Viele Symptome und doch ratlos

Gast

Viele Symptome und doch ratlos

Beitragvon Gast » Mo 29. Jul 2013, 16:33

Ich habe hier nun viel hin- und hergelesen, am ehesten würde ich mein Problem in die Kategorie "Borderline-Störung" einordnen, aber einiges passt dann doch wieder nicht, anderes aber doch. Vielleicht bin ich da auch auf dem völlig falschen Dampfer, aber dafür hole ich mir hier nun Rat.

Zum Problem: ich kenne meine Freundin nun seit etwas mehr als einem Jahr. Ihre Vorgeschichte ist:

schwieriges Elternhaus (emotionale Gewalt durch den Vater, Herabsetzung, "Du bist nichts wert", "Du kannst nichts" etc., was z.T. heute noch anhält), Vater alkoholsüchtig, Eltern geschieden, es gab viel Streit zwischen den Eltern in der Kinder-/Jugendzeit bis hin zu gelegentlicher Gewaltanwendung zw. Vater und Mutter usw.; Dann erste Beziehung mit 16-17J. mit einem Jungen, der durch sie aber permanent betrogen wurde, dann eine einjährige Beziehung mit 18J., die fast durchgehend als Belastung empfunden wurde (Kontrolle, Ekel vor Sex ...), mit 19J lernte sie ihre damalige "große Liebe kennen (er war bereits 30) der ihr durch finanzielle Möglichkeiten die "grosse weite Welt" zeigen konnte. Diese Beziehung war anfangs geprägt von großen Problemen ihrerseits, dass er bereits eine Frau hatte, mit der er auch ein Kind zusammen hat (das ging fast bis zu Selbstmordgedanken und völliger Hineinsteigerung in dieses Gefühl, nun, da sie endlich den Mann für's Leben gefunden zu haben glaubte, dann doch nicht die erste für ihn zu sein und dies alles mit ihm gemeinsam das erste mal erleben zu können), danach kamen Phasen von emotionaler und auch körperlicher Gewalt (häufiger, cholerischer Streit bei Meinungsverschiedenheiten, besonders eskalierend, wenn Alkohol im Spiel war), Trennungsphasen (2,3,4 Wochen), kurze gute Phasen und das alles gemischt und in unregelmäßigen Abständen - das ganze 6 Jahre lang. Dann eine 8-monatige Trennung, währenddessen sie eine 3-monatige Beziehung führte und diesen "Zwischenmann" dann wegen des Ex wieder verließ.

Nach der überraschenden Wiedervereinigung wurde sie dann 2 Monate später schwanger und die beiden hielten es dann noch ca. 2 Jahre miteinander aus (mit all den Streitigkeiten und Zwischenphasen, die oben bereits beschrieben habe), bis dann die endgültige Trennung folgte. Dann vergingen ca. 2 Jahre, in denen sie SEHR viele wechselnde sexuelle Bekanntschaften hatte, die allermeißten von denen One-Night-Stands (es waren nach ihrer eigenen Schätzung ca. 50-60, vielleicht auch mehr) und ca. 3 Monate, bevor wir uns kennen lernten, nocheinmal eine 3-monatige Kurzbeziehung - und dann lernten wir uns kennen. Es begann etwas schleppend, weil ich nicht so ganz "ihr Typ" war, wie sie sich ausdrückte und sie ausserdem grade sehr zufrieden mit ihrem Leben alleine mit ihrem Sohn war. Baer die Gefühle sagten dann bald etwas anderes und nach einigem Hin- und Her waren wir dann ein Paar und alle in ihrer Umgebung freuten sich, dass es nun vielleicht doch noch alles gut werden würde. Ich muss dazu bemerken, dass meine Gefühle ihr gegenüber bis heute stetig geblieben sind. Anfangs lief alles auch ihrerseits sehr gefühlsbetont ab, doch schon bald mischten sich störende Lebensumstände mehr und mehr dazu (ich habe z.B. bereits 2 Kinder mittleren Alters, meine Weltanschauung ist auch nicht immer konform zu der ihrigen und im Laufe der Zeit kamen immer mehr Kleinigkeiten dazu) und dann plötzlich von einer Woche auf die andere (es war grade noch das Thema "Zusammenziehen" aktuell), wurde die Beziehung ihrerseits beendet. Die Gefühle hätten von Anfang an nicht gereicht und das hätte sie immer mal wieder gespürt, aber gehofft, dass das vorüber gehe und nun sei es eben so, wie es ist und es ginge nicht mehr mit uns. Nach ein paar Wochen haben wir dann aber wieder einen einigermaßen normalen Umgang miteinander gepflegt (sie mochte mich ja weiterhin sehr gerne, aber für die Liebe reichte es eben nicht), haben nette Abende miteinander verbracht und (wenn auch selten) hin- und wieder miteinander geschlafen. Zwischenzeitlich hat sie sich aber dennoch für andere Männer interessiert und kurzzeitig auch mit einem etwas mehr gewollt. Da ich mich dann aber komplett zurückgezogen habe, hat sie sich letztlich doch nicht dafür entschieden - meine gegenwart war ihr dann doch wichtiger.

