Keine Kontrolle mehr

Kanae

Keine Kontrolle mehr

Beitragvon Kanae » Do 22. Nov 2018, 22:16

Hi liebe Leute
ich schreibe, weil ich einen Rat brauche.
Als ich letztes Jahr das erste mal stationär aufgenommen wurde, habe ich die Diagnose Borderline bekommen.
Da ich zu dem Zeitpunkt nicht abstinent gelebt habe und noch recht jung (19, damals 18) bin, wurde mir gesagt, dass sich der Verdacht vielleicht nicht erhärten würde.
Ich hab dann auf ärztliches Anraten nach der Schule erstmal nichts gemacht, im April dieses Jahres dann 16 Wochen DBT.
Als ich das erste mal in der Psychiatrie war, war ich auf jeden Fall ziemlich depressiv,
Jetzt habe ich zum Wintersemester ein Studium begonnen und obwohl ich mir recht sicher bin, nicht depressiv zu sein, entwickelt sich das alles in eine ganz falsche Richtung.
Wieder täglich Selbstverletzung, schlimme Gedanken, auch meine Essstörung kommt wieder viel mehr zum Tragen.
Weil es immer schlimmer wird, soll ich schnellstmöglich nochmal auf Station.
Ab und an gehe ich in eine Borderline-Selbsthilfegruppe, bei der mache auch studieren- es scheint aber leider Gang und Gäbe, dass die ständig irgendwo auf Station müssen.
Ich war, sei ich letztes Jahr mein Abi gemacht habe, sieben Monate nur in der Klapse.. Und jetzt will ich eigentlich wirklich nicht schon wieder irgendwo stationär gehen...

Wie geht ihr eurem Studium um?
Gibt es eine Möglichkeit, das alles zu packen, ohne ständig "unter ärztlichem Aufsicht" zu stehen?
Ich will endlich ein normales Leben führen und normal studieren...
Sowohl meine Betreuerin als auch mein Therapeut werfen ab und an ein, dass studieren vielleicht nichts für mich sei.

Hans

Re: Keine Kontrolle mehr

Beitragvon Hans » Fr 23. Nov 2018, 12:51

Man kann durchaus hochgradig depressiv sein und das Studium dennoch passabel meistern.
Ich weiß auch von Personen mit Borderline, bei denen das geklappt hat.

Allerdings spielen sehr viele Faktoren dabei eine Rolle. Ob es für dich richtig ist, kannst nur du und ggf. dein Umfeld wissen. Es ist jedenfalls nicht von vorneherein absolut aussichtslos.

Nofretette

Re: Keine Kontrolle mehr

Beitragvon Nofretette » Sa 24. Nov 2018, 11:59

Hallo ich habe trotz Stimmen hoeren and Zwangsstoerung meinen Realschulabschluss MIT Quali geschafft
Weeisst du man Schafft allies und allein nur dann wenn man daran Glaubt. Bitte gib dich selber nicht auf und folge deinem Herzen. Dann worst du allies schaden.

Ich habe auch nie aufgegwben und folge meinem Herzen.


