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Trennungsschmerz - Selbstverletzungen

Lehrer

Trennungsschmerz - Selbstverletzungen

Beitragvon Lehrer » So 10. M├Ąr 2019, 22:00

Liebe Lesende und Ratspendende,

vor etwas mehr als 3 Jahren ging mein gr├Â├čter Wunsch in Erf├╝llung: meine Frau brachte meine Tochter auf die Welt. Genau ab diesem Zeitpunkt ging alles nur noch abw├Ąrts. Meine Frau und ich waren uns sehr schnell nicht mehr einig, was f├╝r unsere Tochter gut ist und wie sie erzogen werden soll. Wir hatten ├╝ber fast alles im Vorfeld gesprochen, doch meine Frau ├Ąnderte sich in nahezu jedem Punkt.

Wir sind beide Lehrer und k├Ânnen eigentlich ja mit Kindern umgehen, aber meine Frau traute mir das nicht zu. Sie hatte st├Ąndig Angst, dass unsere Tochter sie braucht und sie nicht sofort f├╝r sie da sein k├Ânnte. Schritt f├╝r Schritt, schleichend kam es soweit, dass ich irgendwann nicht mehr mit der Kleinen machen konnte. Ich konnte nicht mal mit ihr auf dem Arm den M├╝ll raus bringen. Unn├Âtig zu erw├Ąhnen, dass meine Frau und ich uns nicht mehr n├Ąher kommen konnten. Wir konnten unsere Liebe durch k├Ârperliche N├Ąhe nicht mehr zeigen.

Durch einen Wechsel meines Berufsortes, ich hatte die Hoffnung das ein Ortswechsel alles besser macht, zogen wir in eine Gegend, weit weg von Familie und Freunde. Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass Meine Frau mit niemanden hier klar kam und sie nicht hier bleiben wollte. Wie erw├Ąhnt bin ich Lehrer und kann leider nicht einfach wieder die Schule wechseln. Das ist einer der wenigen Nachteile als Beamter.

Meine Frau hatte die Idee nun ein wenig zu reisen. Mal weg von den negativen Menschen zu kommen. Da ich merkte wie sehr sie unter der Situation in der neuen "Heimat" leidet, stimmte ich dem sogenannten Houssitting zu. Zuerst war sie nur eine Woche weg. Sp├Ąter dann zwei und daraus wurde schnell ein Monat. Sie war in der Schweiz, Frankreich, Irland und Portugal.

Dann vor einem Jahr kam per Whatsapp die Nachricht, dass sie nicht mehr zur├╝ck kommen m├Âchte. Ver├Ąrgert und voller Wut ging ich vor Gericht und versuchte das zu verhindern. Leider ohne Erfolg. Naja, fast ohne Erfolg, denn den Sommer musste sie so in Deutschland verbringen und ich konnte immerhin so mehrmals meine Tochter sehen. Durch ├Ąu├čere Umst├Ąnde kam es im Herbst dann dazu, dass sie vor├╝bergehend nicht nach Portugal zur├╝ck konnte und sie f├╝r 3 Monate wieder bei mir lebte.

Wir fanden wieder zusammen, kamen uns auch k├Ârperlich wieder n├Ąher, doch durch die vielen Streitereien blieb einfach auch ein Misstrauen bestehen. Dann Mitte Dezember konnte sie wieder nach Portugal zur├╝ck. Da ich immer noch in der selben Gegend wohne konnte sie einfach nicht bleiben und so lies ich sie ziehen. Die folgenden Wochen waren furchtbar f├╝r mich. Ich lit wie noch nie zuvor in meinem Leben.

In den Winterferien hatte ich die M├Âglichkeit f├╝r eine Woche nach Portugal zu gehen. Es war sch├Ân. Leider kamen meine Frau und ich uns erst wieder 2 Tage vor meiner Abreise n├Ąher. Sie erkl├Ąrte mir, dass sie f├╝r immer in Portugal bleiben m├Âchte.

Ich kann auf Grund meines Berufes nicht nach Portugal. Ich kann auch nicht alle Ferien nach Portugal fliegen. Durch viele Schulden, auch dank der Gerichtstermine, ist einfach kein Geld daf├╝r da.

Es ist fast unertr├Ąglich zu wissen, dass ich meine Tochter und Frau so lange nicht mehr sehen kann. Meine Tochter verabschiedete mich mit Tr├Ąnen in den Augen.Auch meine Frau weinte sehr. Es bleibt die Angst, dass meine Frau jemand neues kennen lernt. Meine Tochter einen Ersatz f├╝r mich findet. Wir schaffen es nicht dar├╝ber zu reden. Ich bin soweit, dass ich diesen Schmerz in der Seele auch k├Ârperlich f├╝hlen m├Âchte. Ich verletze mich selbst. Tag f├╝r Tag ist der Gedanke da, endlich gar keine Schmerzen mehr f├╝hlen zu m├╝ssen. Ich habe gro├če Angst vor der Zukunft. Ich will nicht mehr alleine sein. Aus Liebe habe ich so viele Fehler gemacht, die mich schlie├člich in diese Situation gef├╝hrt haben. So sehr ich es versuche, ich kann nicht aufh├Âren diese Frau zu lieben. Meine Tochter ist noch jung. Da sie in Portugal leben, frage ich mich, ob sie es ├╝berhaupt mitbekommen w├╝rden, wenn ich nicht mehr da bin.

