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Lisdexamfetamin bei Erwachsenen mit ADHS

Andromeda

Lisdexamfetamin bei Erwachsenen mit ADHS

Beitragvon Andromeda » Mi 31. Jan 2018, 23:42

In meinem Beitrag vom 29. Januar 2018 im Thema "Ritalin oder Medikinet?" habe ich bereits beschrieben, dass ich zu dem Patientenkreis "ADHS bei Erwachsenen" gehöre, bei dem die gÀngigen Medikamente keinen Erfolg hatten.

Was aber nicht gleich bedeutet, dass es sich um eine Fehldiagnose handelt. Abgesehen davon, dass das menschliche Gehirn sehr individuell und komplex ist, reagiert logischerweise nicht jeder gleich auf die Wirkstoffe.

Da es bei mir aber genĂŒgend Hinweise gab bzw. gibt, die fĂŒr das Vorliegen einer AD(H)S sprechen, fĂŒhrten meine Recherchen mich schließlich zu einem Medikament, ...

... das jedoch nur bei Kindern sowie Erwachsenen, die bereits in ihrer Kindheit davon profitierten, von den deutschen Krankenkassen ĂŒbernommen wird. Setzt konsequenterweise also voraus, dass die Diagnose bereits in der Kindheit oder Jugend gestellt wurde. Ansonsten kommt, wie bspw. bei mir, nur der Off Label Use = die zulassungsĂŒberschreitende Anwendung infrage. Im Klartext: selbst zahlen.

Bei guter Wirksamkeit kann der Arzt aber einen Antrag bei der Krankenkasse stellen, der vom MdK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) natĂŒrlich grĂŒndlich geprĂŒft wird. Wird dem Antrag stattgegeben, prima, wenn nicht, heißt es halt wiederum: selbst zahlen ... oder verzichten, wenn dies finanziell nicht möglich ist.

GlĂŒcklicherweise bin ich in der Lage, die Kosten zu tragen. Die Antragstellung auf KostenĂŒbernahme kann jederzeit vorgenommen werden.

Der Wirkstoff dieses speziellen Medikaments ist LDX (Lisdexamfetamin), kann aber nur verordnet werden, wenn die anderen Medikamente, wie bspw. bei mir, erfolglos waren.

Zu meiner Überraschung reagierte ich auf LDX sofort positiv, sodass ich es seitdem nach Bedarf anwende. Im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen muss es also nicht tĂ€glich bzw. regelmĂ€ĂŸig eingenommen werden und erlaubt auch lĂ€ngere Einnahmepausen. Eine recht flexible Sache also, die auch mögliche Nebenwirkungen reduziert. Abgesehen davon besitzt LDX insgesamt ein erheblich weniger horrendes Nebenwirkungspotenzial als bspw. das von MPH (Methylphenidat).

SelbstverstĂ€ndlich stellt das Vorstehende nur meine persönliche Erfahrung dar, ich stelle also lediglich Informationen zur VerfĂŒgung, die ich mir als Betroffene angeeignet habe.

LDX gehört zu den Amphetaminen und unterscheidet sich vor Allem in seiner Wirkungsweise. NĂ€heres zu LDX ggf. mal in einem neuen Beitrag, da das Ganze hier sonst einfach zu lang werden wĂŒrde... ;)

Andromeda

Der Wirkmechanismus von Lisdexamfetamin bei ADHS

Beitragvon Andromeda » Fr 2. Feb 2018, 17:46

Seit etwa einem Dreivierteljahr nehme ich das Medikament Elvanse mit dem Wirkstoff Lisdexamfetamin (LDX). Es ist seit 2013 in Deutschland zugelassen und fÀllt wie bspw. Ritalin unter die Anlage III des BtMG (verkehrs- und verschreibungsfÀhige BetÀubungsmittel).

