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Hört das irgendwann auf?

Lio

Hört das irgendwann auf?

Beitragvon Lio » So 30. Sep 2018, 21:36

Hallo

Ich habe mich jetzt etwas ĂŒber ein Jahr lang nicht mehr geschnitten und eigentlich geht es mir auch recht gut damit. Ich denke, verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gesehen, nicht mehr oft daran und auch sonst lĂ€uft es gut. Aber in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden (mind. einmal im Monat fĂŒr kurze Dauer – ca. ein bis drei Tage) kommt dieser Druck meist völlig ohne ersichtlichen Auslöser wieder. Nicht so, dass ich es nicht kontrollieren könnte, aber es ist schon
 anstrengend und irgendwo auch nervig.
Ich dachte, dass das nach einer Weile weggehen wird, vor allem, da ich vor dem letzten Mal auch schon recht lange clean war, aber es hat sich nur bis zu diesem Punkt gebessert.

Nun meine Frage: Wird das auf ewig so bleiben oder kann ich irgendwann völlig ohne solche Gedanken leben? Hat jemand Erfahrung damit?

Liebe GrĂŒĂŸe

Meerfrau

Re: Hört das irgendwann auf?

Beitragvon Meerfrau » Di 2. Okt 2018, 10:26

Hey,
meine Erfahrung ist: es hört auf.
Ich bin ĂŒber 15 Jahre frei von selbstverletzendem Ritzen, Schneiden, Schlagen. Selbst, wenn ich heute in extremen emotionalen Notsituationen bin und mich daran erinnere, wie ich frĂŒher mit Selbstverletzungen den Druck kompensiert habe, habe ich keinerlei BedĂŒrfnis mehr, es wieder zu tun. Es gibt keinen Drang zum Schneiden mehr. Ich denk auch nur sehr selten dran. Wenn, tauchen die Gedanken bei einer Art HandlungsAlternativencheck auf, also wenn ich ĂŒberlege, was ich als nĂ€chstes tue, damit es mir besser geht. Da kommt dann manchmal kurz die Erinnerung, dass Ritzen und so frĂŒher geholfen hat. Und dann ist der Gedanke auch schon wieder weg. Einfach so, ohne Anstrengung. Ich weiß leider nicht mehr, ab wann es keine Anstrengung und bewusste Konzentration mehr gebraucht hat, dass die Gedanken einfach weg gehen/bleiben..

Marjo

Re: Hört das irgendwann auf?

Beitragvon Marjo » Fr 5. Okt 2018, 20:40

Hallo Lio,

ich stolperte schon ĂŒber deinen Titel
"Hört das irgendwann auf?" - das liest sich, als wenn die Selbstverletzung wie ein
böser Geist ĂŒber dich kommt.

Aber, Selbstverletzung ist kein unwillentlich getanes "Werk", sondern wird - oft - dazu benutzt etwas anderes zu deckeln oder zu fĂŒhlen.

Insofern ist es eine Entscheidung - entweder ich tue es oder nicht.
Das macht nicht "es" und das macht nicht "die" oder "der" sondern wir.

Ich gehöre dazu - bei mir hat sich das so verselbststÀndigt, das meine Psychiaterin kapituliert.

Vielleicht kannst du mal schauen, was passiert, wenn du Druck bekommst.
Was waren die Auslöser? Was hast du versÀumt oder was hast du getan?
Gibt es Situationen, die dich unter Druck kommen lassen?
Dann kannst du schauen, was du anders machen kannst.

Liebe GrĂŒĂŸe
Marjo

fender

Re: Hört das irgendwann auf?

Beitragvon fender » Mo 8. Okt 2018, 19:21

Es ist möglich, dass die Selbstverletzung irgendwann keine Option mehr ist. Aber das ist i. d. R. ein langer und schwieriger Weg. Menschen die Selbstverletzung tĂ€tigen oder ĂŒberhaupt in ErwĂ€gung ziehen, neigen leider immer wieder dazu in Problemsituationen diese Handlung als Ventil zu nutzen. Das hat denn auch wenig mit einem Muster oder einer Sucht zu tun, sondern einfach nur damit, dass du bewusst keine bessere Methode gelernt hast, um mit deinen GefĂŒhlen umzugehen...