So, dies war die Kurzfassung. Ich bin f├╝r jeden Rat und f├╝r jeden guten Gedanken dankbar. Ich will doch nur keine Alptr├Ąume mehr und endlich wieder l├Ącheln k├Ânnen.

Ich danke Euch vielmals!

RedRose

Re: Trennungsschmerz - Selbstverletzungen

Beitragvon RedRose » Mo 11. M├Ąr 2019, 09:49

Hallo Lehrer,
das ist eine schlimme u. verfahrene Situation f├╝r Dich ! Darf ich Dich fragen, warum dass deine Frau nicht alleine ins Ausland gegangen ist, sondern Euer Kind mitgenommen hat ? Ich meine, dass ein Kind, die Erziehung mit allem Drum u. Dran nicht nur Freude, sondern pure Arbeit ist (bitte nicht falsch verstehen: Arbeit im positiven Sinne !). Du leitest u. begleitest ein Kind, hilfst dem Kind zu verstehen, zu lernen, sich zu entwickeln, dass es sp├Ąter alleine klarkommen kann. Wenn ich l├Ąnger verreisen m├Âchte u. auch zu verschiedenen Orten (L├Ąnder), dann w├Ąre ein fester Lebensmittelpunkt f├╝r ein Kind schon sinnvoll. Euer Kind m├╝sste ca. 3 J. alt sein. Irgendwann muss es auch wo eingeschult werden. Du schreibst, dass Ihr euch wieder angen├Ąhert habt, Du u. Deine Frau. Ich finde es super, dass Ihr nicht aufgeben wollt, Euch als Partner nicht aufgeben wollt. Ihr k├Ąmpft um Euch. K├Ânntet Ihr euch vorstellen, je wieder gemeinsam wo zu leben, also irgendwo in Deutschland ? Habt Ihr schon mal eine Ehe-u. Familienberatung gemacht ? Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zu direkt werde. Ich m├Âchte Dich keinesfalls vor den Kopf sto├čen. Du brauchst auch nicht zu antworten, nur bitte ich Dich, nachzudenken. Ihr k├Ânntet Euch als Alternative z.B. eine Ferienwohnung in Portugal zulegen. Meinst Du, das k├Ąme f├╝r Deine Frau in Frage ? Habt Ihr diese M├Âglichkeit mal durchgesprochen ? Vielleicht ginge es finanziell doch, mit Ansparma├čnahmen. Wenn deine Schulden arg gro├č sind, w├Ąre eventl. eine Schuldnerberatung sinnvoll (einfach mal im Internet nachsehen, gibt's bei Diakonie/Caritas). Und bitte verletzte Dich nicht selbst. Ich wei├č aus eigener Erfahrung wie das ist, u. dass es definitiv keine langfristige Strategie sein soll. Wenn Du w├╝tend bist, traurig, dann laufe, jogge, spiele Tennis - irgendwas mit viel Schmackes. F├╝hle Deinen K├Ârper anders, wandle Deine Gef├╝hle in eine andere positive K├Ârperaktivit├Ąt um. Richte nicht gegen Dich selbst. Ich hoffe, dass ich Dir nicht zu nahe getreten bin, doch ich habe so viel Verzweiflung gelesen, dass ich Dir unbedingt schreiben musste. Ich hoffe, Du hast auch R├╝ckhalt in deiner Familie u. Freunde, die f├╝r Dich sind. Menschen, die Dich auffangen k├Ânnen, Dein innerer Zirkel. LG RedRose

Maik

Re: Trennungsschmerz - Selbstverletzungen

Beitragvon Maik » Mo 11. M├Ąr 2019, 13:52

Also, es tut mir leid wie es dir geht und es ist schlecht, dass es gegenw├Ąrtig so ist, keine Frage.

An deiner Stelle w├╝rde ich mir ├╝berlegen, wie es jedoch kommt, dass diese Belastungssituation so bei dir reinschl├Ągt wie sie es gegenw├Ąrtig tut, insbesondere auch mit Selbstverletzung. Ich meine das nicht b├Âse, aber solche Situationen (Probleme Partnerschaft, ggf. Trennung) kommen im Leben vor, allerdings verletzt sich deshalb nicht jeder selbst. Wahrscheinlich hat es etwas getriggert, was in dieser Form schon vorher vorhanden war, also die Anlage f├╝r ein solches Verhalten war wahrscheinlich bereits aufgrund anderer Pr├Ągungen/Erfahrungswerte vorhanden. K├Ąmpfe um eure Ehe (wenn es noch etwas zu k├Ąmpfen gibt und es sich richtig anf├╝hlt, darum zu k├Ąmpfen), suche dir f├╝r dich allerdings noch zus├Ątzliche therapeutische Hilfe und achte auch sonst verst├Ąrkt darauf, was dir eigentlich guttut und mache dann solche Sachen (Freunde, Hobbies usw.).