Das ging eine geraume Zeit so, bis es dann im Herbst diesen Jahres zwischen uns irgendwie wieder "gefunkt" hat und wir uns mehr und mehr wieder aneinander angenähert haben und schliesslich wieder offiziell eine Beziehung führten. aber auch diesmal der selbe Ablauf, obwohl wir uns nun schon viel besser kannten. Zuerst alles sehr gefühlsbetont, viel "ich liebe dich" , "du bist mein mann" und "wenn du da bist, fühle ich mich zu hause" bis hin zu "wollen wir ein kind zusammen haben?" und dann nach fast 5 Monaten guter, sinnlicher, erfüllter Beziehung urplötzlich, nachdem ca. 2 wochen durch ein paar Meinungsverschiedenheiten eine etwas angespannte Stimmung herrschte, wieder von heute auf morgen: "die liebe reicht nicht aus, ich hab das irgendwie schon immer gespürt, aber immer gehofft, dass das vergeht, hätte es mir anders gewünscht, bin ja auch traurig, ist das beste für dich...bla bla bla" - das gleiche Prozedere wieder von Neuem. Nun ist sie aber bereits schwanger - das 4 Wochen zuvor gewünschte Kind ist unterwegs.

Das in aller Kürze (sorry, es ging wirklich nicht kürzer, um die ganze Situation für Außenstehende auch nur annähernd zu umschreiben).

Nun zu meinem Problem nochmal. Ich glaube, dass bei ihr irgendeine Beziehungsstörung vorliegt - so in etwa, dass sie sich Nähe sehr wünscht und anfangs auch total geniesst, aber dann bald alles nicht mehr wirklich ertragen kann und anfängt Gründe zu suchen, um das Scheitern zu bestätigen. Dass sie mich lieben kann, hat sie mir mehrfach und eindeutig bewiesen und gesagt, nur halten diese Gefühlszustände dann leider wohl bei ihr nicht all zu lange an. Sie selbst sagt dazu:
"Wenn ich dir sage, ich liebe dich, dann meine ich das in dem Moment auch 100%, aber jetzt im Moment spüre ich das tiefe Liebesgefühl zu nicht, das bringt alles nichts wenn das Herz ganz tief drin Nein sagt..." Eigenartiger Weise wollte sie noch 4 Wochen vorher ein gemeinsames Kind... Das passt für mich irgendwann dann nicht mehr zusammen und es fällt mir schwer, ihre Aussagen (in welcher Richtung auch immer) noch ernst zu nehmen.

Sie hat zusätlich noch folgende Symptome, die auffällig sind:
mehrfach tägliches Begutachten im Spiegel, ob nicht irgend ein Popel oder Pickel oder sonstwas in ihrem Gesicht ist (bis zu 20mal in der Stunde, ein Taschenspiegel ist immer dabei und falls nicht, wird ein Messer oder ein Handy als Spiegel benutzt)
sie hat Angst, in der Öffentlichkeit angesprochen zu werden, weil sie dann das Gefühl hat, irgendetwas "verborchen" zu haben, auch wenn derjenige nur nach der Uhrzeit fragen würde. Sie bekommt dann keinen Ton heraus und würde am liebsten "im Boden versinken". Sie meidet daher öffentliche Plätze, so gut es geht oder versteckt sich regelrecht, wenn sie einen Bekannten sieht (Einkaufen, Kino, Stadtbummel, Bankschalter etc) Selbst ihr nahestehende Personen können dieses Gefühl auslösen
sie kann ihren Körper nicht frei zeigen, obwohl er sehr attraktiv und sie sich dessen auch bewußt ist. Das heisst, dass wir niemals am Strand waren oder dass ich sie auch niemals völlig unbekleidet gesehen habe, zB. in der Wohnung beim duschen oder beim Anziehen oder so
sie reagiert sehr aufbrausend und angriffslustig bzw. wütend auf selbst gut gemeinte Kritik und "schießt" oft sofort zurück
sie kann nicht über ihre Gefühle reden, lässt niemanden an sich heran (Mauer, Käfig)
sie handelt oft impulsiv, ohne Rücksicht auf "Verluste" oder Konsequenzen
die Tagesplanung verläuft schwierig, weil innerhalb von wenigen Stunden oft alles wieder umgeplant wird
ich habe immer wieder starke Gefühlsschwankungen während unserer Beziehungen erlebt - "heute liebe ich dich 100%, aber das muss morgen ja nicht mehr so sein..."
zwanghaftes Verhalten, immer wieder nach zu sehen, ob der Herd auch wirklich AUS ist, ob die Tür auch wirklich abgeschlossen ist....
sie war seit 10 jahren nicht mehr bei einem Artz, weil sie der Meinung ist, dass sie sowieso innerlich "verschroben" ist und alles irgendwie komisch ist in ihr und sie hätte angst vor einer schlimmen Krankheit
sie wacht oft morgens mit dem Gedanken auf, dass sie sterben muss
sie trinkt oft schon am Tage Alkohol, um, wie ich vermute, ein wenig runter zu kommen und ihre Ängste zu kompensieren

Es gäbe da sicher noch einige andere Sachen, aber ich denke, das reicht erstmal. Da denkt jetzt der ein- oder andere vielleicht: was für eine Baustelle!!

Aber was soll man machen, wenn die Liebe immer noch da ist??

Jetzt meine Frage dazu: gibt es irgendeine bekannte psychische Störung, die darauf passen könnte? Ich finde zumindest, dass es Borderline nicht so ganz trifft.... Für Hinweise und anregende Gedanken wäre ich sehr dankbar.

lopu

Freundin mit Borderline

Beitragvon lopu » Sa 30. Nov 2013, 19:07

Also, ich hatt auch mal sonne Freundin mit Borderline und als ich Deinen Text las, fiel mir die sofort wieder ein.
War eine ähnlich chaotische Sache und war dann später heilfroh, dass ich den Absprung schaffte.
Warum soll da Borderline nicht so passen ?






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