Der Unterschied zu Methylphenidat (MPH), wie in Ritalin, ist vor Allem die Wirkungsweise. WĂ€hrend MPH die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin in die Nervenzellen "nur" hemmt, kehrt LDX die Arbeitsrichtung der dafĂŒr zustĂ€ndigen Transporter, vor Allem der Dopamintransporter (DAT), um. WĂ€hrend diese Hemmung durch MPH außerdem analog zur AktivitĂ€t der Nervenzellen geschieht, wirkt LDX unabhĂ€ngig von der ZellaktivitĂ€t. Auf diese Weise gelangt mehr bzw. eine ausreichende Menge Dopamin (und Noradrenalin) in den synaptischen Spalt, den Raum zwischen den Nervenzellen. Zudem wirkt LDX wesentlich lĂ€nger, je nach Darreichung bis zu 13 Stunden, sodass eine einzige Einnahme pro Tag genĂŒgt.

Man kann also sagen, dass LDX stĂ€rker und zuverlĂ€ssiger wirkt, bedeutet aber auch, dass man damit besonders sorgsam umgehen sollte, um die Vesikel, die SpeicherblĂ€schen von Dopamin (und Noradrenalin), nicht "auszubeuten". Ein ĂŒbermĂ€ĂŸiger Gebrauch bzw. Missbrauch kann Depressionen nach sich ziehen, weil es eine Weile dauert, bis die SpeicherblĂ€schen wieder mit genĂŒgend Dopamin aufgefĂŒllt sind.

Im Gegensatz zu MPH gehört LDX zu den "reinrassigen" Amphetaminen und existiert in zwei Varianten: L-Amphetamin und D-Amphetamin, wobei die PrĂ€fixe L fĂŒr levo = links und D fĂŒr dextro = rechts stehen. LDX existiert also in zwei "Spiegelbildvarianten". (Ist nur von Amphetamin die Rede, handelt es sich um ein Racemat, also ein 1:1 Gemisch aus L- und D-Amphetamin.)

Da D-Amphetamin eine stĂ€rkere Wirksamkeit hat als L-Amphetamin, wird es bei der Herstellung von Arzneimitteln bevorzugt, wie eben bei Lisdexamfetamin, das voll ausgeschrieben ĂŒbrigens so aussieht:

Levo-Lysin-Dextro-AlphaMethylPHenEThlyAMIN. :shock:

Lysin bzw. L-Lysin ist eine natĂŒrliche AminosĂ€ure, die man dem Dexamphetamin sozusagen angehĂ€ngt hat, damit das Amphetamin auch in vollem Umfang verfĂŒgbar ist. DafĂŒr muss es im Körper aber erst wieder aufgespalten werden, was vor Allem durch die Erythrozyten, die roten Blutkörperchen geschieht. Das Lysin wird abgekoppelt und erst dann wird das D-Amphetamin zu einem aktiven Metaboliten.

Somit ist LDX eine Prodrug, in dieser Form also noch inaktive, wirkungslose VorlÀuferstufe und beugt so auch dem Missbrauch vor. Es etwa als schnelle Partydroge zu benutzen, ist also per se sinnlos, denn bis es seine Wirkung entfaltet hat, ist die Party vorbei. Es muss schlichtweg durch den Verdauungstrakt, wo es zwar recht rasch resorbiert, also aufgenommen wird, ...

... aber bis die maximale Plasmakonzentration erreicht ist, dauert es halt so 3 bis 4 Stunden.

Eine, wie ich - aus der Sicht des interessierten Laien - finde, ganz ausgeklĂŒgelte Sache.

Der einzige Haken an dieser Sache sind die relativ hohen Kosten von rund 110 EUR pro Monatspackung, wenn man es - als diagnostizierter Erwachsener, wie ich - i.d.R. selbst zahlen muss. Da mir dies aber glĂŒcklicherweise möglich ist, ist die positive Wirkung auf mich bei ggf. geringen Nebenwirkungen mir diese Kosten wert.


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