Vielleicht wĂ€re genau das der richtige Ansatz fĂŒr dich...

Lio

Re: Hört das irgendwann auf?

Beitragvon Lio » Mi 10. Okt 2018, 21:57

Erstmal danke fĂŒr die Antworten.

Marjo, ich glaube, du hast mich etwas falsch verstanden. Ich meinte nicht die SV an sich, sondern nur den Drang dazu. Die Entscheidung, ob ich es tue oder nicht, kann ich mittlerweile fĂ€llen und es bleibt auch bei nein, aber schon allein, dass ich ĂŒberhaupt in Situationen komme, in denen ich das entscheiden muss, nervt mich langsam ziemlich. Nerven ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber mir fĂ€llt kein besseres ein...
Ich schaue schon eine Weile genauer hin, was passiert ist, wenn der Druck wieder kommt, aber ich kann einfach keine Auslöser finden...

fender..., du hast mir auf jeden Fall weiter geholfen. Dass ich dazu recht viel Zeit brauchen werde, schwante mir schon. Ich dachte nur, dass ein Jahr (mal davon abgesehen, dass ich seit drei Jahren versuche wirklich aufzuhören) ausreichen wĂŒrde - das ist anscheinend nicht der Fall.
Andere Methoden, um mit Problemen umzugehen wÀren wirklich gut, aber... hm. In der Therapie, in der ich war, habe ich jedenfalls keine gelernt.
Ich hoffe nur, dass sich das irgendwann gibt.

Meerfrau, vielen Dank, das macht mir wirklich Mut.

Einen schönen Abend wĂŒnsch ich euch.

fender

Re: Hört das irgendwann auf?

Beitragvon fender » Do 18. Okt 2018, 18:50

Den Willen scheinst du defintiv zu haben, und das ist schon mal ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Hast du schon mal etwas von Skills gehört?

Lio

Re: Hört das irgendwann auf?

Beitragvon Lio » Fr 19. Okt 2018, 12:04

Ja, habe ich. Einiges funktioniert auch recht gut, bloß immer viel zu langsam.
Vielleicht muss ich einfach mehr Geduld mit mir selber haben und mich erst mal von dem Gedanken verabschieden, dass ich demnÀchst ganz "normal" bin und nicht diesen Druck habe.
Eigentlich wirklich schade, dass so etwas nicht von heute auf morgen aufhören kann...

Meerfrau

Re: Hört das irgendwann auf?

Beitragvon Meerfrau » Fr 19. Okt 2018, 14:42

Hey Lio,
was zu den Skills: Wenn es zu langsam oder scheinbar nicht nachhaltig "funktioniert", liegt es hĂ€ufig daran, dass es nicht passend fĂŒr dich oder den jeweiligen Anspannungsgrad ist. Den Wenigsten ist erklĂ€rt worden, dass "gute" Skills aus einer Kette bestehen und regelmĂ€ĂŸig ĂŒberprĂŒft werden sollten, da sich eine Art Gewöhnung einstellen kann oder sich die individuelle Anspannungsreaktion verĂ€ndert hat. So ist es z.B. kontraproduktiv in einem Anspannungszustand von 50 einen Skill aus dem Spannungsbereich 80-100 anzuwenden. Wenn sich deine Anspannung verĂ€ndert (und das hat es ja wohl!), gilt es, seine Skills dementsprechend anzupassen. Umso höher wird auch die Wahrscheinlichkeit, schnellstmöglich back to normal gehen zu können.
Ich kann mich erinnern, dass in der Zeit, wo der Drang/die Gedanken nach SVV noch kamen, ich nach einiger Zeit ein ca. 10minĂŒtiges "Programm" hatte und danach weiter machen konnte, als wĂ€re nichts gewesen. Das war 1. Wahrnehmen der Gedanken(-spirale) 2. In meinen inneren Beobachter "gehen" 3. Laut "Es reicht! Schluss damit!" sagen 4. Dann wahlweise kaltes Wasser ins Gesicht, kurz ganz schnell auf der Stelle rennen, mich "abklopfen", mich mit Duftspray besprĂŒhen, ausschĂŒtteln, Hampelmann, wie ein Pferd mit den Lippen schnauben (Der Mundbereich und alle Funktionen des Mundes nehmen im Großhirn großen Raum ein. Wenn du also mit deinem Mund außergewöhnliche Übungen machst, dann ist dein Großhirn sehr damit beschĂ€ftigt, diese Mundbewegungen richtig auszufĂŒhren und andere Gehirnbereiche, werden unterdrĂŒckt.
Schnauben hat noch einen anderen großen Vorteil: Du entspannst dabei deine Lippen, deinen Ober- und deinen Unterkiefer. Diese Entspannungssignale werden weitergeleitet an die Gehirnareale, die auch fĂŒr emotionale Spannung/Entspannung zustĂ€ndig sind. Die muskulĂ€ren LockerungsĂŒbungen in deinem Gesicht fĂŒhren zu mentalen LockerungsĂŒbungen in deinem Gehirn. "KlugscheißerModus aus. ";))
. 5. Laut sagen "So, und jetzt weiter machen!" 6. Tief ein- und ausatmen, sammeln, weiter machen.
FĂŒr mich war dieses laute, "strenge" Aussprechen immer enorm wichtig. Irgendwann hat es dann meistens gereicht, wenn ich mir einmal laut gesagt habe "Es reicht" Weiter machen!" und die anderen Sachen nur, wenn die Anspannung wieder höher war, also die Gedanken aufdringlicher waren.