Mir ging es zwar zwischen durch wesentlich schlechter aber ich bereue nix

Gast

Re: Keine Kontrolle mehr

Beitragvon Gast » Sa 24. Nov 2018, 12:40

Hi,
Theorie:
Essstörung=Kontrolle, SVV=Druckentlastung, suizidale Gedanken=Sicherheitsnetz => alles erstmal Kompensationsstrategien deines Organismus auf die veränderte Situation. Dein Organismus will dir letztlich helfen. Dafür hat er leider noch zu wenig gefestigte Strategien, die nicht langfristig schädlich sind. Also: Training! Weiter auf stur das erlernte DBT-Zeug durchziehen!!! Für dich passende persönliche Skillskette aktualisieren! Gedankenstopp-Übungen, Hochstress nicht aufkommen lassen (Selbstfürsorge im Alltag!!!), Achtsamkeitsübungen, wie langweilig sie auch erscheinen mögen, durchziehen. Regelmäßig die Gruppe besuchen. Regelmäßig Pausen. Abschalten von Erwartungen.
In's Studium Realität reinbringen! Was willst du mit diesem Studium? Was ist unter welchen Umständen für dich mach- und schaffbar? Wie gelingt es dir, das umzusetzen? Studienberatung; dort besprechen, wie du mit deinen Voraussetzungen angemessen dein Studium schaffen kannst. Welche Hilfen gibt es für dich vor Ort? (An manchen Unis gibt es speziell Beratung/Begleitung für Menschen mit psychischen Schwierigkeiten, anonym). Gibt es Freunde/Familie/ Kommilitonen die dich unterstützen können, dein Selbstfürsorge-Programm zu "befolgen"? Gemeinsam einkaufen, kochen, essen? Verabredungen in der Mensa, abends zuhause, WG-Runden? Einmal wöchentlich körperlichen Ausgleich; Uni-Sport, Sauna, schwimmen, Yoga.
Wochenplan erstellen!!!!!! Vielleicht immer Sonntagsabend für die kommende Woche. Gesundheit an erster Stelle!
Die Wahrscheinlichkeit "immer wieder" in regelmäßigen Abständen stationär gehen zu müssen sinkt, wenn du deine Lebensart grundsätzlich veränderst. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Ja, das zu planen und umzusetzen ist nervig und anstrengend und kostet Kraft und Zeit. Und vielleicht auch mal das ein oder andere "Urlaubssemester", um die Basis auf Vordermann zu bringen.
"Normal" leben? Wenn du mit normal die Vorstellung von Norm, also durchschnittlich, verbindest: sorry, vergiss es. Es lohnt nicht, an einer Vorstellung festzuhalten, die sich so nicht erfüllen wird. Im Gegenteil: kostet nur mehr Kraft, anders sein zu wollen, als man ist. Es lohnt mehr, sich seine eigenen Ressourcen und Herausforderungen anzugucken und nur damit zu arbeiten und nicht mit gedachten Erwartungen, wie etwas/man zu sein hat, um "normal" zu sein. Egal, ob ICD-10 Diagnose oder nicht- wir sind alle anders :)
Geh mal in ein Gespräch mit Betreuerin/Therapeutin gezielt mit der Nachfrage, was sie denken, unter welchen Umständen/ Voraussetzungen/Veränderungen du das Studium schaffen würdest. Gibt vielleicht Ideen, was du noch tun kannst, um dich zu stabilisieren. Nutze die beiden für die Erstellung deiner Wochenpläne und zur Umsetzung/Reflektion. Nutze sie, um in gesundes Handeln zu kommen.


Und, ja, Studium ist schaffbar, also, war es zumindest für mich.

Gast

Re: Keine Kontrolle mehr

Beitragvon Gast » So 25. Nov 2018, 17:04

Hi,
hab jetzt erst im anderen Thread mehr über deine ES gelesen. Die ist ja mal verdammt ausgeprägt....
Informiere dich doch mal über stationäre Wohngruppen speziell für Menschen mit ES und Komorbiden. Vielleicht gibt es sowas auch bei dir in der Nähe. Infos auch im Netz übers Netzwerk Essstörungen.
Und falls nochmal stationärer Klinikaufenthalt: Hol dir Infos über Therapieangebote (Kliniken und ggf. auch Wohngruppe) speziell zum Thema Trauma und Sucht. Es gibt da einige Angebote für die "Kombi" (z.B. in Essen, NRW). LG

