Wie soll ich von meinem Problem erzählen?

Fayy

Wie soll ich von meinem Problem erzählen?

Beitragvon Fayy » Fr 8. Mai 2015, 20:53

Hallo,

ich leide seit Jahren unter einer Zwangsstörung (Waschzwang) und habe es bisher vor allen, außer der Familie(die konnten nicht anders als es mitbekommen), geheimgehalten.

Jetzt geht es mir seit Langem wieder richtig schlecht, ich weiß nicht mal wann ich wieder zur Arbeit kann.

Ich weiß nicht wie lange ich das noch geheim halten kann. Ich wills eigentlich nicht erzählen , weil ich es nicht wahr haben will. Ich will einfach normal sein.

Ich schäme mich für meine Krankheit. Wenns denn wenigdtens was wäre was man nachvollziehen kann..
wie z.b. ne Depression oder Magersucht (damit mein ich nur das die meisten davon schonmal gehöhrt haben. Oder ein Ordnungszwang bzw waschzwang wegen angst vor Bakterien oder so.
Aber ich ekel mich vor meiner Familie. Ich kann nichts anfassen was sie berührt haben oder berührt haben könnten und natürlich nicht sie selbst :oops:

Wer soll das bitte verstehen können?

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Wem erzählt ihr wie viel von eurem Problem? wie sind die Reaktionen?
Könnt ihr dazu stehen oder schämt ihr euch auch?

Bitte helft mir!
Danke und Gruß :roll:
Fay

Lisa

Re: Wie soll ich von meinem Problem erzählen?

Beitragvon Lisa » Sa 9. Mai 2015, 17:45

Fay,
eine Zwangsstörung ist genauso nachvollziehbar (oder auch nicht) wie ne Magersucht (ist ja auch ne Art Zwang).
Waschzwang kennen viele Menschen und es ist behandelbar. Hier gilt je früher desto besser...je länger Du das hinauszögerst, desto schwieriger wird es.
Es ist ok, wenn Du Dich für Deine Krankheit schämst, verurteile Dich bloß nicht dafür auch noch.
Mein Rat, geh so schnell wie möglich zum Therapeuten, da kannst Du auch alles erzählen, ohne dass Du verurteilt wirst.

Fayy

Re: Wie soll ich von meinem Problem erzählen?

Beitragvon Fayy » Sa 9. Mai 2015, 18:39

Danke für deine Antwort!

Ich hab bereits einen Klinikaufenthalt und diverse Therapien hinter mir(hätte ich vielleicht erwähnen sollen :roll: ).
Alles innerhalb des 10-14 Lj. Bisher hat das alles immer nur für ne bestimmte Zeit geholfen.
Hab bei den Therapien nie direkt drüber gesprochen, keine Ahnung wie die mich - wenigstens kurzzeitig - heilen konnten ohne das ich "mitgemacht hab".
Danach hab ich so mit der Krankheit gelebt, das ging mal mehr mal weniger gut und nur mit Unterstützung von Medikamenten.
Und jetzt auch einmal geht das nicht mehr!! (bin jetzt 20J)

Jetzt hab ich meinem neuen Psychaiter davon erzählt. Das war mir auch sehr unangenehm aber das ist nochmal was anderes...

Mir gehts darum dass ich es nie Freunden, Bekannten etc. erzählt habe weil ich mich dafür schäme.
Und ich fürchte bald kann ich es einfach nicht mehr geheim halten!

Und ich glaube halt, dass z.b. eine Magersucht für manche leichter nachzuvollziehen ist und man nicht als "verrückt" abgestempelt wird.
Viele Leute achten auf ihr Gewicht und die Magersucht ist das Extrem davon. Und die meisten achten auch auf Hygiene und der Waschzwang gegen Bakterien etc. ist das Extrem davon...
aber mein Problem scheint mir so, als würde es keiner verstehen können bzw. ohne zu denken "was läuft den bei der falsch" :oops:

Weißt du was ich meine?

Lisa

Re: Wie soll ich von meinem Problem erzählen?

Beitragvon Lisa » So 10. Mai 2015, 18:02

Naja, wie Du schon selbst schreibst, gibt es keine 'Heilung' ohne dass man selbst mitmacht.
Welche Therapieform(en) war(en)s denn?

Wenn Du das seit mind. 6 Jahren geheimhalten konntest, warum hat sich das denn jetzt so geändert, dass Du meinst, es ginge nicht mehr?

Dass Magersucht was 'Normaleres' ist oder leichter nachzuvollziehen, glaubst Du ...bzw. kommt immer auf den Betrachter an. Das können andere ganz anders sehen (und tun sie auch). Ich empfinde Zwangsstörung jetzt nicht als so extrem wie Anorexie, da diese schlimmere (auch lebensbedrohliche) Auswirkungen und Folgen haben kann.
...oder ich verstehe jetzt nicht was Du meinst !?!?

Fayy

Re: Wie soll ich von meinem Problem erzählen?

Beitragvon Fayy » Di 12. Mai 2015, 01:08

Danke, dass du nochmal geantwortet hast!
Hoffe einfach hier im Forum etwas Zuspruch, Verständnis, Ratschläge etc. zu finden.
Und keine Verurteilung. So kommt es mir im echten Leben nämlich vor :|

[quote="Lisa"]Naja, wie Du schon selbst schreibst, gibt es keine 'Heilung' ohne dass man selbst mitmacht.
Welche Therapieform(en) war(en)s denn?[/quote]

Ich hatte damals Gesprächs- und Verhaltenstherapien. Kann mich aber nicht mehr so richtig dran erinnern.
Sie haben es ja geschafft! Nur eben nicht endgültig... ist bei solchen Störungen aber oft so, dass man sein Leben lang daran zu kämpfen hat. (hab ich mal gehört :? )
Frag mich halt nur wie die es damals geschafft haben ohne das ich irgendwie mitgemacht habe!

