Depression weg - Kann ich dem Frieden trauen?

Thomas

Depression weg - Kann ich dem Frieden trauen?

Beitragvon Thomas » Di 6. Feb 2018, 21:14

Hallo zusammen,

mir geht es nun schon seit ca. 8 Wochen so richtig gut, hab keine Ängste, trau mich viel mehr, die Depression ist weg, meine geistige Leistung ist gestiegen....das alles ist toll.

Allerdings hab ich da so eine warnende Stimme in mir, die mich auf vorletztes Jahr hinweist, als es mir auch so gut ging, ich dann eine neue Arbeit anfing und voll wieder in alte Verhaltensmuster incl. Depression reinrutschte.

Der Unterschied ist allerdings, dass zb meine Aufmerksamkeit besser ist als damals, ich habe seit Jahren erstmals wieder ein Buch regelrecht verschlungen, das ging damals nicht.

Nun weiß ich nicht, inwiefern ich dem Braten trauen darf....hab ichs erstmal geschafft und die Krankheit verdrängt, oder ist es mal wieder nur ein Zwischenhoch?

Tom

Re: Depression weg - Kann ich dem Frieden trauen?

Beitragvon Tom » Do 8. Feb 2018, 17:34

Hey Thomas..nimm es einfach als "normal" an...ist doch super das diese gute
Phase schon 8 Wochen anhält.

Andromeda

Re: Depression weg - Kann ich dem Frieden trauen?

Beitragvon Andromeda » Sa 10. Feb 2018, 16:15

Lieber Thomas,

dieses "Misstrauen" kenne ich. Nur zu gut sogar.

Meine erste Bekanntschaft mit der Depression machte ich (50) im ersten Quartal des Jahres 2000. Da ich zu diesem Zeitpunkt (mit Unterbrechungen) u.a. Drogen nahm, ist schwer zu sagen, ob diese erste - auch subjektiv als eine solche erkannte - Depression nur drogeninduziert, oder (auch) durch die Vorgeschichte hervorgerufen worden war. Ich denke, dass die Drogen diesen Prozess "nur" beschleunigten. Mit anderen Worten: Die Depression wäre aufgrund der Vorgeschichte (in meinem Fall = veränderte Lebensumstände, deren Tragweite nicht absehbar war) möglicherweise also so oder so eingetreten. Andererseits forcierten die Drogen das Ganze womöglich obendrein.

Um es "kurz" zu machen: Mich suchen seit 2000 u.U. Depressionen immer mal wieder heim, mal weniger, mal mehr stark. Besonders prädestiniert dafür ist bei mir die Weihnachtszeit. Wenn ich einen "Pharmarückfall" hinlegen sollte, zöge das eine Depression quasi per se nach sich, ist in dem Falle aber auch zeitlich begrenzt, ... meist auf ein bis höchstes zwei Wochen. Als sogenannter "Zustand nach Substanzgebrauch". (Falls dich meine ganze Geschichte dazu interessiert, findest du sie im "Sucht-Forum" unter dem Titel "Pharmageddon (...)").

Aus eigener Erfahrung sowie durch therapeutische Dialoge (mit und ohne medikamentöse Begleitung) kann ich generell sagen, dass sich Depressionen u.U. immer mal wieder ereignen können, wenn man bereits ein Mal eine Depression hatte. Im Klartext: Kein ehemaliger Depressiver ist davor gefeit. Im Grunde aber ist niemand vor Depressionen gefeit. Das soll nun nicht heißen, dass man ständig mit einer Rückkehr der Depression rechnen muss/soll, sondern bedeutet einfach nur, dass es möglich sein kann, aber keinesfalls muss.

Ich will dir bzw. niemandem hier Angst vor erneuter Depression machen, sondern im Gegenteil, nur zum Ausdruck bringen, dass man vor einem eventuellen Rezidiv, also Wiederauftreten keine Angst haben muss. Wenn eine Depression "kommen will", dann kommt sie. Meistens jedoch kündigt sie sich vorher an, ... bspw. durch sich verstärkende "Morgentiefs", Grübeln und sogenannte anonyme Ängste, also Ängste, die man nicht sofort zuordnen kann. Wenn man solche Symptome bei sich feststellen sollte, hätte man also eine gewisse Vorlaufzeit, um das Ganze zu bremsen und nicht in der Handlungsunfähigkeit zu landen.

Ansonsten kann ich mich meinem "Vorkommentator" nur anschließen: Nimm es als normal an und setze diese 8 Wochen fort.
Es freut mich für dich, dass es dir gut geht ... und ein gewisses Misstrauen ist gar nicht mal sooo falsch, zumal Misstrauen auch ein Zeichen von Intelligenz ist, wie ich mal gelesen habe... ;)

Liebe Grüße

sumsum

Re: Depression weg - Kann ich dem Frieden trauen?