Kanae

Re: Keine Kontrolle mehr

Beitragvon Kanae » Mo 26. Nov 2018, 09:27

Vielen Dank für die Antworten! :)
Teilweise bin ich schon dabei, das umzusetzen, einen Wochenplan habe ich, Achtsamkeitsübungen (meist nicht die Meditationen, für die finde ich nur die Ruhe in der Borderlineselbsthilfegruppe) und meine Skillsketten versuch ich, regelmäßig anzupassen und zu überarbeiten.
Wahrscheinlich muss ich da noch härter hinterher sein, weil es mir durch und in der Uni oft schwer fällt, meine Anspannung überhaupt richtig einzuschätzen und wenn ich über 70 komme, hilft gefühlt oft gar nichts mehr.
Vielleicht war meine Hoffnung naiv, mit einer stationären Therapie das gröbste in den Griff zu bekommen und jetzt wie all die anderen fröhlich ins Leben starten zu können. Es frustriert mich immer noch, wirklich keine Kontrolle über mein Verhalten zu haben. Bisher hab ich irgendwo noch gehofft, das wäre pubertär und wenn ich mich zusammenreiße, hört das von selbst auf. So ist es offensichtlich nicht.
Das mit den Wohngruppen ist eine Überlegung wert, obwohl mich das ganze Betreuungssystem oft einfach nur nervt. Ich wär lieber selbstbestimmt und unabhängig und unbeschwert...
Aber vielleicht muss ich akzeptieren, dass ich momentan nicht so sein kann, wie ich gern wäre..

Gast

Re: Keine Kontrolle mehr

Beitragvon Gast » Mi 28. Nov 2018, 20:08

Hi,
ja, deine Hoffnung war naiv ;) Umso besser, dass du jetzt offensichtlich mehr bei dir angekommen zu sein scheinst! Super, dass du das mit den Wochenplänen und co schon machst. Dran bleiben lohnt sich.
"Ich wär lieber selbstbestimmt und unabhängig und unbeschwert..." Wer nicht? :) Ganz ehrlich, egal, ob psychische Erkrankung oder nicht- welcher Erwachsene ist das schon? Die meisten haben reale und/oder gedachte Verbindlichkeiten, die uns nicht immer frei und unbeschwert durch's Leben gehen lassen. Also, hör auf zu denken, anderen geht es besser oder schlechter, stoppe vergleichende Gedanken und Bewertungen- das ist verschwendete Zeit und Energie.
"wirklich keine Kontrolle über mein Verhalten zu haben." Hast du keine Kontrolle über dein Verhalten/ äußere Handlungsreaktionen oder über deine inneren Impulse, Gedanken, Gefühle? Da liegt ein großer Unterschied!

Was an dem Betreuungssystem nervt dich? Wie bist du da angebunden, also , wie wohnst du da und wie sieht dein WG-Alltag aus? Schreib, wenn du magst. LG

Kanae

Re: Keine Kontrolle mehr

Beitragvon Kanae » Fr 30. Nov 2018, 09:37

Es stimmt schon, dass jeder irgendwie abhängig ist, aber es fühlt sich an, als müsste ich eben doch etwas mehr “auf andere hören“. Wobei Vergleichen wohl wirklich nie was Produktives ist.
Ich kann werde meine inneren Impulse und Gedanken (wie extreme Abwertungen, Ängste vorm Verlassen werden, das Bedürfnis, andere für mich zu vereinnahmen), noch meine Handlungen so richtig steuern, zum Beispiel, was Selbstverletzung angeht (wie Kopf gegen die Wand, Gegenstände kaputtschlagen), das passiert in Sekunden und ich hab das Gefühl, dass ich gar nicht mehr intervenieren könnte- allerdings dürfte ich die Anspannung gar nicht erst so hoch kommen lassen, aber auch die steigt manchmal innerhalb von Sekunden bei den geringsten Anlässen, die ich nicht immer vorhersehen kann.

Ich wohne in betreuten Einzelwohnen, also keine WG. Zweimal die Woche sind Gespräche mit der Betreuerin, einmal eine Freizeitaktivität, vor der ich mich meistens drücke. Der Träger ist suchtspezifisch und scheint manchmal recht überfordert mit mir zu sein. WG-tauglich bin ich wegen der Essstörung nicht, das hab ich schon probiert. Da ich überhaupt nicht vor anderen essen kann, nehme ich stark ab und kann mich auch nicht wirklich in das Leben dort einbringen.






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