Jetzt kann ich erst einigermaßen darüber sprechen. Eine Therapie hab ich noch nicht wieder begonnen... meine ersten Gespräche bei meinem neuen Arzt waren halt alle weit auseinander, da er so viele Patienten hat.

[quote="Lisa"]Wenn Du das seit mind. 6 Jahren geheimhalten konntest, warum hat sich das denn jetzt so geändert, dass Du meinst, es ginge nicht mehr?[/quote]

Ich habe mit dem Zwang und mit Hilfe von Medikamenten gelebt. Es wurde nie so schlimm das es ein Außenstehender bemerkt hätte, oder nur schwer.

In diesen Monaten ist es halt immer schlimmer geworden und jetzt bin ich krank geschrieben und ich weiß nicht wann ich wieder zur Arbeit kann.
Die Leute fragen sicherlich wenn ich mehrere Wochen krank bin. Ich weiß nicht ob ich lügen will/kann/sollte?!
Außerdem bin ich jetzt so stark eingeschränkt dadurch. Wenn ich das Haus verlasse sieht man mir an das etwas nicht stimmt (darauf möchte ich jetzt nicht weiter eingehen, die Blicke der Leute sind schon beschämend genug).
Wenn ich mich jetzt mit Freunden oder Bekannten treffen würde,müsste ich zwangsläufig erklären was los ist, bzw. nein, aber sie sehen das da was nicht stimmt.

[quote="Lisa"]Dass Magersucht was 'Normaleres' ist oder leichter nachzuvollziehen, glaubst Du ...bzw. kommt immer auf den Betrachter an. Das können andere ganz anders sehen (und tun sie auch). Ich empfinde Zwangsstörung jetzt nicht als so extrem wie Anorexie, da diese schlimmere (auch lebensbedrohliche) Auswirkungen und Folgen haben kann.
...oder ich verstehe jetzt nicht was Du meinst !?!?[/quote]

Ich sage nicht das z.B. eine Magersucht weniger schlimm ist!! Ich glaube viele können es auch nicht nachvollziehen warum!
ABER viele können verstehen das jemand abnehmen will oder haben selbst schon mal eine Diät gemacht.
Damit will ich nicht sagen das Magersucht so "leicht gestrickt" ist wie eine Diät.
Man kann es aber vielleicht besser erklären, wenn man es aus Vereinfachungsgründen als Extrem einer Diät darstellt.

Meine Krankheit kann ich nicht erklären und es ist mir sooo peinlich! Ich schwebe zwar nicht in Lebensgefahr, empfinde meine Situation aber als extrem.
Ich muss immer aufpassen, hab immer Angst, es richtet sich alles nach dem Zwang. ich würde am liebsten mal kurz Urlaub machen vom Zwang.
Ich will "normal" leben - nicht mal - einfach wieder mit dem Zwang. Denn grade bin ich zwar am leben aber lebe nicht.

Ich weiß nicht was ich tun soll, ich hab das Gefühl mich versteht keiner und habe einfach nur ne Sch..ß Angst was jetzt kommt!

Sorry fürs Ausheulen!

Lisa

Re: Wie soll ich von meinem Problem erzählen?

Beitragvon Lisa » Mi 13. Mai 2015, 17:56

Hey, dafür ist das Forum ja da. :)
Also hab ich das jetzt richtig verstanden:
Du möchtest Dich mit Deinen Freunden treffen, weißt aber, dass Du es ihnen dann erklären musst.
Ich nehme mal an, dass Du Dich schon dafür entschieden hast, Dich mit ihnen zu treffen (denn sonst müsstest Du sie ja aufgeben)?!
Also weisst Du 'bloß' nicht, wie Du ihnen den Waschzwang erklären sollst ?

Und willst Du es nicht mal bei einem Psychotherapeuten probieren? Medikamente können Dir langfristig sowieso nicht helfen, es sei denn, Du willst sie Dein ganzes Leben einnehmen.

Fayy

Re: Wie soll ich von meinem Problem erzählen?

Beitragvon Fayy » Mi 13. Mai 2015, 22:49

Ich habe lange Zeit Medikamente genommen und damit recht gut gelebt. Der Zwang war immer da, aber gebannt.
Ich habe vor eine Therapie zu machen um nicht mehr so stark eingeschränkt zu sein.
Mein Arzt meint allerdings, dass ein Klinikaufenthalt bei meinem Fall eher zu empfehlen wäre.

Es gibt fast immer einen Weg sowas geheim zu halten. Ich überlege grad ob ich es vielleicht erzählen soll.
Aber es ist mir so peinlich und ich hab Angst dann unbeabsichtigt von ihnen darauf reduziert zu werden.

Ähnliches gilt für die Arbeit. Was soll ich da sagen?
Ich weiß ich muss nicht sagen was ich habe aber...?!

Lisa

Re: Wie soll ich von meinem Problem erzählen?

Beitragvon Lisa » Sa 16. Mai 2015, 16:19

Hm, was aber?

Grundsätzlich ist es doch so:
'Freunde', die Dich deswegen nicht mehr leiden mögen...sind das überhaupt richtige Freunde?
Und Arbeitskollegen oder Bekannte geht das im Grunde nichts an.






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