Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Luise

Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon Luise » Fr 6. Okt 2017, 17:51

Hallo Ihr Lieben,

vielleicht habt Ihr es auch mal mitbekommen (Fernsehen oder so, Ich habe eine interessante Sendung über das Gehirn gesehen. Unter anderem ein Beitrag darüber, wie einige Probanden ihre Amygdala per Biofeedback beeinflusst haben und so ihren Stresspegel runtergefahren haben. Man lernt also, bewusst, die Panik auszuschalten.
(In diesem Fall ging es um Lampenfieber , leider hab ich irgendwie die Ergebnisse dieses Experimentes verpasst) fand es aber extrem spannend.

Hat das jemand von Euch schon mal ausprobiert?

Ich hab mal was aus einer Diplomarbeit zum Thema herauskopiert.

2.3.4 Biofeedback bei Somatisierungspatienten und bei Angststörungen
Unter somatoformen Störungen versteht man körperliche Beschwerden, die durch
organische oder pathophysiologische Faktoren nicht ausreichend erklärt werden
können. Die Beschwerden sind aber weder eingebildet noch vorgetäuscht. Diagnosekriterien
für eine Somatisierungsstörung sind das Vorliegen von mindestens vier
unterschiedlichen Schmerzsymptomen gastrointestinaler, sexueller und pseudoneurologischer
Art. Liegen einige aber nicht alle dieser Beschwerden vor, spricht man
von einem Somatisierungssyndrom. Schätzungsweise leiden 4% - 11% aller Personen
in westlichen Industrieländern unter einem behandlungsbedürftigen somatoformen
Beschwerdebild [NAN00]. Oft entwickeln die Betroffenen die Angst, es könnte
eine ernsthafte Erkrankung die Ursache der Beschwerden sein (Hypochondrie).
Durch die gesteigerte Aufmerksamkeit werden die wahrnehmbaren Symptome katastrophierend
fehlinterpretiert, und die intensiven Ängste bringen neue Symptome
hervor. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansatz kombiniert mit Biofeedback ist
eine mögliche Behandlungsstrategie. Das Biofeedback dient hierbei zur Modifikation
des organmedizinischen Krankheitskonzeptes, zu einer Steigerung der Selbstwirksamkeitserwartung
und zur Motivationsförderung für die psychotherapeutische Behandlung.
Ziel ist, dass der Patient oder die Patientin wiederholt die Erfahrung
macht, dass psychische Prozesse biologische Funktionen verändern. Dadurch kann
eine Uminterpretation von einem organmedizinischen in ein psychophysiologisches
Krankheitsbild unterstützt werden [NAN00]. Als Methode eignet sich die Mehrkanalableitung
mit EDA, EMG, Temperatur- und Atmungsfeedback. In den Sitzungen werden
wiederholt Belastungs- und Stressprovokationstests (Fokussierung auf körperliche
Missempfindungen, Leistungsstressoren, Vortragen eines Liedes, Hyperventilation
usw.) mit Entspannungsphasen kombiniert und die Messergebnisse gemeinsam
mit den Betroffenen analysiert.
Ähnlich ist das Vorgehen bei der Behandlung von Angststörungen. Diese sind bei
Frauen die häufigste, bei Männern nach Suchterkrankungen die zweithäufigste psychische
Erkrankung. Auch hier ist das Biofeedback vor allem als unterstützende Methode
zur psychotherapeutischen Behandlung wirksam. Die größten Gruppen der
Angststörungen sind die Panikstörung (plötzliche Angstattacken, gepaart mit heftigen
körperlichen Reaktionen), die Agoraphobie (Platzangst), die soziale und die spezifische
Phobie (Angst vor peinlichem Verhalten in Gesellschaft bzw. vor bestimmten
Objekten oder Situationen), die posttraumatische Belastungsstörung (Erinnerung an
eine traumatisierende Situation) sowie die generalisierte Angststörung (eine Vielzahl
von Auslösern) [KRO00]. Biofeedback dient auch hier mithilfe einer Mehrkanalableitung
während der Konfrontation mit angstauslösenden Reizen (Exposition in vivo)
und der anschließenden Entspannungsphase der Identifikation der Reaktion in den
verschiedenen Körpersystemen bzw. der Kontrolle und Unterstützung der Entspannungsfähigkeit.
Ist die Exposition nicht möglich (durch individuelle Gründe oder die
Art des Reizes) kann die systemische Desensibilisierung angewendet werden, bei
der zuerst eine tiefe Muskelentspannung trainiert wird und dann Reize aus einer zuvor
ermittelten Angsthierarchie visualisiert werden (Exposition in sensu). Bei Anzeichen
von Erregung wird die Visualisierung abgebrochen und die Person versucht
wieder zu entspannen. Geeignete Parameter für das Feedback sind EMG, EDA,
Blutdruck, Puls und Temperatur sowie die Atmung. Ziele sind die Umbewertung der
Angstanfälle, die Vermittlung eines Erklärungsmodells und die Reduktion der allgemeinen
Anspannung, wodurch auch die Angstanfälle seltener werden [KRO00].