Und ja, leider braucht es viel Geduld :(
Aber,...das ist ja auch bei den "Normalen" "normal" *g*, also, dass sich neuronale Verbindungen nicht mal eben so verÀndern lassen.
Du bist auf dem richtigen Weg! Sei gut mit dir selbst- loben nicht vergessen!!! Eigenlob stinkt hier nÀmlich gar nicht! Im Gegenteil: es ist richtig wichtig.

Marjo

Re: Hört das irgendwann auf?

Beitragvon Marjo » Sa 20. Okt 2018, 12:00

Okay, dann war es ein MissverstÀndnis....

Ich lernte mal in einer Klinik, etwas genauer auf meine Wortwahl zu achten....gerade in bezug auf SV und manchmal schien es in der Gruppe so, das andere immer wieder erstaunt waren, wie "es" so ĂŒber sie kam...

Ich kenne den Druck und ich wĂŒrde lieber heute als morgen aufhören - doch im Moment ist es so eine Art Ventil und Hilfe, es wĂŒrde Schlimmeres als das passieren, hĂ€tte ich dieses Wahl nicht...

Kann dir da nicht wirklich weiter helfen....aber ich nehme meine Worte zum ersten Post zurĂŒck.

fender

Re: Hört das irgendwann auf?

Beitragvon fender » Di 23. Okt 2018, 09:28

Du wirst in deinem weiteren Leben wahrscheinlich immer wieder an Punkte kommen, in denen du in die Spirale zurĂŒckfĂ€llst, aber da hilft wirklich nur ein eiserne Wille und langer Atem.

Du erscheinst mir aber wahnsinnig klar und ich denke, dass du das packen solltest - auch wenn es nicht das Gelbe vom Ei ist.

Falls du es brauchen solltest, wĂŒnsch ich dir viel Kraft fĂŒr den Weg. Es ist der Richtige.

Lio

Re: Hört das irgendwann auf?

Beitragvon Lio » Mi 24. Okt 2018, 21:53

Marjo, kein Problem, das passiert jedem mal. Trotzdem danke fĂŒr deine Antworten.

Gut, dann werde ich mal versuchen an meinem Entschluss festzuhalten und damit zu leben, dass es halt so ist wie es ist. Aber das ist schon ein bisschen verrĂŒckt - man ist ein, zwei Jahre schwach und kommt mit gar nichts zurecht und das soll einen dann das halbe Leben beeinflussen?
Na ja, wie auch immer, ich werde versuchen durchzuhalten.
Ich danke dir, fender..., Kraft kann ich sicherlich gebrauchen.
Vielen Dank auch an dich, Meerfrau ... das wird mir helfen.


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