Konfrontation

Tanja

Konfrontation

Beitragvon Tanja » Do 23. Okt 2014, 17:50

Hey......

Ich war ja vor ca. 2 Monaten in der Psychiatrie und habe die Diagnose "Borderline - Persönlichkeitsstörung" bekommen. Jetzt bin ich in Therapie und hab mich auch mal schlau gemacht und einige Bücher gelesen. Doch ich werde mit immer neuen Dingen konfrontiert......mir fällt immer mehr auf und mein Verhalten wird mir bewusst. Aber genau das lässt mich vor einem schwarzen Abgrund stehen. Ich weiß nicht wie ich dei Diagnose meinen Freunden erklären soll. Einige wollen und werden es nie verstehen und andere sind völlig verwirrt und wissen seither nicht mehr wie sie mir gegenübertreten sollen. Aber ich weiß genauso wenig wie ich damit umgehen soll. Ich verzweifle daran, nicht zu wissen was ich meinen Freunden noch sagen kann oder was sie lieber nicht wissen sollen. Ich fühl mich unglaublich einsam aber ich kann mich niemandem anvertrauen. Am Schluss gehen eh nur wieder alle weg und ich steh alleine da. Ich weiß das klingt unglaublich egoistisch.....aber ich weiß nicht was ich tun soll. Das Schneiden wird immer schlimmer, immer öfter. Die Suizidgedanken und -Wünsch haben zwar aufgehört, aber das belastet alles so und ich weiß nicht wie und ob ich das meiner Therapeutin sagen kann oder soll. Ich will sie und auch andere nicht ständig mit meinem Gerede nerven....wie soll ich wieder rauskommen aus diesem Teufelskreis??

lG Tanja

Tumbo

Re: Konfrontation

Beitragvon Tumbo » Fr 24. Okt 2014, 21:25

Moin,

Naja, erstmal ist doch die Frage, warum und ob Du ueberhaupt derzeit Deinen Freunden was erzaehlen musst, was los ist. Sicher ist das zum Verstaendnis vielleicht besser, aber es verschreckt auch viele, wie Du ja selbst bemerkst. Versuch nicht zu erklaeren, was Du selbst noch nicht ganz Dir selbst erklaeren kannst. Im uebrigen - Theras sind dazu da, sowas auszuhalten, auch wenn es Dir wie ein nerviges Gerede vorkommt, das ist es nicht. Ja, es stimmt, Dein Verhalten wird Dir zunehmend bewusster, vorher war es bestimmt nur so ein ungutes Gefuehl, so ein Wischi-waschie. Zu den Freunden: Sag ihnen, sie sollen so mit Dir umgehen, wie sie es auch mit anderen Menschen machen, Du bist kein Monster deswegen! Du bist nicht krank, das ist nicht ansteckend oder sowas. Mach das denen unmissverstaendlich klar. Ansonsten kann man vielleicht ueber Details, Auswirkungen, Sympthome reden, aber nur, wenn Du spuerst, dass das Interesse echt ist und die Person Dir hilfreich gegenueber sich verhaelt. Tja, leider sind viele Menschen in den psychischen Dingen sehr auf Abwehr und "nicht sehen, nicht hoeren wollen" programmiert. Und ich sag Dir eins, die Diagnose spielt dabei eigentlich keine Rolle. Wie sollst Du nun selbst damit umgehen? Nunja, das ist das, was Du in der Thera lernen sollst/musst. Ja, Du liest richtig: Lernen. Du musst neue Verhaltensweisen erlernen und Du musst lernen, bestimmte Dinge so hinzunehmen, wie sei sind, weil sie unabaenderbar sind, leider. Und ja, es braucht Zeit, das alles. Jahre...