Es ist gegenw├Ąrtig zweifellos sehr hart, aber in jedem Tal gehts irgendwann auch wieder bergauf. Also, nicht aufgeben und nicht verzweifeln, egal wie tief, irgendwo ist auch der Tiefpunkt und ab dort geht es wieder bergauf.

Lehrer

Re: Trennungsschmerz - Selbstverletzungen

Beitragvon Lehrer » Mo 11. M├Ąr 2019, 16:46

Hallo,

zun├Ąchst Danke f├╝r Euren guten Zuspr├╝che. Es ist in der Tat so, dass ich selbst meinen leiblichen Vater nie kennen gelernt habe. Auch aus dieser Erfahrung heraus wollte ich immer f├╝r meine Tochter da sein. Umso schlimmer ist es f├╝r mich, dass meine Frau mich nicht l├Ąsst.
Wir hatten uns damals bewusst f├╝r einen Neuanfang entschieden. Weg von allem Bekannten, weg von den Freunden und der Familie. Wir wollten zu dritt einen Neuanfang wagen. Nun sitze ich hier alleine. W├Ąhrend sie sich ein sch├Ânes neues Leben aufbaut, indem ich nur der Finanzier bin und keine weitere Rolle spiele. Ich bin Schulleiter der neuen Schule, kann mir also keine Freunde unter dem Kollegium suchen. Ich tue mich ├╝berraschen schwer damit, neue Bekanntschaften zu kn├╝pfen. War eigentlich nie ein Problem f├╝r mich. Ich bin einfach komplett aus der Bahn geworfen. Ich kann nicht schlafen, nicht essen und bin ├Ąu├čerst bem├╝ht bei der Arbeit professionell zu wirken. Meine Kraft geht aus. Mein k├Ârperlicher Zustand nimmt t├Ąglich ab. Irgendwie hoffe ich auch so ein Ende zu finden.

Maik

Re: Trennungsschmerz - Selbstverletzungen

Beitragvon Maik » Di 12. M├Ąr 2019, 07:07

Ich an deiner Stelle w├╝rde mir psychotherapeutische Unterst├╝tzung suchen. F├╝r mich liest es sich nicht so, als ob du alleine wieder aus deinem Kummer herausfindest. Ich schreibs auch mal ganz deutlich, du bist Beamter, wenn es gar nicht anders mehr gehen w├╝rde, kannst du ein paar Monate in eine Klinik ohne danach wirtschaftlich ruiniert zu sein (Jobverlust etc.). Wenn es gar nicht anders geht, solltest du das als letztes Mittel in Betracht ziehen, bevor du dein Leben wegwirfst. Vielleicht wird es nie notwendig sein, vielleicht aber doch. Wenn es notwendig ist, mache es. M├Âglicherweise k├Ânnte auch eine tempor├Ąre medikament├Âse Unterst├╝tzung angezeigt sein. Das kann aber nur ein Psychiater beurteilen.

Ich glaube dir, dass dich das alles komplett umgeworfen hat. Jede gro├če Verwerfung beinhaltet normalerweise auch gro├če Chancen. Ordne dein Leben. Schaue hin, weshalb du dich f├╝hlst wie du dich f├╝hlst und weshalb das solche Auswirkungen bei dir hat. Du hast jetzt die Chance das aufzuarbeiten und daran zu wachsen. Es kann sein, dass dieses Erlebnis ein Trauma in dir angetriggert hat. Gegen ein Trauma kann man aber etwas ausrichten, es ist m├Âglich Erlebnisse die man seinerzeit nicht tragen konnte, heute zu tragen und zu bew├Ąltigen.

Du schreibst: wir hatten uns bewusst f├╝r einen Neuanfang entschieden, wir wollten einen Neuanfang wagen. Sei ehrlich zu dir: wolltet ihr das wirklich? Oder wollte nur oder vor allem deine Frau das und du hast das mitgetragen, ihr zuliebe? Es ist wichtig, ehrlich zu sich zu sein, auch wenns vielleicht zun├Ąchst wehtut. M├Âglicherweise hat es einfach zwischen euch nicht gepasst. Das ist sch*****, aber solche Dinge passieren und geh├Âren mit zum Leben. Falls es so w├Ąre, w├Ąre es gleichzeitig aber auch eine Chance, jemanden zu finden mit dem es eben besser passt. Aber eines nach dem anderen. Suche dir Unterst├╝tzung. Wenn es nicht anders geht, gehe in eine Klinik. Du hast diese Verantwortung gegen├╝ber dir selbst und gegen├╝ber deinem Kind und solltest es dir selbst wert sein. Packe es an.

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