Beitragvon sumsum » Sa 10. Feb 2018, 18:02

Erstmal toll und ich würde es so hinnehmen und mir keinen Kopp machen. Als ich mit Cipralex beschwerdefrei wurde, hatte ich auch diese Gedanken und mir geht es schon über 10 Jahre blendend.

Andromeda

Re: Depression weg - Kann ich dem Frieden trauen?

Beitragvon Andromeda » Sa 10. Feb 2018, 18:23

Bei mir kam zweimal das Antidepressivum Paroxetin zum Einsatz. Beim ersten Mal in Kombination mit einem Benodiazepin, beim zweiten Mal (2014 bis 2015) ohne irgendeine Kombination.

Wenn ich zwischen diesen beiden medikamentösen Behandlungen bzw. Begleitbehandlungen unterscheide, dann ist es vor Allem der Unterschied, dass es beim ersten Mal durchaus als erfolgreiche Behandlung anzusehen sein kann, ... beim zweiten Mal jedoch - salopp ausgedrückt - total in die Hose ging. Aber nicht wegen einer fehlenden Kombination (mit einem Benzo), ... nicht zuletzt wegen meiner Benzoabhängigkeit.

Da bei mir seit etwa einem Dreivierteljahr u.a. die Diagnose AD(H)S feststeht, hat sich daraus ergeben, dass "gewöhnliche" AD's (Antidepressiva), bzw. SSRI's bei mir - wieder salopp ausgedrückt - nach hinten losgehen bzw. immer wieder nach hinter losgehen würden.

Mein persönlicher Eindruck war/ist/bleibt, dass ADs - bei mir - keinen Sinn haben. Ich muss also ggf. andere Lösungsstrategien anwenden, die ich u.a. mit meinem Psychotherapeuten erarbeite.

LG

Gold

Re: Depression weg - Kann ich dem Frieden trauen?

Beitragvon Gold » Di 13. Feb 2018, 10:23

@Thomas

An Deiner Stelle würde ich mit dem weitermachen, was mir gerade wichtig wäre. In welche Richtung soll mein Leben gehen? Welches Ziel verfolge ich und welcher Wert steht dahinter. Und diesen Weg würde ich wild entschlossen weitergehen. Auch wenn ich mal durchschnaufen müsste um nachzusehen, ob der Kompass noch stimmt, mein Leuchtturm noch zu sehen ist.
Vielleicht etwas bildhaft. Aber so auch irgendwie leichter zu verstehen. Garantien gibt es eh nicht und aus Erfahrungen in der Vergangenheit die Zukunft orakeln zu wollen ist manchmal hilfreich. Hier jedoch überhaupt nicht, da Dein Einfluss auf Dein Gefühlsleben und auf das, was Dir so in den Sinn kommt gegen null tendiert.

stzaub

Re: Depression weg - Kann ich dem Frieden trauen?

Beitragvon stzaub » Do 15. Feb 2018, 08:50

hallo thomas,

so ähnlich, wie dir gehts mir auch. ich weiss, ich befinde mich auf dem richtigen "pfad" und doch kommen mir diese gedanken in den sinn. und ich hab auch schiss, geb ich zu, wieder dorthin zurutschen. was mir dann hilft, was ich bisher "geschafft" habe und was ich eben noch vor habe. kleine rückschläge nicht gleich als kompletten rückschlag zu sehen.... sondern immer wieder dort anknüpfen, wo man eben grad steht. weiterlaufen und immer die ziele, die vorgenommenen im auge behalten

gruss ;)

Thomas

Re: Depression weg - Kann ich dem Frieden trauen?

Beitragvon Thomas » So 18. Feb 2018, 17:02

Ok, Focus auf das Jetzt und das Kommende legen, weniger orakeln :) Ich werds versuchen umzusetzen.

Danke euch :)

Flo

Re: Depression weg - Kann ich dem Frieden trauen?

Beitragvon Flo » So 25. Feb 2018, 12:05

Hallo Thomas.

Diese Gedanken kommen einem oft am Anfang, wenn das "depressionsfreie" Leben wieder anfängt. Meiner Erfahrung nach sollte man sich nicht zu sehr da reinsteigern, aber hey, wem sag ich das, haben wir nicht alle dieses Problem mit dem "reinsteigern". :roll:

Lass dir auf jeden Fall nicht von deinen Gedanken ins Werk pfuschen. Dir geht's gut. Prima.






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