Tanja

Re: Konfrontation

Beitragvon Tanja » So 26. Okt 2014, 10:38

Aber wie erkläre ich meiner Therapeuten das ich mich einsam fühle und ich nicht mehr weiß wie ich Menschen gegenübertreten soll, bzw. immer Angst habe mich jemandem anzuvertrauen aus Angst verlassen, verraten zu werden und mich somit in immer beschissenere Situationen hineinsteigere und mit nichts mehr klar komme.....? Wie kann ich so ein Chaos beschreiben? Und wie soll ich das alles hinkriegen wenn ich mit niemandem reden kann weil es meine Gefühle nicht zulassen? Ich könnte nur weinen. In mir stehen so viele Fragen und es ergeben sich keine Antworten. Ich kriegs nicht hin mal über meinen Schatten zu springen und mit jemandem zu reden wenns mir schelcht geht. Stattdessen suche ich schlechte Eigenschaften, negative Gefühle gegenüber dem Menschen an den ich gerade denke und somit verlässt mich aller Mut, alles Vertrauen und ich fange nur wieder an zu Ritzen....was zumindest zeitweilig "gut tut".
Wie kann mich jemand mögen und verstehen wenns ich nicht mal selbst kann? Wie soll ich Jahre lang warten, bis ich es gelernt habe, wenn ich in der Zwischenzeit vor mich hinvegetiere und alle mich verlassen? Vielleicht rede ich mir das alles nur ein, aber ich kann keine Striche mehr zwischen Einbildung und Wirklichkeit ziehen.
Ich habe das Gefühl, völlig hilflos und überfordert mit der Therapie zu sein. Meine Therapeutin ist zwar unglaublich nett und versucht mir zu helfen, aber ich kriegs nicht auf die Reihe. Mach immer einen auf nettes, schüchternes kleines Mädchen, wie sie pflegt zu sagen.
Ich will nicht egoistisch sein, aber wie soll ich denn anders aus dem ganzen Sch..ß rauskommen, wenn ich nicht an mich denke??
In mir steht alles Kopf, nichts ist mehr da wo es hingehört.....
sorry......

lG Tanja

Tumbo

Re: Konfrontation

Beitragvon Tumbo » Mo 27. Okt 2014, 15:05

Tanja,

Warten bringt in der Tat nix, Du musst Dich schon selbst bewegen. Und ich find, hier im Forum bist Du schon gut bei, Dich und Deine Probs zu beschreiben, drueber zu reden. Aber Du schreibst sie hier und vielleicht ist es ja moeglich, so auch Dich zur Thera zu aeussern, schriftlich. Geht das?
Du redest sehr eingehend ueber Dein emotionales Erleben hier und das ist gut so. Ich denk, das ist ein guter Ansatz, weil Du eigentlich schon erkannt hast, wo das Probs. (u.a.) liegt - Denken/Verstand und Gefuehle/Emotionen rennen auseinander, nicht in dieselbe Richtung. Ist es so? Dann ist es auch an dem, dass Gefuehel uns zwar viel sagen ueber uns, aber wir auch lernen muessen, dass sie kommen und gehen, wie eine Welle die am Strand auslaeuft, die Kuestenlinie zwar veraendert so (durch unser SVV ueberdeutlich), aber der Kuestenschutz so einiges tuen kann, sprich das Verhalten aendern kann. Wenn man denn die Ausloeser erkennt fuer die Destruktivitaet. Und auch da findet sich in Deinem Geschrieben schon so manches, was die Ausloeser beschreibt. Ich bin der Meinung, Du kannst also das alles recht gut beschreiben - nun dann schreibe (es der Thera), wenn es moeglich ist. Uebrigens: Ja es stimmt, wir sind oft Kinder und so kommen wir auch rueber, dem der die Kinder in uns sehen kann.