aus :http://www.shifz.org/chris/diplomarbeit.pdf

Ich überlege, das mal auszuprobieren bzw. so ein Gerät zu erwerben.

gusto

Re: Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon gusto » Mo 9. Okt 2017, 21:50

Als ich mal n EEG gemacht hab, fand ich es auch schon sehr faszinierend, wie genau dort die Gehirnströme sichtbar wurden und beinflussbar waren.

Bei einem anderen Experiment an dem ich mal teilgenommen hab (eine Angststudie in Dresden) ging es um das Riechzentrum und ich fand es bemerkenswert, wie man auf dem Computer sofort sehen konnte, welche Gehirnregion grad nen synaptisches Gewitter vollführte, nur weil ich mal an was geschnuppert hab.

Ich kann es mir sehr gut vorstellen, dass man sich dahingehend zum Positiven beinflussen kann.

Hase

Re: Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon Hase » Mo 16. Okt 2017, 09:55

Ich finde den Ansatz auch interessant. Habe bisher aber leider immer nur gehört/gelesen, dass es diese Methode g i b t und dass sie auch für Ängstler gut sein soll. Aber weder, w e r sie anwendet noch w o sie angewendet wird...


Ich habe Zweifel, ob man das privat erwerben kann bzw., ob man dann in der Lage ist, ohne Profi-Hilfe Nutzen draus zu ziehen. :denk:
Bin gespannt, ob Du weiteres herausfinden kannst. :)

rosa

Re: Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon rosa » Fr 20. Okt 2017, 21:46

Auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback kann man viel darüber lesen und auch Therapeuten suchen, die dort Mitglied sind.

Eine liebe Freundin von mir arbeitet mit Suchtabhängigen u.a. mit der Biofeedback-Methode. Bei Süchtigen ist es ja ähnlich wie bei uns, die Synapsen im Gehirn sind so geschaltet, dass sie, wenn sie clean sind, neben dem Suchtdruck hauptsächlich auf Trigger reagieren. Dies läuft natürlich unbewusst ab, wie gesagt, ähnlich wie bei uns.

Durch die Biofeedback-Methode werden die Trigger aufgespürt und mittels Gesprächen und dieser Methode wird versucht, die Synapsen anders zu polen, d.h. es handelt sich im Grunde schon um eine kognitive Verhaltenstherapie, die immer wieder mittels des Feedbacks überprüft werden kann.

Der Kauf eines Gerätes ist teuer, neu mind. 7000,- €. Es nutzt überhaupt nichts, sich ein solches Gerät anzuschaffen (wer kann das schon?), denn ohne Ausbildung weiß man überhaupt nicht, wie man damit arbeiten kann.

Luise

Re: Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon Luise » Mi 25. Okt 2017, 13:08

Man kann die Geräte ganz einfach kaufen, ich muss mich aber mal schlau machen, welches denn geeignet wäre. Sind halt nicht ganz billig, aber wenn es mir dann besser gehen würde, würd ich s ausgeben. Es sind ja fertige Anwendungsprogramme, würde sicher etwas dauern , sich da einzulesen, aber es sollte möglich sein, das auch zu Hause hinzukriegen, würde auch vorher mal zu so einem Biofeedback Experten gehen und mir das erklären lassen, muss nur erst mal einen finden.

Ich dachte, ich frag bei meinem nächsten Besuch auch mal meine Psychiaterin, ist aber noch so lange hin. :( Geht jemand von Euch demnächst mal hin und würde mal fragen, was denn ein Psychiater davon hält?

