu mir zwischen Handlung und Tat läge noch ein weiter Weg. Aber was ist wenn ich es wirklich nicht mehr kontrollieren kann? Ich will eigentlich momentan nicht in eine Klinik... Meinst du ich kann es meiner Psycho sagen (oder es ihr schriftlich geben) ohne das sie mich gleich als gefährlich einstuft und mich einweisen lässt?

Lisa

Re: Gefährlicher Zwangsgedanke, wann wird´s gefährlich?

Beitragvon Lisa » Mo 3. Nov 2014, 19:40

Hi,

Deine Psychiaterin hat recht (wer hätte das gedacht ?^^).

Im Aggressionsmotiv ist eine weitere Komponente verankert. Die Aggressionshemmung. Sie wirkt als antagonist.
Erst dadurch ist z.B. Aggressionsverschiebung möglich.
Das Handlungsziel ist klar, aber Personen die einen frustrieren aber keine aggressive Reaktion von dir erfahren, ergeht es nur deshalb so, weil du gehemmt gegenüber diesen Personen bist.

Eine andere Person, die in das generelle Schema passt, der gegenüber du aber weniger gehemmt bist, kann dann das "Opfer" sein.

Wie ich bereits angedeutet habe, muss dir garnicht klar sein, wer dich furstriert hat und wann.

In einem sensiblen Alter, "gewöhnt" man sich handlungsmodelle an, um in bestimmten Situationen zurecht zu kommen. Dazu gehört es eine Situation richtig zu deuten und adäquat zu reagieren. Hier ist wieder das Handlungsziel als Erwartungshaltung formuliert.

Wenn die tatsächliche Reaktion von der erwarteten abweicht, ist man verwirrt und sucht, bei essentiellen bedürfnissen (Motiven), nach anderen wegen doch noch die erwünschte Reaktion zu erhalten.

Und unter solchen umständen können sich eben diese "falschen" Handlungsmodelle herausbilden. Deren Auswirkungen oft nicht mit Ihnen in Verbindung gesetzt werden.

Wenn also die Phantasien auftauchen, ist das schon eine Folge, die evtl. recht tief verankert ist. Eine inadäquate, obwohl für einen selbst nicht erkenntlich inadäquate, Reaktion oder Handlung, je nachdem ob affektiv oder motivativ gehandelt wird, auf eine gegebene Situation.

Problematisch wenn durch positive Erfahrungen nach aggressiven Handlungen, die Hemmungskomponente zunehmend verdrängt wird, denn dann steht der motivierten Handlung kein antagonist mehr gegenüber.

Sara

Re: Gefährlicher Zwangsgedanke, wann wird´s gefährlich?

Beitragvon Sara » Fr 7. Nov 2014, 12:01

Zitat:
Meinst du ich kann es meiner Psycho sagen (oder es ihr schriftlich geben) ohne das sie mich gleich als gefährlich einstuft und mich einweisen lässt

So einfach kann sie dich nicht gegen deinen Willen einweisen lassen.
Ich denke aber, du solltest es unbedingt ansprechen, da es dich ja belastet.
Viele Menschen haben solche Impulse, wie du sie beschreibst.Die meisten halt nicht so intensiv. Bloß wenn man sich selber nicht mehr sicher ist ob man es tun würde, wäre Hilfe von aussen dringen angeraten.

psychodad

Re: Gefährlicher Zwangsgedanke, wann wird´s gefährlich?

Beitragvon psychodad » Fr 19. Dez 2014, 01:28

Hallo unglücklich,

genau diese Zwangsgedanken kenne ich auch sehr gut. Früher hat es mich auch noch erschreckt und hatte deswegen Schuldgefühle gehabt. Heute habe ich es aber als zu meiner Persönlichkeit dazugehörig akzeptiert.

Bei diese Art von Zwangsgedanken steckt noch eine Portion Sadismus mit drin. Ich selber habe diese Vorstellungen auch wenn ich alleine bin. Ich begehe dann in meiner Phantasie sogar Serienmorde und lasse mir dabei richtig viel Zeit. Bei mir ist es aber wegen einer Persönlichkeitsstörung.

Gefährlich wird es erst, wenn noch eine Impulsstörung (Impulskontrollverlust) hinzukommt oder man so sehr gefallen an diese Phantasien hat, dass sie zur Sucht werden oder noch ein Trieb dahinter steckt. Bei mir geht es bei den Phantasien hauptsächlich um die Kontrolle und das Gefühl von Macht und Überlegenheit. Ich habe aber keine Angst vor diesen Phantasien, weil ich sie ja auch gerne habe. So leide ich auch nicht darunter. Ich habe natürlich diese Phantasien unter Kontrolle und weiß, dass man so etwas einen Menschen nicht antut. Ich möchte ja auch weiterhin in Freiheit leben. Wenn man es aber in der Phantasie freien lauf lässt, dann treten diese Zwangsgedanken auch nicht mehr so häufig in diesen Situationen auf, wie du sie beschrieben hast.

Bei Dir scheint auch die Empathiefähigkeit noch gut zu funktionieren, weil dich das sehr belastet und auch Schuldgefühle deswegen hast. Deshalb würde ich bei dir jetzt nicht die Gefahr sehen, dass du so etwas machen wirst. Nur wenn Impulsstörungen vorliegen und du gerade sehr Aggressiv und Aufgebracht bist, würde ich dann lieber den Schraubenzieher fallen lassen oder einfach wo anders hingehen wo keine Lebewesen sind. In solchen Situationen ist dann nämlich auch bei normalen Menschen die Empathiefähigkeit oft ausgeschaltet.

Ich bin auch in psychiatrischer Behandlung und ich verheimliche meine sadistischen Phantasien auch nicht meinem Psychiater. Er sieht darin auch keine Fremdgefährdung und sagt, dass Zwangsgedanken, Sadismus, Aggression und Empathieverlust typisch bei vielen Persönlichkeitsstörungen sind.






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