LG

Tanja

Re: Konfrontation

Beitragvon Tanja » Mi 29. Okt 2014, 22:13

Dieses Kind sehn nur 99% nicht, oder wollen es nicht sehen, und das ist vielleicht manchmal das Problem.
Mich hat es ziemlich viel Überwindung und Zeit gekostet, bis ich den Mut gefunden habe, meine Gedanken und Gefühle hier niederzuschreiben. Aber letztendlich habe ich es nicht mehr anders ausgehalten.
Vielleicht wäre es wirklich nicht schlecht, mal darüber nachzudenken einiges aufzuschreiben und es so meiner Thera mitzuteilen. Denn jedes Mal merke ich wieder, dass es mir unglaublich schwer fällt einen Anfang zu finden, Sätze in meinem Kopf zu konstruieren mit denen die Stunde "beginnen" kann. Und jedes Mal gehe ich zwar irgendwie etwas befreiter nach Hause, aber ich weiß genau, das einiges was ich gern gesagt hätte, wieder einmal nicht ausgesprochen wurde. Da kann mir wohl niemand außer mir selbst helfen und ich muss einen Weg finden, diese Schwelle zu übertreten. Eigentlich ist es ja schließlich auch meine Therapiestunde in der ich alles einer "fremden" Person sagen kann was ich möchte :p.......ich versteh mich oft selbst nicht.
Und nochmal danke für die interessanten Antworten. Ich werde wohl noch viele Löcher und Tiefs durchstehen müssen, und hoffenltlich können, bevor ich sagen kann ich habe das alles überstanden und es gehört zu meiner Vergangenheit.

Tumbo

Re: Konfrontation

Beitragvon Tumbo » Fr 31. Okt 2014, 16:26

Moin,

Zitat:
Original von Tanja
Dieses Kind sehn nur 99% nicht, oder wollen es nicht sehen, und das ist vielleicht manchmal das Problem.


Richtig.

Zitat:
Original von Tanja hat es ziemlich viel Überwindung und Zeit gekostet, bis ich den Mut gefunden habe, meine Gedanken und Gefühle hier niederzuschreiben. Aber letztendlich habe ich es nicht mehr anders ausgehalten.


Glaub ich Dir gern und dafuer hast Du es schon sehr gut gemacht.

Zitat:
Original von Tanja
Vielleicht wäre es wirklich nicht schlecht, mal darüber nachzudenken einiges aufzuschreiben und es so meiner Thera mitzuteilen.


Wenn es moeglich ist, dann tu es. Und noch besser waer es, wenn die Thera das Geschreibsle vorher bekommt, damit auch sie sich vorbereiten kann.
Zur Thera-Stunde selbst: Abgesehen von aktuellen Dingen, solltest Du drann denken, immer nur eine Sache, ein Ding/Probs. anzusprechen. Aber dies dann ausfuehrlich. Weil Du sonst nur von einer Baustelle zu naechsten wanderst, aber keine fertig kriegst und dadruch/dabei noch etliche weitere Baustellen entdecken wirst, aufreist.

Zitat:
Original von Tanja.......ich versteh mich oft selbst nicht.


Jo, deswegen schreibst Du ja auch hier unter BL Augenzwinkern So sind wir nunmal :seufz:

Zitat:
Original von Tanja bevor ich sagen kann ich habe das alles überstanden und es gehört zu meiner Vergangenheit.


Kein Dank, bitte! Im uebrigen muss ich Dich enttaeuschen. Es hoert nie auf. Eine unendliche Geschichte, leider. Es wird nur so sein, dass Du lernst, damit besser umzugehen und bestimmten Dingen, Quellen unserer Probs auszuweichen. Aber ansich ist BL leider lebensbegleitend...
Andererseits hat es manchmal auch ein paar gute Seiten, denn wir BL-er haben durchaus Eigenschaften, die uns zu Dingen befaehigen, die anderen einfach abgehen, wie Kreativitaet, zuweilen viel Einfuehlungsvermoegen, zuweilen ein un(ter)bewusster Ueberlebenswille, der schon unheimlich sein kann, zuweilen extreme Veranlagungen, die aus der Masse - im positiven - herausstechen... Nunja. Ist bei jedem anders gelagert.

LG






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