7000 Euro

da muss es Zwischenstufen geben, iss doch an sich technisch nicht sooo kompliziert

ich hab mal gesucht

da bewegen sich die Geräte zwischen 265 - 595 Euro

Hab auch gelesen, dass die Kasse teilweise schon bezahlt hat. (Weiß aber nicht ob das auch bei Angstpatienten der Fall war, ich glaub, ich frag einfach mal... wenn ich mich überwinden kann, zum Arzt zu gehen

gnu

Re: Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon gnu » Di 31. Okt 2017, 12:14

Hab auch was gefunden aber da steht bei den Profigeräten (und auf ein solches bin ich scharf) Preise auf Anfrage :( aber ich schätze so 4000-5000 Euro

Na viel Spaß beim "Informationen anfordern" ...

Der Preis wird individuell festgelegt, nach dem, was Du dort einträgst.

Und glaub' nur nicht, die ließen sich austricksen!
Es sind keineswegs nur Ärzte und Psychologen, auf deren Geld sie es abgesehen haben.

... denn selber gelingt es denen halt auch nicht, sich so gut zu verstellen, daß, wer sehen kann, nicht erkennen könnte, worauf das abzielt ...

Nein, Schmarrn natürlich.
Sie wollen der Welt Gutes tun. Nur deshalb machen sie es überhaupt.
Wenn sie daran reich werden, wäre das eher ... so nicht gewollt.

joo

Re: Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon joo » Fr 3. Nov 2017, 10:38

also ich hab in der klinik mit biofeedback gearbeitet, und ich muss sagen, dass es mir (Somatisierungsstörung) sehr gut getan hat. leider bezahlt es die kk hier in österreich nicht, weshalb ich derzeit nicht weitermachen kann... muss sparen :( .

was ich aber mit gewissheit sagen kann ist, dass es dir rein gar nichts bringt, dir so ein gerät anzuschaffen, da du nur unter anleitung die neue atemtechnik erlernen kannst, was so cirka 20 stunden braucht und viel viel viel eigentraining, also auch motivation...

am anfang wird einem dabei manchmal schlecht etc...

Luise

Re: Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon Luise » Mo 6. Nov 2017, 13:41

lieben Dank, hm meinst Du man braucht diese Anleitung wegen des Gerätes oder um zu lernen, wie man atmet?

Ich würde natürllich sollte ich so ein Gerät erwerben auch einen Lehrgang dazu mitmachen.

joo

Re: Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon joo » Mi 8. Nov 2017, 18:40

Luise,

laut meiner biofeedback trainerin, die auch psychologin war, dauert die ausbildung allerdings 3 jahre und ist nicht gerade billig... ich würde dir ans herz legen, das biofeedback therapeutisch zu machen, also 1x pro woche oder so... ähnlich einem yoga kurs, ok?

die atemtechnik, die du dabei erlernst, heißt bauchatmung und ist dem yoga irgendwie sehr ähnlich...

Luise

Re: Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon Luise » Sa 11. Nov 2017, 22:32

Hab Dank, ich würd ja gern so einen Therapeuten aufsuchen, aber ich hab in Hannover nur einen südlich davon gefunden und für mich ist Hannover wegetechnisch momentan schon ne Herausforderung, außerdem haben die dort saftige Preise 90 € für eine Sitzung

Bauchatmung kann ich perfekt.

lela

Re: Biofeedback bei Somatisierungsstörung u. Angststörungen

Beitragvon lela » Mi 15. Nov 2017, 11:40

hi!
ich hab mir jetzt nicht alles durchgelesen, deshalb sorry, falls ich was wiederhole :)

ich hab depressionen im zuge eines burn outs. von meiner neurologin wurde mir biofeedback ans herz gelegt.
ich brauchte in summe 5 sitzungen (zu je 60€) und ich hatte es drauf.

nachdem mein ausgangsniveau gemessen wurde (kaum kurven zu sehen), wurde mit mir richtig atmen geübt ;)
daheim hab ich dann mind. 1x am tag für 20 min geübt und mit jedem besuch dort wurden die kurven schöner und vor allem ging es immer schneller, dass ich in eine entspannung kam. am schluß war es bereits nach 2 min.

man merkt es auch an den händen. meine waren immer feucht (anspannung, angst, stress) und kaum hab ich mit dem atmen begonnen, wurden die hände trocken. unglaublich!

kanns also nur empfehlen. aber es ist nicht billig und man muß regelmässig brav üben sonst ist es wieder weg.






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